Nora Tschirner nutzt die Pause beim Weimar-„Tatort“, um als Depression einem Musiker das Leben schwer zu machen. Heute im Serien-Tüv: „The Mopes“ auf TNT Comedy.
Stuttgart - Unser Schnelltest verrät, ob es sich lohnt, einer neuen Serie eine Chance zu geben. Wir haben für Sie gesehen: „The Mopes“ auf TNT Comedy.
Die Story in drei Sätzen Mat war mal der Star in einer Boygroup, versucht sich nun erfolglos als Singer-Songwriter und zieht zu seiner Freundin Susa nach Berlin. Kaum ist er dort angekommen, taucht aber eine Frau in seinem Bett auf, die ihm gemeine Dinge ins Ohr flüstert. Diese Frau, die er Monika nennt, ist kein Mensch, sondern eine mittelgradige Depression und die fleißigste und ehrgeizigste Mitarbeiterin in der Zentrale für psychische Erkrankungen – und dass Mat Monika sehen kann, ist ein Problem.
Was soll das alles? Sind Depressionen witzig? Nein, das weiß auch Nora Tschirner, die Monika spielt. In einem Interview mit dem „SZ“-Magazin hatte die schnippisch-ulkige Kommissarin aus dem Weimarer „Tatort“ kürzlich verraten, dass sie jahrelang unter Depressionen gelitten und das stets verheimlicht hat. Mit der Rolle in der Dramedyserie will sie anderen Menschen, die unter Depressionen leiden, Mut machen. Ipek Zübert, die zuvor Drehbücher für „Dogs of Berlin“ oder „Wir sind die Welle“ beisteuerte, hat sich „The Mopes“ ausgedacht.
Wer spielt mit? Den von Nora Tschirner drangsalierten Musiker spielt der Niederländer Roel Dirven, der bisher außerhalb seines Heimatlandes noch nicht wirklich aufgefallen ist. Paula Kalenberg ist als Mats Freundin Susa zu sehen.
Die Verkleidung des Tages Die Kostümabteilung gibt sich große Mühe, Nora Tschirner fast bis zur Unkenntlichkeit zu verunstalten. Unter einem hässlichen Käppchen lugt eine strenge Ponyfrisur mit grauer Strähne hervor. Monika zwängt sich in einen plumpen blau-gelben Arbeitsanorak und trägt ein weißes Schleifchen um den Hals.
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Der Monolog des Tages: „Ich hab ganz klar ’ne Klassifikation als mittelgradige Depression“, berichtet Monika ihren Vorgesetzten, „wieso kann mein Fall mich dann sehen? Bin ich mutiert? Oder bin ich eine Schizophrenie? Bitte nicht! Werde ich jetzt zwangsversetzt?“
Woran erinnert einen die Zentrale für psychische Erkrankungen? Die schrullig-surreale Parallelwelt der Serie hat sich die Ästhetik bei den Filmen von Wes Anderson („Die Royal Tenenbaums“, „Moonrise Kingdom“) abgeschaut. Der absonderliche Fahrstuhl, mit dem die PEs (Psychische Erkrankungen) zu ihren Fällen fahren, könnte direkt aus Andersons „Grand Budapest Hotel“ stammen.
Lektion unnützen Wissens Die Monitore an Monikas Arbeitsstelle geben die Zahl aktueller Fälle psychischer Erkrankungen in Deutschland mit 14 335 821 an. So fantastisch die Serie sonst ist, die Zahl ist ziemlich realistisch und sogar etwas untertrieben: In Deutschland sind jedes Jahr durchschnittlich 27,8 Prozent der Einwohner von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das entspricht 17,8 Millionen Menschen.
Der Beipackzettel Depressionen sind eine ausgesprochen ernste Sache. Wer bei sich Symptome feststellt wie zunehmende Lustlosigkeit, Reizbarkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, übertriebene Zukunftsängste oder Schlafstörungen, sollte im Zweifel einen Arzt aufsuchen.
Bingewatch-Faktor? Nora Tschirner ist als Monika in „The Mopes“ fast so komisch wie als Kira Dorn im „Tatort“. Die Serienidee ist so kurios, dass sich das Dranbleiben lohnt. Und Anna Brüggemann als Melancholie Ophelia, Kathrin Angerer als Panikstörung Fiona und Mathias Matschke als posttraumatische Störung Bruno haben Spin-off-Potenzial.
Gesamtnote 2-
The Mopes Ab 11. Mai immer dienstags um 20.15 Uhr auf TNT Comedy. Zum Auftakt ist eine Doppelfolge zu sehen.