Er liefert bei „Die Fieberträume des Herrn Mauch“ eine großartige Leistung ab: Hauptdarsteller Artur Wall.Foto: Nicklas Santelli Foto:  

Die Theatercollage im Stettener Felsengarten ist ein sehenswertes Erlebnis – aber zu lang.

Kernen - Afrikaforscher, Kartograf und Goldsucher: Das Leben des am 7. Mai 1837 in Stetten geborenen Karl Gottlieb Mauch bietet fraglos Stoff für einen außergewöhnlichen Theaterabend. In seinem am Dienstag vor der Traumkulisse des Klettergartens aufgeführten Stück „Die Fieberträume des Herrn Mauch“ hat sich der Regisseur Andreas Gericke dem als Lehrer gescheiterten und mit Malaria in die Heimat zurückgekehrten Weltenbummler genähert – und ein diffiziles Bild vom schwäbischen Sisyphos gezeichnet.

Mal dient der Fels als Klettergerüst, mal wird er als Kreidetafel für kartografische Zeichnungen genutzt

Das liegt vor allem am beeindruckenden Spiel des Hauptdarstellers Artur Wall, der den Zorn und die Lebenslust, die Verträumtheit und den Forscherdrang des Stettener Kinds spürbar macht. Es liegt aber auch am Regisseur selbst, der nicht nur das mit Originalzitaten gespickte Buch geschrieben hat, sondern mit einer Gruppe von – wohlgemerkt! – Laienschauspielern auch eine faszinierende Theatercollage auf die Bühne bringt.

„Schrecken Sie nicht vor grandiosen Einfällen zurück“, schreibt der Reiseliteratur-Verleger Dr. Petermann dem 1865 ins ferne Afrika reisenden Mauch ins Stammbuch. Andreas Gericke hat sich das offensichtlich auch selbst zu Herzen genommen. Mal dient der Fels als Klettergerüst, mal wird er als Kreidetafel für kartografische Zeichnungen genutzt, mal ist er die Projektionsfläche für einen Schattenriss. Das Spiel mit den Ebenen gelingt: Hoch über den Köpfen der Zuschauer darf der Zementwerksbesitzer („Wer sieben Jahre Afrika überlebt, überlebt auch Blaubeuren“) um das Fachwissen des Geologen buhlen, und tief unten in einer steinernen Mulde trägt eine junge Mutter ihr totes Kind zu Grabe.

Neben einem Händchen für Lichteffekte beeindruckt beim Theaterabend unter dem Sternenhimmel

Beeindruckend ist beim Freilichtspiel im Klettergarten allerdings nicht allein die Kulisse. Die seit gut zwei Jahren an der Theatercollage arbeitende Truppe schafft auch eine teils gespenstische, teils aufwühlende, vor allem aber dichte Atmosphäre. Die Hauptfigur des Karl Gottlieb Mauch tritt mit ihrer Neugier auf die Welt und dem Dünkel gegenüber den „Kaffern“ so klar zutage, dass für die Nebenrollen oft nur Kurzauftritte bleiben – und es etwa bei Fanny (Johanna Steidle), Mauchs Mutter (Claudia Vester) oder auch bei Jebe (Marius Meier) nur zu einem grob skizzierten Klischee reicht.

Neben einem Händchen für Lichteffekte beeindruckt beim Theaterabend unter dem Sternenhimmel übrigens auch der kristallklare Ton, gerade bei Open-Air-Vorstellungen sonst oft ein Problem: Die mit Headset ausgestatteten Schauspieler sind gut zu verstehen, ob sie nun über einen Felsvorsprung kraxeln, auf der Bergspitze sitzen oder Steine klopfen.

Das Wagnis hat sich gelohnt

„Vor drei Jahren wollten wir schon in den Schlosspark ausweichen, weil der Aufwand hier oben im Klettergarten so groß ist. Doch das Wagnis hat sich gelohnt“, war Kernens Bürgermeister Stefan Altenberger schon vor der Premiere sicher. Tatsächlich sind „Die Fieberträume des Herrn Mauch“ ein sehenswertes Erlebnis. Nur eines hat Regisseur Andreas Gericke nicht geschafft: unter all den schönen Einfällen auch auszuwählen und zu streichen. Mit inklusive einer eher kurz bemessenen Pause drei Stunden ist die Theatercollage im Felsengarten gut ein Drittel zu lang. „So genau“, werden sich viele Besucher sagen, „wollten wir das mit dem Herrn Mauch gar nicht wissen.“

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