Tredeschin-Leiter Michael Kunze (li.), hier mit Tanja Kunze, die Hans spielt, nimmt mit seinem Theater jährlich am Märchenherbst teil. Foto: Stefanie Schlecht

Der sechste Böblinger Märchenherbst dauert noch bis Sonntag an. Neben dem Orpheus Theater führt auch das Tredeschin-Theater aus Stuttgart verschiedene Stücke auf – darunter kürzlich der Klassiker „Hans im Gück“.

Mehrere Male durchbricht lautes Lachen die gebannte Stille im Saal. Etwa dann, wenn Protagonist Hans wieder ein Missgeschick passiert. Es kommt von den Kindern in den vorderen Reihen, die mit ihren Eltern und Großeltern an diesem Donnerstag in der Böblinger Stadtkirche St. Dionysius die Trioaufführung zu „Hans im Glück“ besuchen. Und angetan sind von der Schauspielkunst des Theater Tredeschin aus Stuttgart.

 

Dessen Ensemble führt ebenso wie das Orpheus-Theater aus Haigerloch von Mittwoch bis Donnerstag in der Stadtkirche und von Freitag bis Sonntag im Gemeindehaus Feste Burg Stücke der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen auf, darunter „Die Bremer Stadtmusikanten“ sowie „Das Däumelinchen“. Das trägt sich im Rahmen des Märchenherbsts zu, den das Böblinger Stadtmarketing zum sechsten Mal veranstaltet. Von Freitag bis Sonntag baut der Mittelaltermarkt das Programm in der Kreisstadt aus.

„Jeder kennt Märchen, das erinnert so ein bisschen an die Kindheit und man kann in eine schöne Welt eintauchen. Man merkt wirklich, dass es generationenübergreifend ist“, sagt Citymanagerin Kira Morgan. Viele Leute kämen auch mehrmals, das Einzugsgebiet reiche über Böblingen hinaus.

Trio führt „Hans im Glück“ zweimal auf

Tredeschin-Leiter Michael Kunze spielt selbst mit – und nimmt in den rund 45 Minuten die verschiedensten Rollen ein. Foto: Stefanie Schlecht

Bei der ersten der zwei „Hans im Glück“-Aufführungen sind 41 Personen im Publikum. Sie sehen, wie Lydie Vanhoutte gemeinsam mit Tanja Kunze und Tredeschin-Leiter Michael Kunze einen Klassiker performen: Hans verlässt die Mühle und erhält für die geleistete Arbeit einen Klumpen Gold vom Meister. Der ist ihm aber zu schwer. Er tauscht den wertvollen Klumpen gegen ein Pferd, dann unter anderem gegen weitere Tiere, mit denen er auch wenig anfangen kann. Hans wird also getäuscht. Glücklich ist er erst, als er nichts mehr hat und zu seiner Mutter zurückkehrt.

„Das ist eines der eingängigsten Märchen“, sagt Michael Kunze, dessen Theater im Osten der Landeshauptstadt im kommenden Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Er habe das Gefühl, die Kinder „identifizieren sich mit Hans, er ist für sie der Held“.

Lydie Vanhoutte tritt mit Tanja Kunze und Michael Kunze auf. Foto: Stefanie Schlecht

Wichtig seien für die Kinder auch die sinnlichen Eindrücke – etwa in Bezug auf die Theaterrequisiten. Denn wie schwer ist denn nun der Klumpen Gold, den Hans nicht schleppen konnte?

Das finden die Jüngsten in den vorderen Reihen direkt nach der rund 45-minütigen Aufführung heraus. „Theater zum Anfassen“, sagt Clarissa Ohr, die mit ihren beiden Jungs und ihrer Schwiegermutter vor Ort ist. „Ich finde es schön, dass die Kinder mit eingebunden und angesprochen werden“, meint die Mutter und hofft mit Blick auf das Stadtmarketing, „dass sie das auch noch eine Weile weiter organisieren“.

Zudem lobt sie den Ticketpreis von fünf Euro pro Person – ebenso wie Anne Weimper, die auch aus der Kreisstadt ist und mit ihrer Tochter und ihrem Sohn auf die zweite Aufführung wartet. „Nett gemacht, ein schönes Angebot“, sagt sie, bevor sich Hans wieder auf die Suche nach dem Glück begibt.

Die Termine und Öffnungszeiten am Wochenende

Aufführungen
„Die Bremer Stadtmusikanten“, Figurenspiel des Theaters Tredeschin Stuttgart nach einem Märchen der Gebrüder Grimm (Samstag, 11 Uhr und 13 Uhr, jeweils circa 45 Minuten, Feste Burg); „Frau Holle“, Marionettenspiel des Theaters Tredeschin Stuttgart nach einem Märchen der Gebrüder Grimm (Samstag, 16 Uhr und 18 Uhr, jeweils circa 45 Minuten, Feste Burg); „Das Däumelinchen“, Spiel des Orpheus-Theaters Haigerloch mit Stabpuppen nach einem Märchen von Hans Christian Andersen (Sonntag, 11 Uhr, 13 Uhr, 16 Uhr und 18 Uhr, jeweils circa 50 Minuten, Feste Burg).

Märchenherbst
Vormittags sind Kita- und Grundschulgruppen bei den Aufführungen. Die öffentlichen Theater sind für Kinder ab vier Jahren und dauern, je nach Stück, entweder etwa 45 oder 50 Minuten. Interessierte können für fünf Euro Karten in der Böblinger Stadtbibliothek „Im Höfle“ (Samstag, 10 Uhr bis 13 Uhr) oder an der Tageskasse kaufen. Die Feste Burg bietet 70 Plätze.

Mittelaltermarkt
Dieser findet in diesem Jahr von Freitag an auf dem Marktplatz statt. Am Samstag ist er von 11 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, am Sonntag dann zum Abschluss von 11 Uhr bis 18 Uhr.