Manch einer empfindet Kompass 4 als Grundschul-Abitur. Kultusministerin Theresa Schopper rät zur Gelassenheit. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Am Mittwoch und Donnerstag schreiben die Viertklässler Kompass 4. Nach dem Debakel im letzten Jahr hat das Ministerium die Tests noch einmal angepasst. Das Wichtigste im Überblick.

Für manche Kinder ist es wie eine erste Prüfung, die sie in ihrem Leben schreiben müssen. Denn die Kompass-4-Tests können im Rahmen der neuen verbindlichen Grundschulempfehlung mit darüber entscheiden, ob ein Kind aufs Gymnasium darf oder nicht. Das brachte den Kompetenzmessungen, die im vergangenen Jahr vom Kultusministerium eingeführt worden waren, auch den Beinamen „Grundschul-Abitur“ ein.

 

Die Premiere von Kompass 4 verlief denkbar schlecht. So schlecht, dass Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sagte: „Mit den Tests stimmt was nicht.“ Vor allem in Mathematik waren die Ergebnisse katastrophal. 87 Prozent der Kinder erreichten nur das Hauptschulniveau, sieben Prozent das Realschul- und nur sechs Prozent das Gymnasialniveau.

Daraufhin versprach Schopper „viel Zeit in die Analyse der Kompass-4-Ergebnisse zu investieren“. Jetzt hat das KuItusministerium noch einmal konkretisiert, in welchen Bereichen der Test „weiterentwickelt“ wurde. Die wesentlichen Punkte sind:

  • Aufgabenkonstruktion: Alle Aufgaben sollen fair, sprachsensibel und klar strukturiert sein.
  • Differenzierte Bewertung: Wo die Aufgabenstellung es ermöglicht, werden auch Teilpunkte vergeben. Das soll eine präzisere Einschätzung der erworbenen Kompetenzen unterstützen.
  • Nachvollziehbare Einordnung: Die Schwellenwerte der drei Niveaustufen orientieren sich eng am Aufbau des Tests und sollen es Eltern und Lehrkräften erleichtern, die Ergebnisse einzuordnen.
  • Mehr Klarheit für Eltern: Im Ergebnisformular werden das Gesamtergebnis und die zugeordnete Niveaustufe ausgewiesen, sodass die Rückmeldung leichter verständlich ist.

Auch beim Ablauf der Tests hat das Ministerium nachgebessert. Die Kompetenzmessungen am Mittwoch, 18. November, (Deutsch) und Donnerstag, 19. November, (Mathematik) müssen nicht zu einer bestimmten Uhrzeit starten. Stattdessen gibt es ein Zeitfenster, sodass die Schulen einen gewissen Gestaltungsspielraum haben.

Mehr als 100 000 Kinder schreiben Kompass 4

Die Tests sind für alle Viertklässlerinnen und Viertklässler an staatlichen und staatlich anerkannten Schulen verpflichtend. Insgesamt werden etwas über 100 000 Kinder teilnehmen. Private, genehmigte Grundschulen und Freie Waldorfschulen können Kompass 4 freiwillig nutzen, um „ihren Schülerinnen und Schülern einen weiteren Zugang zum Gymnasium zu eröffnen“, wie es das Ministerium formuliert.

Für Kultusministerin Theresa Schopper „kann Kompass 4 eine zusätzliche Chance bieten, den aktuellen Lernstand besser einzuordnen“. Sie rät dazu, gelassen damit umzugehen. „Es handelt sich nicht zuletzt um eine Momentaufnahme, die die Beratung durch die Lehrkräfte sinnvoll ergänzen soll“, so die Ministerin.

Auf welcher Schulart geht es nach der vierten Klasse weiter? Foto: stock.adobe

Kompass 4 ist Teil der neuen verbindlichen Grundschulempfehlung Navi 4, die das Kultusministerium im Rahmen der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium eingeführt hat. Sie umfasst zwei weitere Komponenten, nämlich:

  • die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz, insbesondere auf Grundlage der Noten sowie der überfachlichen Kompetenzen
  • den Elternwillen

Nur wenn zwei dieser drei Komponenten in Richtung Gymnasium zeigen, bekommt das Kind eine entsprechende Empfehlung. Erhält ein Kind keine Gymnasialempfehlung und soll dennoch den direkten Weg zum Abitur einschlagen, kann es den Potenzialtest absolvieren. Ein bestandener Potenzialtest berechtig ebenfalls zum Besuch des Gymnasiums.