New York, New York: Wer 2015 in die USA reisen möchte, sollte beim Reiseveranstalter buchen – auf Pauschalangebote wirkt sich der ungünstige Wechselkurs im Moment noch nicht aus. Foto: dpa

Der schwache Euro lässt Hotelpreise im Ausland um bis zu 15 Prozent steigen. Pauschalanbieter seien dieses Jahr jedoch noch nicht betroffen, sagen Experten. Das kann sich später ändern.

Stuttgart - Warum werden Urlaubsreisen teurer?
Grund ist die Geldschwemme der Europäischen Notenbank. Sie will für 1,14 Billionen Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen. So sollen die Zinsen im Euroraum langfristig niedrig gehalten werden. Das macht den Euro für Anleger uninteressant: Sie investieren ihr Geld jenseits der Euro-Zone. Dadurch sinkt die Nachfrage nach dem Euro und lässt den Wechselkurs sinken.
Welche Ziele sind betroffen?
Alle Ziele, in denen der Wechselkurs für Europäer schlecht ist. Betroffen sind etwa die USA. Aber auch für die Schweiz, für die das Thema Währung schon länger brisant ist, könnte sich die Problematik verschärfen, sagt Ulf Sonntag von der Forschungsgemeinschaft für Urlaub und Reisen (FUR). Die Schweiz spezialisiere sich deshalb auf Luxustouristen: „Für dieses Segment spielt der Wechselkurs keine große Rolle. Ist der Ausgangspreis hoch, dann ist es egal, ob der Kurs um zehn oder zwanzig Prozent höher ist.“
Welche Destinationen profitieren?
Reiseziele im Euroraum und solche mit günstigem Wechselkurs im Vergleich zum Euro könnten an Attraktivität gewinnen, vermutet Sonntag. Wer bisher vom USA-Trip geträumt hat, aber auch Australien, Thailand oder Südafrika interessant findet, verschiebt seine Amerika-Reise womöglich. Ski-Urlauber ziehen das billigere Österreich der Schweiz eventuell vor. Doch nicht nur der Wechselkurs, sondern vor allem die Kaufkraft des Euros habe Einfluss auf die wirtschaftliche Attraktivität eines Landes, erklärt Sonntag. Auch im Euroraum gebe es beträchtliche Unterschiede: Für denselben Betrag könne der Urlauber in Slowenien öfter oder besser essen gehen als in Frankreich.
Wie viel teurer kann der Urlaub werden?
Für die Sommersaison 2015 ist kein Preissprung zu erwarten. Die Reiseveranstalter haben ihre Pauschalreisen-Kontingente längst eingekauft, sagt Kuzey Esener vom Touristikunternehmen Tui: „Unsere Katalogleistungen sind fix.“ Der Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV), Torsten Schäfer, bestätigt das: „Für diejenigen, die pauschal reisen, wird der Urlaub dieses Jahr nicht teurer.“ Jedoch müssen Urlauber laut Schäfer vor Ort mit höheren Kosten rechnen, etwa bei Ausflügen oder im Restaurant. Was nach 2015 passiere, könne er nicht hellsehen, sagt Schäfer. Ob der Euro Auswirkungen auf die Wintersaison habe, sei noch nicht sicher, sagt auch Kuzey Esener. Timo Kohlenberg, Geschäftsführer des Spezial-Reiseveranstalters America Unlimited, geht indes davon aus, „dass sich die Reisen um circa zehn Prozent verteuern“. Ulf Sonntag ist optimistisch. Die Preise der Reiseanbieter werden auch 2016 konstant bleiben, sagt er: „Die deutschen Urlauber können gelassen sein.“
Was ist nun besser: Reisebüro oder Internet?
Wer im Reisebüro oder beim Veranstalter bucht, profitiert von günstigen Pauschalangeboten. Doch auch wer im Internet bucht, muss nicht im Nachteil sein, sagt Sonntag: „Oft sind online dieselben Angebote buchbar wie im Reisebüro. Denn auch die Internet-Anbieter kaufen Pauschalen ein. Die Kosten unterscheiden sich dann nicht.“
Haben Individualreisende Nachteile?
Wer sein Hotel in New York online direkt bucht, wird eventuell mit höheren Preisen von zehn bis 15 Prozent konfrontiert, sagt Sonntag. Es zählt der Tageskurs. Kompensiert werde das mit vergleichsweise günstigen Flügen: Sie werden noch immer in Euro bezahlt und seien durch die positive Ölpreisentwicklung billiger geworden. Auch Veranstalter könnten Preissteigerungen mit billigen Flügen ausgleichen, mutmaßt Sonntag: „Mit einem günstigen Flug und einem etwas teureren Hotel müssen sich die Preise 2017 nicht zwangsweise unterscheiden.“
Mit welchen Folgen rechnet die Reisebranche?
Sowohl für die Reiseanbieter als auch für die Destinationen werde sich nicht viel ändern, sagt Sonntag. „Anfang des Jahrtausends stand der Wechselkurs schlechter. Dennoch sind die Leute in die USA gereist. Die Folgen der EU-Geldpolitik wird man vielleicht messen können – minimal“, sagt Sonntag. Wenn überhaupt, werde man den Fall des Euros erst mit Verzögerung spüren. Zudem entscheiden sich Urlauber meist kursunabhängig für ein Land: „USA-Reisende wollen meist etwas Bestimmtes sehen: Las Vegas oder den Grand Canyon. Sie wissen, dass sie einiges zahlen müssen – von schwankenden Kursen lassen sie sich nicht abschrecken.“
Wohin reisen die Deutschen am liebsten?
„Die Deutschen zieht es nach Deutschland“, sagt Sarah Lopau vom Deutschen Tourismusverband (DTV). Knapp ein Drittel aller Urlaubsreisen führen ins eigene Land – schon seit Ende der 1990er Jahre. Ähnlich sei es bei den ausländischen Zielen: Österreich und Südeuropa sind seit Jahren die beliebtesten Urlaubsländer nach Deutschland. In die Ferne führen weniger als sieben Prozent der Reisen. „Verschiebungen in den Marktanteilen sind nur auf geringfügig zu beobachten“, sagt Lopau. Deshalb werde sich für deutsche Urlauber nicht viel verändern, vermutet Ulf Sonntag. Der Wechselkurs sei nur ein Faktor von vielen, der beeinflusse, wohin die Reise geht. Auch Kuzey Esener (Tui) geht davon aus, dass das Geschäft stabil bleiben wird: „Die Konsumbereitschaft ist auf einem hohen Stand. Infolge der schwachen Verzinsung sind die Bundesbürger sehr viel ausgabebereiter und investieren ihr Geld unter anderem in Urlaubsreisen.“
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