Für das Konzert von Thabilé am 10. März im Theaterhaus gibt es noch Karten. Foto: Bimsum Produktion

Die in Soweto geborene Soul- und Afropop-Sängerin Thabilé engagiert sich gegen sexuellen Missbrauch. Am Sonntag, 10. März, tritt die Südafrikanerin, die seit 2016 in Stuttgart lebt, mit Gästen im Theaterhaus auf.

Stuttgart - Vor zwei Jahren ist in Soweto eine Freundin von Thabilé gestorben. Ihr Tod ging der Sängerin, die selbst in einem Township geboren ist und seit 2016 in Stuttgart lebt, sehr nahe. In dem Lied „Wine and Dine“ hat sie ihre Trauer verarbeitet und ein Happy End erfunden, das es in Wahrheit nicht gegeben hat.

„Meine Freundin ist jahrelang sexuell missbraucht worden“, sagt Thabilé, „von einem Mann, der sie getötet hat.“ In dem Lied schafft es die Freundin, sich von ihrem späteren Mörder rechtzeitig zu trennen, bevor es zu spät war. An diesem Sonntag stellt die Afropop- und Soulsängerin um 19.30 Uhr im Theaterhaus mit Bühnengästen wie David Whitley (es gibt noch Karten unter Telefon 0711/4 02 07 20) ihr Debütalbum „Dlamini Echo“ vor, in dem es unter anderem um die hohen Vergewaltigungszahlen in ihrer Heimat geht.

Sie gibt dem Problemviertel Soweto Gesicht und Stimme.

Die Universität von Südafrika schätzt, dass es hier pro Jahr eine Million Vergewaltigungen gibt. Wenn diese Zahl stimmt, würde alle 30 Sekunden eine Frau am Kap zum Sex gezwungen. Für eine in Südafrika geborene Frau sei die Wahrscheinlichkeit, sexuell missbraucht zu werden, höher als die, lesen und schreiben zu lernen, lautet die zynisch anmutende Schlussfolgerung von Thabilé. Den Internationalen Frauentag am 8. März hält sie für sehr wichtig. „Auch 2019 müssen Frauen immer noch für gleiche Rechte wie Männer kämpfen“, sagt die 31-Jährige. Dabei setzt sie auf die Männer: „Der Frauentag bedeutet nicht, dass Männer nicht Teil der Kampagne sein können. Wenn sie ihren Part übernehmen, verändert sich alles schneller zum Positiven.“

Mit ihren Auftritten will Thabilé den Deutschen zeigen, wo Südafrika 25 Jahre nach Ende der Apartheid steht. Sie gibt dem Problemviertel Soweto Gesicht und Stimme. Ihre Lieder verbinden mit aufrüttelnder Kraft und unter die Haut gehender Sensibilität Elemente aus Jazz, Soul und traditioneller afrikanischer Musik. Für ein buntes Miteinander der Nationen plädiert sie auch im Leben der Menschen.

Nach Europa kam Thabilé, um in Innsbruck ihren Master im Fach Wirtschaftswissenschaften zu absolvieren. Dort lernte sie Steve Bimamisa kennen, mit dem sie seit 2016 professionell Musik macht. Beide sind nach Stuttgart gezogen. Die grüne und von Hügeln umgebene Stadt liebt Thabilé so sehr, „weil man nicht lange reisen muss, um eins mit der Natur zu sein“.

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