Schauspieler Irfan Kars Foto: Veranstalter

Das Stück „Die schmutzigen Hände“ wird am 24. Mai am Theater der Altstadt in Stuttgart wieder aufgenommen.

Viel zeigt sich darin, wie jemand seinen Mantel ablegt: ob er ihn achtlos über eine Stuhllehne wirft oder ihn sorgsam faltet und behutsam ablegt. Für den Schauspieler Irfan Kars spricht aus einer scheinbar so nebensächlichen Handlung bereits Wesentliches, das die von ihm gespielte Figur des Hugo in Jean-Paul Sartres „Die schmutzigen Hände“ ausmacht. „Hugo wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen. Er möchte sich mit allem, was er tut, aus der aristokratischen Kaste lösen, aus der er kommt“, erklärt Kars. „Aber Hugo kann nicht aus seiner Haut.“ Seine Erziehung schimmert durch in seiner aufrechten Haltung, in der stolzen Art, wie er seinen Kopf trägt und wie er spricht. Und wie er seinen Mantel ablegt. „Nicht die großen, deklamatorischen Gesten sind wichtig, sondern es sind die kleinen, beiläufigen“, sagt Kars. Das zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit als Schauspieler, findet aber auch Ausdruck in den theaterpädagogischen Projekten, die er mit Jugendlichen macht, ebenso in seiner Arbeit als Regisseur, wie etwa am Naturtheater Reutlingen.

„Sie sind Denker“

Im April hatte Kars sich in die Rolle des Andri in Max Frischs „Andorra“ nach eineinhalb Jahren wieder hineinfinden müssen. Andri hat einen ganz anderen Charakter als Hugo, und auch der äußert sich in Kleinigkeiten. Da sind zum Beispiel die Augen, die Andri weit aufreißt und mit denen er in die Welt starrt. Während der intellektuelle Hugo eher ein verspielter Typ sei, der einen Auftragsmord zunächst als reizvolle Aufgabe ansieht, die ihn aus seiner Rolle als Aristokratensprössling herauskatapultieren wird, ist Andri der nette Junge von nebenan. Aggression sucht man bei ihm zunächst vergebens. Anders als bei Hugo, dessen innere Erregung an seinen zusammengekniffenen Augen und der angespannten Körperhaltung zu sehen ist. Eines haben beide Figuren jedoch gemeinsam. „Sie sind Denker“, sagt Kars. Andri bekommt vom Pastor gesagt: „Du denkst. Du hast einen Funken in dir“, wohingegen Hugo von seinem späteren Opfer Hoederer zu hören bekommt: „Du kannst niemanden kaltblütig umbringen. Du denkst zu viel.“ Und noch eines eint die beiden Charaktere, die Kars verkörpert: Sie sind am Ende des Stücks tot. „In den letzten fünf oder sechs Produktionen sterbe ich zum Schluss“, sagt der 36-Jährige schmunzelnd. „Ich habe den Regisseur schon gefragt, ob er etwas gegen mich hat.“

„Die schmutzigen Hände“: Wiederaufnahme 24. Mai, 19.30 Uhr, Theater der Altstadt, Tickets unter 07 11 / 99 88 98 18 und online buchbar.

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