200 Jahre alt wird es im Jahr 2028, das Alte Rathaus in Gerlingen. Es soll und muss saniert werden – aber der Denkmalschutz macht es teurer als gedacht.
Trotz deutlich gestiegener Baukosten soll das Alte Rathaus in Gerlingen in den kommenden Jahren denkmalgerecht saniert werden. 2028 könnte alles fertig sein. Dann wird das stadtbildprägende Gebäude 200 Jahre alt. Eigentlich sollte das Alte Rathaus mit dem pittoresken Uhrentürmchen in Gerlingens Mitte längst in neuem Glanz erstrahlen. 2023 war bereits von einer Fertigstellung in zwei Jahren die Rede.
Der Plan ist nicht aufgegangen: In erster Linie sind es Vorgaben des Denkmalschutzes, die dem ursprünglichen Zeitplan einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Damit aber nicht genug: Die Verzögerung sowie die umfangreichen Anforderungen des Denkmalschutzes führen nun auch zu einer erheblichen Kostensteigerung gegenüber der Grobkostenschätzung von vor zwei Jahren.
Satte 100 Prozent wird das Projekt voraussichtlich teurer. Soll heißen: Statt mit etwas über drei Millionen Euro schlägt die Sanierung jetzt mit knapp sechs Millionen Euro zu Buche. Die Stadt selbst muss aufgrund umfangreicher Förderungen davon immerhin rund 3,1 Millionen Euro selbst stemmen.
Vieles nicht absehbar
Wie die Stadt betont, seien die Mehrleistungen zum Zeitpunkt der Vorstudie 2023 noch nicht absehbar gewesen. Sie betreffen zum Beispiel Umplanungen bei der Lage des Aufzugs, der in dem historischen Gebäude eingebaut werden muss. „Nach Offenlegung der bauhistorischen Substanz musste in Absprache mit dem Landesdenkmalamt die Lage des Aufzugs in einen historisch weniger relevanten Gebäudeteil verlegt werden“, erklärt die Stadtverwaltung.
Auch die Sanierung der historischen Fenster verursachen demnach größere Schwierigkeiten als erwartet: Sie müssen gegebenenfalls gemäß dem historischen Vorbild aufwendig nachgebaut werden. Auch die Wiederherstellung des Stucks in den historischen Räumen verursache zusätzliche Kosten. Ebenso der Brandschutz, die technischen Anlagen im Gebäude sowie das Treppenhaus, wo eine Holztreppe komplett ersetzt werden muss. Wie die Architekten im Gemeinderat betonen, werden die bisherigen Dachgauben zurückgebaut. Im ursprünglichen Gebäude gab es diese nicht.
Gastro – ja, aber nur ein kleiner Betrieb
Das zukünftige Alte Rathaus soll im Erdgeschoss einen gastronomischen Betrieb mit Außenbewirtschaftung Platz bieten. Welcher Art dieser sein wird, ist bislang unklar. Sicher ist nur, dass es für ein Restaurant mit großer Küche in dem Gebäude schon aufgrund der restriktiven denkmalschutzrechtlichen Vorgaben keinen Platz geben wird. Im Ober- und Dachgeschoss will die Stadt Büros der Verwaltung unterbringen. Zudem soll der zuletzt nicht mehr vorhandene große Sitzungssaal wiederhergestellt werden und künftig vorrangig als Trauzimmer genutzt werden. Die FDP-Fraktion im Gemeinderat hatte diese Idee ursprünglich eingebracht.
Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos) betonte im Rahmen der Baubeschlussfassung im Gemeinderat, dass sich Gerlingen ohne die Förderung des Landes eine derart aufwendige Sanierung „schlicht nicht leisten könnte“. Trotz der erheblichen Kostensteigerung segneten die Gremiumsmitglieder das Vorhaben einstimmig ab. Da das 1828 erbaute Alte Rathaus in drei Jahren 200 Jahre alt wird, hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, die Maßnahme bis zum Jubiläumsjahr abzuschließen. Baubeginn soll im Mai kommenden Jahres sein.