Reinhold Weiser, Christian Sunkel und Dirk Emmert (v.l.n.r.) spielen in „Kunst“ die drei Freunde. Foto: Veranstalter

Ein Kunstkauf löst eine veritable Krise zwischen drei Freunden aus. Eigentlich geht es um ihre Beziehung zueinander. Am 14. Juni bringt das Theater der Altstadt Yasmina Rezas Komödie in einer Inszenierung von Stephan Bruckmeier auf die Bühne. Er und die Schauspieler Dirk Emmert und Reinhold Weiser erklären, was den Reiz des Stückes ausmacht.

Was sind das für Typen, diese drei Freunde?

Dirk Emmert: Ich spiele Marc. Er ist etwas konservativ, als Ingenieur bodenständig und betrachtet die Dinge wissenschaftlich-konventionell. Marc hat ein vorgefertigtes Weltbild, und schrille Dinge bereiten ihm Angst.

Reinhold Weiser: Ich verkörpere Serge, einen Arzt, der in Trennung von seiner Familie lebt und ein ziemlich solitäres Leben führt. Er kompensiert es mit seinem Interesse für Kunst. Serge vertritt die Ansicht, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt und kennt vermeintlich oder reell die schönen Dinge, Literatur und Philosophie. Damit steht er im Gegensatz zu Marc.

Stephan Bruckmeier: Yvan schließlich ist ein klassisch gestörtes Trennungskind, das nach verschiedenen erfolg­losen Versuchen endlich ein ordent­liches Leben mit Ehe und seriösem Beruf anstrebt. Er versucht, zwischen Marc und Serge wie zwischen zerstrittenen Elternteilen zu vermitteln. Es ist sein tragisches Schicksal, immer alle verstehen zu wollen. Er ist der Diplomat, der unter die Räder gerät.

Warum kommt es zum Streit?

Emmert: Serge versucht Marc von dem Bild zu überzeugen, der will aber nicht überzeugt werden. Da muss ein Konflikt entstehen. Außerdem spielt mit hinein, dass Serge mehr verdient als Marc. Für Serge ist das Bild auch eine Aktie. Aber da frage ich als Marc, was hat das mit Kunst zu tun?

Bruckmeier: Als Arzt ist Serge es gewohnt, andere von oben herab zu beobachten, das geht Marc auf den Keks. Und Yvan ist zwar tolerant, aber auch haltungslos, was die anderen reizt.

Warum verschwören sich Serge und Marc gegen Yvan?

Bruckmeier: Yvan ist der Freak, der bürgerlich geworden ist, heiratet und Kinder bekommen will. Weil er sich um seine Partnerin kümmert, kommt er ständig zu spät. Das nervt die beiden. Deshalb verbünden sie sich immer wieder gegen ihn. Yvan glaubt aber in seiner Naivität, dass sie sich freuen und Trauzeugen werden.

Weiser: Bisher war die Konstellation stabil, Marc und Serge sind die beiden Pole, zwischen denen Yvan hin und her geworfen wird und an dem sie ihre Probleme abarbeiten. Sie brauchen die Diskussion und definieren sich so.

Warum ist „Kunst“ so beliebt?

Bruckmeier: Es ist eine sehr vielschichtige, pointiert geschriebene und philosophische Komödie mit drei Personen. Sie ist gut zu besetzen. Das Stück geht um etwas, wovon jeder Mensch glaubt, eine Ahnung zu haben. Von Kunst hat aber bestenfalls Serge eine Ahnung. Das Stück ist außerdem so gut, weil es undurchschaubar ist und immer wieder überrascht.

Weiser: „Kunst“ ist ein Stück, nach dem sich Schauspieler die Finger lecken. Es geht um große Themen wie Freundschaft, Geld, Wissen und die Frage, wie belastbar menschliche Beziehungen sind. Außerdem spiele ich sehr gern mit den Kollegen, wir haben schon oft zusammengearbeitet.

Emmert: Das Stück ist sehr einfach – und wie alle einfachen Dingen sehr kompliziert.

Könnten Sie sich vorstellen, wie im Stück ein weißes Bild mit weißen Streifen zu erwerben?

Emmert: Das kommt ganz auf den Kontostand an.

Weiser: Ich wäre durchaus für so eine Narretei zu haben. Aber da ich selbst male, ist das nicht nötig. Es ist toll, dass es um ein weißes Bild geht, weil es auch Projektionsfläche ist. Bruckmeier: Da ich ein Galeristenkind bin, habe ich vollstes Verständnis. Meine Familie betreibt seit 45 Jahren eine Galerie. Ich finde solche sparsamen Bilder toll, weil die eigene Fantasie angeregt wird. Die Frage aber ist, ob man sich das Bild kauft, weil man sich verliebt hat oder weil man auf dem Kunstmarkt mitmischen will.

Was könnte man den Freunden raten?

Bruckmeier: Toleranz beginnt da, wo das Verstehen aufhört.

„Kunst“: Premiere am 14. Juni, 19.30 Uhr, Theater der Altstadt, Tickets 07 11 / 99 88 98 18 oder online

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