Auch die ukrainische Botschaft in Madrid erhielt Briefbomben. Foto: dpa/Luján

Europaweit wurden verdächtige Pakete an ukrainische Botschaften verschickt. Der angebliche Absender: Tesla in Sindelfingen.

Der Tesla-Händler ist auf Anhieb gar nicht leicht zu finden. In direkter Nachbarschaft zu einem Hotel stehen einige neue Wagen an der Sindelfinger Neckarstraße – doch von einem pompösen Gebäude, das man erwarten könnte, ist nichts zu sehen. Nicht einmal ein glänzender Verkaufsraum empfängt mögliche Kunden, sondern nur ein schlichtes Bürogebäude mit Klingel. Von hier aus sollen in letzter Zeit verdächtige Päckchen an ukrainische Botschaften in ganz Europa verschickt worden sein?

 

Verärgerung und Ratlosigkeit bei Tesla in Sindelfingen

Im Obergeschoss herrscht bei den Sindelfinger Tesla-Mitarbeitern, die spontan anzutreffen sind, eine Mischung aus Verärgerung und Ratlosigkeit: „Ja, die Polizei war am Mittwoch deswegen bei uns“, sagt ein Mitarbeiter knapp. Dass man etwas mit den brisanten Paketen zu tun haben könnte, sei natürlich völliger Unsinn. „Wir verkaufen Autos und verschicken keine Bomben“, stellt der Mann klar. Was ist geschehen? In den letzten Tagen haben verdächtige Postsendungen für Aufsehen gesorgt, die europaweit an ukrainische Botschaften verschickt wurden – zum Teil waren es Briefbomben, zum Teil Päckchen mit Tieraugen. Kiew bezeichnete die Sendungen als „geplante Terror- und Einschüchterungskampagne“. Doch es wird noch merkwürdiger. Als Absender ist jeweils der Tesla-Händler in der Neckarstraße in Sindelfingen angegeben – von einem „Fake“, einem üblen Scherz, ist wohl auszugehen.

Wer aber sind die wahren Absender der gefährlichen bis ekligen Päckchen? Und welche Motivation steckt dahinter, ausgerechnet Tesla in Sindelfingen als Absender anzugeben? Bis Donnerstagabend war das völlig unklar. Auf Polizeiseite hat sich das Bundeskriminalamt eingeschaltet, konnte aber bis zum Nachmittag keine plausiblen Erklärungen liefern.

Europaweit 31 Fälle in 15 Ländern

„Insgesamt haben wir bereits 31 Fälle in 15 Ländern“, sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Mittwoch gegenüber Pressevertretern. Die Botschaften und Konsulate arbeiteten seit einer Woche „unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen“ und mit Pyrotechnikern und Forensikern zusammen. Die „Kriminellen“ hätten Vorkehrungen getroffen, um keine DNA-Spuren auf den Paketen zu hinterlassen. Die ukrainische Botschaft in Madrid hatte Ende November erklärt, dass ein Wachmann leicht verletzt wurde, nachdem er eine Briefbombe geöffnet hatte. Anfang Dezember hatten mehrere ukrainische Vertretungen Pakete mit Tieraugen erhalten.