Eine romantische Musicalszene aus „The Bodyguard“, aufgenommen in Birmingham. Foto: Hardy Müller

Der Thriller „The Bodyguard“ war ein Kassenschlager in den deutschen Kinos. Jetzt kommt das gleichnamige Musical von England nach Deutschland – mit dem bewegenden Soundtrack des Films. Die Premiere ist am 21. November im Kölner Musical Dome.

Birmingham - 25 Millionen verkaufte Alben, zwölf Nummer-eins-Singles und sechs Grammys – keine Frage, Soul-Sängerin Rachel Marron ist ein Superstar. Doch der Ruhm hat auch Schattenseiten. Marron wird von einem Stalker bedroht. Ihr Manager Bill Devaney engagiert den früheren Geheimagenten Frank Farmer, um sie zu beschützen. Nach anfänglicher Abneigung verlieben sich die beiden Protagonisten ineinander. Doch die tödliche Gefahr lauert weiterhin.

So in etwa lässt sich die Handlung im Thriller „The Bodyguard“ skizzieren, die der US-amerikanische Drehbuchautor Lawrence Kasdan geschrieben hat. Den Kino-Blockbuster aus dem Jahre 1992 mit Kevin Costner und Whitney Houston in den Hauptrollen sahen in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen.

Lust auf die Songs von Whitney Houston

Das gleichnamige Musical erzählt die Liebesgeschichte zwischen Rachel und Frank auf eine leicht abgewandelte, noch emotionalere Weise. Im Jahr 2010 hatten die englischen Produzenten Michael Harrison und David Ian den Plan entwickelt, den schnulzigen Spielfilm auch auf die Bühne zu bringen. Alexander Dinelaris („Birdman“) schrieb das Skript für die Musicalproduktion. Und in Thea Sharrock fanden die Produzenten eine Theaterregisseurin, die zuvor zwar noch nie ein Musical inszeniert hatte, aber ein entscheidendes Kriterium mitbrachte: Lust auf die romantische Filmmusik von Whitney Houston. Als sie damals gefragt wurde, warum sie sich darauf einlasse, antwortete sie: „Ich liebe einfach die Songs von Whitney Houston.“

Andere Beteiligte überzeugte die Musical-Idee zunächst weniger. Frank Thompson, einer der späteren Direktoren der britischen Produktion, war ziemlich skeptisch. „Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich nur: was für eine schreckliche Idee!“, erinnert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Erst nach mehreren Gesprächen mit Sharrock bekam auch Thompson ein besseres Gefühl. Und es sollte nicht trügen.

Weltpremiere des Musicals im Dezember 2012 in London

Das Musical, das im Dezember 2012 seine Premiere im Londoner Westend feierte, traf den Nerv der Menschen auf der Insel – das Stück wurde zu einem großen Erfolg. Rund zwei Jahre wurde es in der englischen Metropole aufgeführt, seit Februar 2015 ist „The Bodyguard“ – leicht verändert im Vergleich zur Londoner Version – auf Tour im Vereinigten Königreich.

Das Stück ist eine gelungene Mischung aus Musik und Schauspiel. In der Hauptrolle spielt und singt mittlerweile Alexandra Burke (27). Die Gewinnerin der Castingshow „X-Factor“ von 2008 trägt die Welthits wie „One Moment in Time“, „I Have Nothing“ und „I Will Always Love You“ so emotional und prachtvoll vor, dass es bei den Vorstellungen im Birminghamer Hippodrom selbst übergewichtige englische Hausfrauen aus den Sitzen hebt. Genau diese Stimmgewalt macht Thompson dafür verantwortlich, dass das Musical so gut angenommen wird: „Es kommt Herz von der Bühne, das kriegen die Zuschauer im Film nicht.“

Patricia Meeden übernimmt die Hauptrolle in Köln

Was Burke für die Briten ist, soll Patricia Meeden für die Deutschen werden. Sie spielt Rachel Marron, die Hauptrolle. Das bedeutet: Meeden wird 13 der insgesamt 16 Songs im Musical singen. „Das ist eine gesangliche Herausforderung, aber Whitney Houston ist seit meiner Kindheit ein Idol für mich. Es macht mich unheimlich stolz, jene Songs zu interpretieren, die Whitney gesungen hat“, sagt die 28-Jährige, die an der Staatlichen Ballettschule Berlin eine Ausbildung zur Bühnentänzerin absolviert hat und durch die Talentshow „The Voice of Germany“ bekannt geworden ist.

Der Münchner Schauspieler Jürgen Fischer verkörpert Frank Farmer. Rachels Sohn Fletcher spielen sechs verschiedene Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren. „Sie zu casten war verdammt schwierig“, sagt Thompson. Der Associate Director und sein Team mussten dafür zig Einrichtungen wie Tanz- oder Kampfsportschulen im Rheinland abklappern. Denn das Anforderungsprofil für Fletcher hat es in sich: Zum einen müssen die Kandidaten dunkelhäutig sein, zum anderen dürfen sie noch nicht im Stimmbruch sein – und trotzdem reif genug, um die Rolle zu verstehen und zu spielen. An diesem Samstag feiert das Musical „The Bodyguard“ seine Deutschlandpremiere. Die Dramaturgie und die Reihenfolge der Songs ist in Köln dieselbe wie zuletzt auf der Tour in England. Sonst wird hierzulande aber vieles anders sein. „Wir haben mehrere Dinge verändert, weil wir in Köln nahezu doppelt so viel Platz haben wie zum Beispiel in Birmingham“, sagt der geschäftsführende Produzent von Veranstalter BB Promotions, Martin Flohr.

Eine Show wie bei Rihanna

Der Musical Dome am Rhein sei tiefer als der Hippodrome in der westenglischen Me­tropole, man habe dadurch mehr Variabilität und versuche, die Szenen weiter nach vorne zu ziehen, näher an die Zuschauer heranzubringen. Das Bühnenbild soll zudem spektakulärer als in England sein. Das Stück solle keine Kopie der 90er sein, es spiele im Jetzt, erklärt Thompson: „Es gibt Smartphones und Laptops. Und was Bühnentechnik, Lichtdesign und Bühnenoutfits angeht, könnte die Show in Köln auch ein Konzert von Rihanna sein.“

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