Harry trifft Ruby: Daniel Radclifffe als Wallace und Zoe Kazan als Chantry wollen einfach nur gute Freunde sein. Mehr Impressionen aus dem Film gibt's in unserer Bildergalerie. Foto: Verleih

Genug genuschelt: In „The F-Word – Von wegen nur gute Freunde!“ von Regisseur Michael Dowse treffen Indie-Skurrilität und romantische Komödie aufeinander. In der Hauptrolle: Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe. Impressionen aus dem Film gibt's in unserer Bildergalerie.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "The F-Word"

Zwei Typen sitzen sich in einer Küche gegenüber, in der sich dreckiges Geschirr stapelt. Der eine, Daniel Radcliffe, spielte einst den Helden der „Harry Potter“-Saga. Der andere, Adam Driver, wird bald als einer der Hauptdarsteller in der Fortsetzung der „Star Wars“-Saga zum Superstar werden. Doch jetzt sind sie Wallace und Allen, und der eine macht dem anderen gerade anhand von Nachos und einer matschigen Banane klar, wie das mit der Liebe so ist.

Das Leben von Wallace (Radcliffe) steht nämlich still, seit er vor gut einem Jahr seine damalige Freundin mit einem anderen erwischte. Er hat sein Medizinstudium abgebrochen und sich in Toronto im Haus seiner Schwester eingeigelt. Als er sich das erste Mal wieder heraustraut, trifft er auf einer Party prompt die bezaubernd-seltsame Chantry (Zoe Kazan aus „Ruby Sparks“). Sie ist zwar mit Ben zusammen, der nicht nur nett ist, sondern auch einen superwichtigen Job bei den UN hat. Aber einfach nur ­gute Freunde zu sein ist doch auch toll, oder?

Kaum ein Filmgenre ist so leicht zu durchschauen wie das der romantischen Komödie. „The F-Word – Von wegen nur gute Freunde“ macht da keine Ausnahme. Während Wallace und Chantry so tun, als ob sie nur befreundet wären, weiß der Zuschauer längst, dass es da um mehr geht. Nicht erst, als es behutsame Annäherungen in einer Umkleidekabine oder nachts am Strand gibt, als den beiden die Klamotten geklaut werden.

Liebenswert-skurrile Indie-Doktrin

Originell ist die Story von Michael Dowses Film nicht, der Wallace und Chantry als Nachfahren der New Yorker Stadtneurotiker Harry und Sally inszeniert. Sehenswert ist er trotzdem. Weil weder sein merkwürdig-schüchternes Personal noch deren Dialoge Hollywood-Klischees entsprechen.

Zoe Kazan („Ruby Sparks“) gehörte bisher wie Lena Dunham oder Greta Gerwig zu den herausragenden Protagonistinnen des Indiefilm-Genres Mumblecore (mumble = nuscheln), das sich durch spottbillige Lo-Fi-Produktionen, ­lange, improvisierte Dialoge und eine Do-it-yourself-Ästhetik auszeichnet. Mehr und mehr scheint diese liebenswert-skurrile ­Indie-Doktrin zum neuen Mainstream zu werden. Zoe Kazan und vor allem dem Nebendarsteller Adam ­Driver gelingt es wunderbar, etwas von diesem Mumblecore-Charme in „The F-Word“ herüberzuretten.

Unsere Bewertung zu "The F-Word": 4 von 5 Sternen - empfehlenswert!

Was sonst noch im Kino in Stuttgart läuft, finden Sie in unserem Kino-Programm.

Mehr Input gefällig? Unsere Rezension des Fantasyfilms "Mara und der Feuerbringer".

Info: Das Nuschelgenre

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Mumblecore für Anfänger

The Exploding Girl (2009): Bradley Rust Gray erzählt in der empfindsamen Charakterstudie von der stillen Studentin Ivy (Zoe Kazan), die an Epilepsie leidet und in den Semesterferien zu Hause in Brooklyn ihren Kindheitsfreund Al (Mark Randall) trifft.

Tiny Furniture (2010): Collegeabsolventin Aura kehrt in den Mittleren Westen zurück und versucht herauszufinden, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Lena Dunham („Girls“) hat das Drehbuch geschrieben, führt Regie und spielt die Hauptrolle.

Art History (2011): Joe Swanberg, der Pate des Mumblecore, ergründet mit einem Film-im-Film-Plot und mit sich selbst in einer der Hauptrollen Intimität und Eifersucht. Dabei kommt er seinen Figuren fast unerträglich nahe.

Frances Ha (2012): Greta Gerwig als Twentysomething in Brooklyn, als Tänzerin, die sich irgendwie nach und nach in eine existenzielle Sackgasse manövriert. Nebenbei ist der Film noch eine schöne Hommage an die Nouvelle Vague.

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