Martin Kasper verknüpft für seine Architekturszenerien Räume und farbliche Qualitäten – wie hier in „Atelier“. Foto: Bernhard Strauss

Martin Kasper gehört zu den teuersten Künstlern, die die Galerie Strzelski im Programm hat. Neben dem eigenen Atelier holt der Maler auch urbane Schauplätze auf die Leinwand.

Stuttgart - Saubermachen wäre sinnlos. Die Flecken und Schlieren haben sich nicht nur auf Wänden und Fußböden festgesetzt, als fetter dreidimensionaler Batzen schwebt die bunt gemischte Pigmentmasse auch mitten im Raum. Auf den Atelierbühnen von Martin Kasper ist die Farbe der Hauptakteur, der sich mitunter gebärdet wie auf einem informellen Gemälde. Ansonsten jedoch gibt der Freiburger Künstler in der Galerie Strzelski ein deutliches Bekenntnis zum Neorealismus ab. Neben dem eigenen Atelier holt Kasper auch urbane Schauplätze auf die Leinwand. Nächtlich betäubte Unterführungen, spiegelblanke Foyers oder tote U-Bahnstationen, die klar und kalt die geometrische Konstruktion hervortreten lassen, etwa in „Metro 2“ (4500 Euro).

Verwandtschaft zur Neuen Leipziger Schule

Oft erinnern die Architekturbilder an Werke aus dem Umfeld der Neuen Leipziger Schule, die um die Jahrtausendwende einen internationalen Hype um figürliche Malerei aus Deutschland auslöste. Ist dieser Bezug im Jahr 2019 noch ein Vorteil oder eine Bürde? Letzteres, findet Mario Strzelski. Eine Verwandtschaft Kaspers zu Neo Rauch und besonders Tim Eitel werde häufiger erwähnt. Doch für den Galeristen überwiegen die Eigenständigkeiten des Künstlers: „Die Verknüpfung von realem Raum mit den autonomen Qualitäten der Farbe erkenne ich sonst nirgendwo.“ Das kann man auch anders sehen, aber ästhetische Kraft besitzt Kaspers üppiges Bunt auf jeden Fall. Als abstrakter Querschläger verwüstet es den Raum oder läuft wie geschmolzenes Speiseeis von überdimensionierten Spachteln herunter, was dem Auge ein ums andere Mal die realistische Illusion versaut.

Details sorgen für Überraschungen

Der Künstler bekam schon Einzelausstellungen in international renommierten Institutionen wie der Darmstädter Mathildenhöhe oder dem Schusev Architekturmuseum in Moskau. Das Straßburger Musée d’Art Moderne et Contemporain kaufte eine Arbeit des Malers an und hängte sie neben Georg Baselitz. Strzelski vertritt Martin Kasper seit 2017. „Ich habe ihn übernommen“, erzählt der Galerist, „als er bereits etabliert war.“ Deshalb gehöre Kasper auch zu den teuersten Positionen aus seinem Programm. 17 500 beziehungsweise 23 100 Euro kosten die monumentalen Atelierdarstellungen „Halle“ und „Vortex“. Räume, mit denen der Betrachter nicht so schnell fertig wird, weil immer neue Details auftauchen. Verstreut rumliegende Stifte, Schotterhaufen oder Gemälde im Gemälde, denen man als echtes Bild in der Ausstellung wiederbegegnet. Allerdings hat Strzelski erfahren: „Die besenreinen geometrischen Motive verkaufen sich besser als die Ateliers.“ Vielleicht versucht Kasper demnächst doch mal, bei sich sauberzumachen.

Bis zum 7. Juni, Rotebühlplatz 30, Mi-Fr 11-19, Sa 13-16 Uhr.

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