Innerhalb weniger Jahre sind durch die Bosch-Ansiedlung die Kosten für private Immobilien und Bauland in Renningen um ein Drittel gestiegen. Die Stadt wehrt sich trotzdem dagegen, als eine von 68 Städten im Land unter die Mietpreisbremse zu fallen.
Renningen - Ein Beispiel von vielen: Ein junges Paar hat sich vor zwei Jahren für ein Reihenhaus interessiert, sich dann aber doch für eine Mietwohnung entschieden. Der Preis damals: 160 000 Euro. Vor kurzem ist das gleiche Gebäude erneut ausgeschrieben gewesen. „Der Wert hat sich seither verdoppelt“, sagt der Mann, der lieber weiter zur Miete wohnt. Ähnliches berichtet der Renninger Immobilienmakler Wolfgang Schmitt. „Ich staune schon manchmal, was für Preise bezahlt werden“, sagt er. Nicht nur das 5000 Mitarbeiter große Bosch-Zentrum, auch andere Auto- und Zuliefererfirmen im Kreis Böblingen locken Fachkräfte und ihre Familien an.
Im neuen Wohngebiet Schnallenäcker wurde jüngst ein Rekordpreis von 660 Euro je Quadratmeter erzielt. Das ist zwar eher ein Ausreißer. Wer aber ein Reihenhausgrundstück erwerben will, muss mit gut einer halben Million Euro rechnen. „Im Schnitt liegen die Baulandpreise bei 550 Euro auf dem freien Markt“, schätzt ein Renninger Makler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.
Rechne man den Baupreis für ein Haus oder eine Wohnung, sei dieser pro Quadratmeter von 2000 bis über 3000 Euro gestiegen. Bei den Mieten geht Wolfgang Schmitt von zehn Euro je Quadratmeter aus, vor drei Jahren seien es noch acht Euro gewesen. Zwei wesentliche Gründe werden angeführt. „Bei den Zinsen nutzen viele Immobilien als Kapitalanlage“, berichtet der Bürgermeister Wolfgang Faißt. Zudem sei Renningen mit der S-Bahn gut angebunden und verfüge mit Schnallenäcker über ein großes Neubaugebiet für bis zu 2000 Einwohner.
Beeindruckende Zahlen also – das ist wohl auch der Grund, warum Renningen als eine von nur 68 Städten landesweit nun eine Mietpreisbremse bekommen soll – so wie aus der Region etwa noch Stuttgart, Fellbach, Filderstadt, Winnenden oder Asperg. Im Kreis Böblingen ist noch Sindelfingen auf der Liste – nicht aber Leonberg, Rutesheim oder Böblingen. Ausschlaggebend dafür sind zwei Faktoren, wie Martina Schäfer berichtet, die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Stuttgart. „Einmal werden Städte ausgesucht, in denen es weniger Wohnungen als Haushalte gibt“, sagt sie. In denen also rechnerisch mehr Menschen eine Unterkunft suchen, als es Wohnraum gibt. Und zweitens wird berechnet, ob die Mieten einen bestimmten Anteil des Einkommens überschreiten.
In Renningen aber wehrt man sich gegen diese gesetzliche Regelung. Daher schlägt Bürgermeister Wolfgang Faißt dem Gemeinderat vor, am Montag gegen die Mietpreisbremse zu votieren. „Wir sind nur ganz knapp über der Grenze“, sagt der Rathauschef. Der Preis für die städtischen Bauplätze sei nur wenig gestiegen, der Wohnungsmarkt in Renningen funktioniere noch. Die örtliche SPD sieht das anders. „Wir halten es für sachgerecht, dass bei Bestandswohnungen die Miete nicht mehr als zehn Prozent über dem örtlichen Vergleich liegen darf“, erklärt der Fraktionschef Thomas Mauch. Aber was passiert, wenn der Gemeinderat die Regelung ablehnt? „Bis zum 10. August haben die Kommunen Gelegenheit, Stellung zu nehmen“, erklärt Martina Schäfer vom Wirtschaftsministerium. Die Einwände werden dann dort beurteilt – am Ende hat aber die Landesregierung das letzte Wort.