„Die Frau in Schwarz“ wird im Theater der Altstadt mit Jörg Pauly (links) und Bernhard Linke in den Hauptrollen gezeigt. Foto: Sabine Haymann

Seit über zehn Jahren ist „Die Frau in Schwarz“ ein Dauerbrenner im Londoner West End und damit, nach Agatha Christies „Die Mausefalle“, das Stück mit der längsten Laufzeit überhaupt. Das Theater der Altstadt nimmt das Theaterstück nach dem Roman von Susan Hill ab 13. März wieder auf.

Irgendwie bleibt ein Rest von Unbehagen, auch nachdem sich der Bühnenvorhang zum letzten Mal geschlossen hat. Sicher, es ist alles nur Theater. Tatsächlich? Wer sich mal wieder so richtig schön gruseln möchte – und zwar ganz ohne schockierende Großaufnahmen ekliger Details –, der sollte sich die Wiederaufnahme von „Die Frau in Schwarz“ am Theater der Altstadt vormerken.

Stephen Mallatratt hat den gleichnamigen Roman von Susan Hill in ein Gruseldrama verwandelt, das Anfang des vorigen Jahrhunderts spielt. Es ist ein Stück im Stück. Nur zwei Akteure sind notwendig, um das Publikum erschaudern zu lassen. Einer, der den jungen Anwalt Arthur Kipps (Bernhard Linke) gibt, und ein anderer, der einen Schauspieler mimt (Jörg Pauly).

Warum das? Kipps hat eine furchtbare Geschichte erlebt, von der er sich befreien möchte, indem er sie erzählt. Der Schauspieler hat die Idee, dass er selbst dabei die Rolle von Arthur Kipps übernimmt und dieser die Darstellung aller anderen Personen: zum Beispiel die des ständig niesenden Mr. Tomes, des brummigen Wirts oder des Kutschers Mr. Keckwick. Eine wichtige Person ist Mr. Daily, durch den Kipps nach und nach erfährt, was es mit dem verlassenen Haus in den Marschen und der Frau in Schwarz auf sich hat.

„Die Frau in Schwarz“ zeigt einen Thriller auf der Theaterbühne

So weit, so amüsant. Gänsehaut gibt es erst, als alle Beteiligten – einschließlich des Publikums – nach und nach in die eigentümliche Geschichte eintauchen. Kipps bekommt das Mandat, den Nachlass von Alice Drablow durchzusehen. Die Verstorbene hatte in einem Haus in einem abgelegenen englischen Küstendorf gelebt.

Doch die zunächst unspektakulär anmutende Aufgabe gerät nach und nach zum Thriller. Das Grauen kommt so unmerklich wie der Nebel in den Marschen. Wie die Frau in Schwarz, nach deren Erscheinen immer etwas Schreckliches passiert. Begleitet wird das Ganze von undefinierbaren Rumpelgeräuschen und dem nicht lokalisierbaren Schrei eines Kindes – klassische Grusel-Zutaten.

Inszeniert hat das Ganze Gerhard Weber, ehemals Regieassistent von Claus Peymann. Oft wechseln die Schauplätze und die Rollen. Das stört aber keineswegs: Weber setzt auf „gute, einfache Theatermittel“, und so wird unversehens aus einem Bauernschrank ein rumpelndes Zugabteil. Kopfkino vom Feinsten!

Info: „Die Frau in Schwarz“: Wiederaufnahme 13. März, 19.30 Uhr, weitere Termine im März, Tickets unter 07 11 / 99 88 98 18 sowie auf der Homepage des Theater der Altstadt

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