Zwielichtige Berater der Reichen und Steuerflüchtigen: Gary Oldman (li.) und Antonio Banderas als Anwälte im Zentrum des Panama-Paper-Skandals. Foto: Netflix/Claudette Barius

Die skandalösen Panama Papers brachten es ans Licht: Reihenweise verstecken die Reichen ihr Geld in Steuerparadiesen. Steven Soderbergh hat darüber eine bitterböse Filmsatire gedreht – „The Laundromat“. Lieber bald anschauen: Betroffene wollen Netflix das Streamen des Werks gerichtlich verbieten lassen.

Stuttgart - Bis zur letzten Minute haben die Herren Ramón Fonseca und Jürgen Mossack versucht, den Start von Steven Soderberghs neuem Spielfilm „The Laundromat“ bei Netflix zu verhindern. Die beiden Anwälte standen mit ihrer Firma im Zentrum des weltweiten Skandals um die Panama Papers. Und „The Laundromat“ – deutscher Titel: „Die Geldwäscherei“ – illustriert bissig satirisch, was die von einem Whistleblower der Presse zugespielten Panama Papers enthüllten: wie Millionäre und Milliardäre, Konzerne und Künstler, Politiker und Schwerverbrecher Vermögen und Einkommen vor der Steuer versteckten oder waschen ließen. Ein Gericht in Connec­ticut hat – vorerst – für Soderbergh und Netflix entschieden. Seit Freitag, 18. ­Oktober 2019, kann „The Laundromat“ gestreamt werden.

Soderbergh geht sein Thema von unten und von oben gleichzeitig an. Von unten arbeitet sich die von Meryl Streep gespielte Großmutter Ellen Martin fassungslos in die Welt der Briefkastenfirmen, Fassadenstiftungen und Scheingesellschaften ein. Ihr Mann kam bei einem Bootsunfall um, den sie selbst knapp überlebt hat. Anfangs wird ihr schnelle Entschädigung zugesichert, dann aber muss sie erleben, wie sich auch scheinbar klare Versicherungsverhältnisse und Zahlungsverpflichtungen im Wirrwarr von wunderlichen Firmen an exotischen Orten in nichts auflösen.

Massenmörder und Kasperle

Von oben her erklären die von Gary Oldman und Antonio Banderas gespielten Herren Fonseca und Mossack mit süßlicher Larmoyanz, wie ihre Geschäfte funktionieren und dass sie eigentlich ganz korrekt und ehrenhaft seien. Wobei ihr Verhalten ihren Behauptungen gern mal widerspricht: Ihre Nervosität in manchen Situationen etwa macht klar, dass sie sehr wohl wissen, dass ihr aktueller Klient kein anonymer Biedermann, sondern ein Drogenboss und Massenmörder ist.

Die Filmvarianten von Fonseca und Mossack, argumentieren die Anwälte von Netflix, stellten keine Verletzung von Persönlichkeitsrechten dar, es seien erkennbar „Cartoon-Figuren“. Das trifft einerseits zwar durchaus zu, bedeute andererseits aber nicht, hier gleite irgendetwas ins sinnfrei Witzelnde ab. Gestützt auf das Buchs „Secrecy World“ des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Jake Bernstein, kombiniert Soderbergh den kalten Schrecken über die korrupten Strukturen der globalen Finanzwelt mit der spöttischen Verachtung ihrer Akteure. Er nimmt die Taten ernst, aber nicht die Täter. Die zeigt er eher als sich selbst überschätzende Kasperlefiguren, geboren aus und belebt von Gier und Egoismus ihrer Klientel.

Blitzlichtgewitter der Pointen

Steven Soderbergh, Jahrgang 1963, hat ein besonders vielfältiges Werk aufgebaut. Er wechselt permanent die Tonarten, Perspektiven und Genres und hat auch schon mal frustriert (und zum Glück voreilig) das Ende seines Filmemachens angekündigt. Er mag das Fantastische und Surreale genauso sehr wie das Realistische; manchmal will er einfach mit den Mitteln des Spielfilms erklären, wie es zugeht auf der Welt, in seinem Drogenhandelsfilm „Traffic“ etwa. „The Laundromat“ steht in der besten Tradition eines sich einmischenden Kinos, das die Wirklichkeit nicht einfach abbilden, sondern mit dem Blitzlichtgewitter schwarzhumoriger Pointen aus der falschen Spur treiben will.

Ja, die Gesetzlosigkeit des großen Geldes ist ein Thema, das Ärger und Besorgnis, Frustration und Zweifel auslösen muss. Aber so durchtrieben gallig, wie Soderbergh es in „The Laundromat“ behandelt, kann man auch Mut schöpfen. Was sich so durchschauen und entblößen lässt, müsste sich in Demokratien auch abschaffen lassen. Und wenn man den Fonseca- und Mossack-Figuren im Film eines abnehmen darf, dann das: Sie sind geworden, was sie sind, weil ihnen Gesetzeslücken die Chance dazu ließen.

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