Proben von Menschen mit Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus werden in einem Labor für die Analyse vorbereitet. Foto: dpa/Sven Hoppe

Der Coronavirus-Nachweis mit der sogenannten PCR-Methode gilt bisher als die sicherste Methode. Doch bis die Ergebnisse vorliegen, vergehen oft mehrere Tage. Viele Firmen arbeiten daher mit Hochdruck an weiteren Verfahren. Welche Methoden es gibt – und was sie voneinander unterscheidet.

London - Dieser Tage überraschte der britische Gesundheitsminister mit der Meldung, dass die Behörden einen Covid-19-Schnelltest einführen wollen. Innerhalb von 90 Minuten könne das Virus nachgewiesen werden, erklärte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Zudem könnten auch gleich noch Influenzaviren damit erkannt werden. Und der Test lasse sich auch von nicht medizinischem Personal durchführen. Das werde im Winter hilfreich sein, „damit Patienten den richtigen Rat befolgen können, um sich und andere zu schützen“, so die Hoffnung des Ministers.

 

Ist das nun der Durchbruch für funktionstüchtige Schnelltests? Immerhin hat sich die britische Regierung eigenen Angaben zufolge den Zugriff auf 5,8 Millionen DNA-basierte Tests sowie auf 5000 dazugehörige Analysegeräte des britischen Unternehmens DNA Nudge gesichert. Hinzu kommen 450 000 Abstrichtests – Lampore-Tests genannt – der ebenfalls britischen Firma Oxford Nanopore. Das Problem: Unabhängige, öffentlich zugängliche Daten, wie gut diese Schnelltests wirklich sind, gibt es bisher noch nicht. Experten erinnern in diesem Zusammenhang daran, dass die Regierung immer wieder nicht funktionierende Tests gekauft habe. Der Regierungsberater John Bell von der Universität Oxford betonte allerdings, dass die neuen Tests genauso empfindlich seien wie die etablierten Labortests. DNA Nudge etwa gibt eine Genauigkeit von 98 Prozent an.

Die sogenannten PCR-Tests gelten als Goldstandard

Klar ist, dass weltweit nach schnelleren und womöglich auch kostengünstigeren Alternativen zu den etablierten PCR-Tests gesucht wird. Diese gelten nach wie vor als Maß aller Dinge – die Fachleute reden vom Goldstandard. Die Bezeichnung PCR kommt von Polymerase-Kettenreaktion: Sie dient dazu, winzige Erbgutabschnitte des Virus so zu vervielfältigen, dass sie sich nachweisen lassen. Meist erfolgt dies mit speziellen Geräten im Labor. Von der Probenahme bis zur Mitteilung des Ergebnisses dauert es in der Regel allerdings ein bis zwei Tage. Die PCR-Tests lassen sich aber auch miniaturisieren, indem die erforderlichen Reaktionen in einer Kartusche ablaufen. Dies lässt sich vor Ort – also etwa in einer Notfallambulanz – in etwa zwei Stunden durchführen. Bereits Ende März wurde ein solcher PCR-Schnelltest der Firma Bosch zugelassen. Auch die Tests, welche die britische Regierung jetzt einführen will, basieren auf dem Nachweis von Viruserbgut.

Eine ganz andere Möglichkeit ist, generell Virusfragmente mit Antigentests nachzuweisen. Die Virusteile lassen sich etwa mit spezifischen Antikörpern herausfischen, die auf einem Papierstreifen aufgebracht wurden. Mit einem zweiten Antikörper, an den farbige Nanopartikel gebunden sind, lässt sich der Komplex aus Virusantigen und Antikörper nachweisen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat bereits Mitte Mai im Eilverfahren den ersten Corona-Antigen-Test zugelassen. Nachgewiesen werden dabei bestimmte Eiweiß-Fragmente des Erregers. Das Ergebnis liege nach wenigen Minuten vor, hieß es.

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Auch wenn bereits eine große Liste von Nachweiskits von Herstellern aus aller Welt existiert, so schätzt das Robert-Koch-Institut aktuell die Lage nach wie vor so ein: „Allerdings weisen bisherige Testverfahren eine Infektion lange nicht so zuverlässig nach wie ein PCR-Test.“ Auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg teilt auf Anfrage mit: „Wir sind an die Methoden gebunden, die in der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen sind. Dazu gehört bislang nur der PCR-Test.“ Für die Analyse eines Tests erhalten die Labore rund 50 Euro.

Doch weltweit wird intensiv an anderen Testmöglichkeiten geforscht. Dabei ergeben sich ganz neue Ansatzpunkte. So gelang es kürzlich Pharmazeuten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Peptide – also kleine Eiweißmoleküle – des Virus in Proben nachzuweisen, die durch Gurgeln gewonnen wurden. Um in einem solch stark verdünnten „Rachenspülwasser“ Virusteile zu finden, ist eine sehr empfindliche Analysemethode erforderlich: die Massenspektrometrie. Damit lassen sich Moleküle anhand ihrer Masse und Ladung identifizieren. Das geht sehr schnell: 15 Minuten reichen derzeit aus. Die Fachleute arbeiten daran, dass es noch schneller geht – bis hin in den Sekundenbereich. Und sie wollen die Methode nun auch so weiterentwickeln, das sie als Standardwerkzeug für die Diagnostik dienen kann. Die Voraussetzung ist allerdings, dass ein Massenspektrometer zur Verfügung steht.

Neben dem Rachen- oder Nasenabstrich gibt es auch andere Möglichkeiten

Dieser Ansatz mit der Gurgellösung zeigt, dass es bald auch einfachere Methoden zur Entnahme der Proben für den Virusnachweis geben dürfte. Bisher gilt auch hier ein Abstrich als Goldstandard, der von medizinisch geschultem Fachpersonal entnommen wird. In der Tat ist es für einen zuverlässigen Test entscheidend, die Probe richtig zu entnehmen, also etwa weit oben in der Nase oder aus dem Rachenraum. In den letzten Monaten hat sich aber herauskristallisiert, dass sich das Virus auch in der Spucke nachweisen lässt. Und Gesundheitsmediziner berichten, dass es bald auch genügen könnte, nur auf einem Läppchen herumzukauen und dieses dann auf Virusrückstände hin zu analysieren. Sollte sich diese Methode etablieren können, wäre dies ein großer Fortschritt: Dann wäre man bei der Probenahme nicht auf Fachpersonal angewiesen, auch wären Reihentests etwa in Schulen leichter durchzuführen.

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Dabei stellt sich auch immer wieder die Frage, wie sinnvoll die gleichzeitige Analyse von Proben mehrerer Personen ist. Dieses von Fachleuten Pooling genannte Vorgehen ist dann möglich, wenn rein aus Sicherheitsgründen – also ohne konkreten Anlass – mehrere Menschen überprüft werden sollen. Muss dagegen eine ganze Schulklasse getestet werden, weil ein Schüler an Covid-19 erkrankt ist, dann muss jeder Mitschüler separat überprüft werden. Nur so können individuell abgestimmte Maßnahmen erfolgen.