Bernhard Linke (links) spielt in Stephen Mallatratts „Die Frau in Schwarz“ den undurchsichtigen Anwalt Mr. Kipps, der beim Ordnen eines Nachlasses auf ein düsteres Geheimnis stößt. Foto: Veranstalter

Wiederaufnahme im Theater der Altstadt: Stephen Mallatratts Mysterythriller „Die Frau in Schwarz“ soll bald wieder im Stuttgarter Westen auf der Bühne zu sehen sein. In den Hauptrollen: Bernhard Linke und Jörg Pauly.

Gehauen habe er sich nie, sagt Bernhard Linke (Foto: links, mit Jörg Pauly). Er halte sich von Gewalt fern. Trotzdem spielt er auf der Bühne meistens die Fiesen, Gemeinen. Woran das liegt? „Mein Fach sind die Antagonisten und die Bösen, weil ich ihre Motive erkenne“, sagt der 43-Jährige.

„Man kann die Mechanismen besser verstehen, wenn man sich damit befasst.“ So hat er sich zum Beispiel viele Gedanken über den Franz Moor aus Friedrich Schillers „Die Räuber“ gemacht, auch über Hagen von Tronje aus dem „Nibelungenlied“. Ihn interessiert dabei immer die Frage, was die Menschen zu dem gemacht hat, als was sie wahrgenommen werden und wodurch ihnen die Fähigkeit zur Empathie abhandengekommen ist.

Bernhard Linke erlaubt seinen Figuren auch differenziertere Charaktere. So habe Franz Moor in manchem, was er anprangere, in der Sache durchaus recht, sagt Linke. Und auch Hagen sei seinem Herrn gegenüber loyal und integer.

Bernhard Linke: „Das Grauen kann ich nach dem Stück abschütteln“

In Stephen Mallatratts „Die Frau in Schwarz“ spielt er den undurchsichtigen Anwalt Mr. Kipps, der in einem unheimlichen Haus in den Marschen den Nachlass einer Mandantin ordnen soll und dabei auf ein düsteres Geheimnis stößt. Was hat es mit der Frau in Schwarz auf sich, nach deren Erscheinen immer ein Kind auf schreckliche Weise den Tod findet?

Das diffuse Grauen, das nach und nach die Gliedmaßen des Publikums hinaufkriecht wie der feuchte Nebel in den Marschen, ist eine der großen Stärken des Stücks. Bekommt da der Schauspieler, der selbst Vater zweier Kinder ist, nicht auch manchmal ein wenig Angst? „Das Grauen kann ich nach dem Stück abschütteln“, sagt Bernhard Linke. Aber während er auf der Bühne steht, fühlt er es. „Es muss sich übertragen, sonst kann man’s nicht nachvollziehbar machen. Damit der Zuschauer das Gefühl fühlt, muss ich es selber fühlen.“

Gerhard Weber inszeniert „Die Frau in Schwarz“ im Theater der Altstadt

Auch in „Die Frau in Schwarz“ hat er sich gefragt, was sie hat werden lassen, wie sie ist. Warum sie so grausam ist und unschuldige Kinder sterben lässt. Er rekapituliert ihre Geschichte: den erlittenen Schmerz, dass sie ihr Kind ihrer Schwester übergeben musste und diese mit ihm hinaus in die Marschen fährt, nur damit die leibliche Mutter es nicht sehen kann. Diese steht schließlich am Fenster und muss mit ansehen, wie ihr Kind zu Tode kommt.

Damit sind natürlich noch lange nicht alle gruseligen Geheimnisse geklärt. Wem erscheint die Frau in Schwarz? Und warum kann sie nicht jeder sehen? Fragen über Fragen, die das Theaterstück am Ende beantworten kann.

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