Elon Musk mischt sich, obwohl bald in US-Regierungsdiensten, unverblümt in den deutschen Bundestagswahlkampf ein. Foto: dpa/Evan Vucci

Der Tesla-Chef Elon Musk betreibt platte Wahlpropaganda für die AfD in einer bekannten deutschen Wochenzeitung. Das ist ein journalistischer Tabubruch und in letzter Konsequenz sogar demokratieschädlich, meint unser Autor.

Elon Musk hat zu allem und jedem eine (schlichte) Meinung. Als reichster Mann der Welt meint er, dass diese für jeden relevant sein sollte. Er interessiert sich null dafür, ob es für einen engen Trump-Vertrauten angemessen ist, in den Wahlkampf einer anderen Nation einzugreifen – etwa indem er auf seiner Plattform X den deutschen Kanzler als „inkompetenten Dummkopf“ beleidigt, der sofort zurücktreten müsse. Die Wirkung seiner Worte sollte man aber nicht unterschätzen: Hierzulande gibt es viele Menschen, die ihn als visionären Techunternehmer bewundern und seine Haltungen beachtlich finden.

 

Der vermeintliche Marketing-Coup geht nach hinten los

Umso befremdlicher ist es, dass eine bekannte Zeitung seine realitätsfremden Einschätzungen im Gewand eines Gastbeitrags veröffentlicht und ihm eine Bühne für substanzlose Wahlpropaganda bietet. Dass Musk die wirtschaftsfeindliche AfD derart verkennt, lässt sich nur damit erklären, dass er sich mit ihr noch nicht näher befasst hat. Für die „Welt am Sonntag“ ist es ein PR-Coup – aber einer, der für den Springer-Verlag nach hinten losgeht. Dass zugleich eine Gegenrede veröffentlicht wird und einzelne Redakteure protestieren, kann den journalistischen Tabubruch auch nicht mehr heilen.

In den USA vereinen Milliardäre immer mehr politische Macht auf sich, um ihren Reichtum zu mehren, um den Staat und demokratische Prozesse auszuhöhlen. Wer sich von Oligarchen wie Musk einspannen lässt, verhindert letztlich die Meinungsvielfalt.