Eine neuseeländische Polizistin vor einer der beiden angegriffenen Moscheen in Christchurch. Foto: AFP

Das Gemetzel in Neuseeland wirft beunruhigende Fragen auf. Wo bleibt die Botschaft der Versöhnung, fragt unser Kommentator Michael Weißenborn.

Stuttgart - „Wir sind kein Ort, wo es gewalttätigen Extremismus gibt“, beschreibt Neuseelands Premierministerin Jacinda Arden ihre eigene Fassungslosigkeit und die der allermeisten Menschen nach dem sinnlosen Terrorangriff in Christchurch. Doch scheint es genau diese weitgehend harmonische, vielfältige Einwanderungsgesellschaft am anderen Ende der Welt gewesen zu sein, auf die es die Rechts-Terroristen mit ihrer Attacke auf zwei Moscheen abgesehen haben.

Das zynische Kalkül der Täter mit ihrem offenbar gut vorbereiteten Massenmord an Orten des Gebets: Hass und Zwietracht säen, nicht nur, aber auch unter Muslimen in aller Welt. Darauf zielt die geschickte Begleitung der Wahnsinnstat in den sozialen Medien ab: das hochgeladene 73-seitige Manifest, vor allem aber das grausige Live-Video von Teilen der schändlichen Tat.

Der Anschlag wirft viele Fragen auf: Wieder einmal müssen sich Facebook & Co. der Tatsache stellen, dass sie es Extremisten ermöglichen, für ihren Wahnsinn zu werben. Die türkische Regierung und Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime müssen sich fragen lassen, ob sie mit ihren Äußerungen zur Islamfeindschaft im Westen nicht weiter Öl ins Feuer gießen. Fakt bleibt: Beim Terror gegen Muslime sind meist leider Muslime auch die Täter. Wo bleibt die Botschaft der Versöhnung? Sie wäre bitter nötig in dieser Zeit der Trauer und des Schocks.

michael.weissenborn@stuttgarter-nachrichten.de

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