Susanne Heydenreich steht während des zweiten Lockdowns der Gedanke, dass die Menschen nicht krank werden sollen, an erster Stelle. Foto: privat

Susanne Heydenreich, Intendantin des Theater der Altstadt, hat bedingt durch den Lockdown viel Zeit im Archiv verbracht. Vielen Erinnerungsstücken aus der Geschichte des vor 62 Jahren gegründeten Theaters ist sie begegnet. Diese machen Mut.

Ob Lohengrin und Elsa mitbekommen haben, wie sich das Leben rund um den Stuttgarter Feuersee durch die Pandemie verändert hat? Womöglich nicht. Die beiden Schwäne gleiten scheinbar schwerelos über das Wasser wie eh und je. Die Namen hat ihnen Susanne Heydenreich gegeben, die Intendantin des Theaters der Altstadt. Von ihrem Büro aus, das im ersten Stock direkt über dem Theater liegt, öffnet sich der Blick auf das Heimatgewässer von Elsa und Lohengrin.

Wieder haben sie und ihr Team im Theater geprobt, an Szenen gefeilt, Kostüme entworfen und an Kulissen gearbeitet. Wieder werden sie nicht mit dem Publikum teilen können, was am Ende nur zusammen mit den Menschen auf der anderen Seite der Rampe funktioniert: echtes Theater. Die Nachricht von der Verlängerung des zweiten Lockdowns hat Heydenreich erreicht, als sie über den 62. Geburtstag des Theaters nachdachte. Jenes Theater, das ihre Eltern 1958 eröffneten. Als erstes Privattheater in Stuttgart nach dem Krieg.

Es gibt immer wieder einen Anfang

Bedingt durch den Lockdown ist Heydenreich momentan oft im Archiv, um Dinge zu ordnen. Keller aufräumen – das machen viele Menschen in der aktuellen Situation. Aber nicht alle stoßen dabei wie die Intendantin auf die ersten Programmhefte, die den Besuchern vor mehr als 60 Jahren ausgehändigt wurden. Viele Erinnerungen sind da aufgekommen.

Das Nachdenken über die turbulente Anfangszeit hat ihr ins Gedächtnis gerufen, dass es immer wieder einen Anfang gibt – und immer wieder Rückschläge. Es bedürfe immer wieder des Mutes, der Begeisterung, des Idealismus, um an das Theater und den Beruf des Schauspielers zu glauben und weitermachen zu können, sagt sie. Dass ihre Equipe das kann, hat sie über die Sommermonate bewiesen, als Kirchengemeinden zu Spielstätten wurden. Das habe nicht nur Spenden eingebracht, sondern der Theatermannschaft eine beachtliche Reputation beim Publikum beschert. Was – zugegeben – nichts an der momentan schwierigen Realität ändert.

Für 2021 gibt es viele Ideen

Es gibt wohl nur wenige Menschen, deren Leben so dauerhaft und so eng mit der Theaterbühne verbunden ist wie das von Heydenreich. Dennoch steht für sie nun während des zweiten Lockdowns der Gedanke, dass die Menschen nicht krank werden sollen, an erster Stelle. Ideen, wie es 2021 weitergehen kann, hat sie viele. Bis es jedoch so weit ist, richtet sie gerne den Blick darauf, wie gut es ist, dass wir so vieles im Überfluss haben – Bücher, Musik, Streaming-Dienste und vor allem auch die Möglichkeit, über die Zukunft nachzudenken. Mit Blick auf Elsa und Lohengrin vielleicht, die wohl auch dann noch auf dem Feuersee schwimmen, wie immer.

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