Die Solidarität mit Frankreich endet nicht vor der Arena von Hannover. Foto: dpa

Diskutieren Sie mit - Terror-Attacken in Paris, Länderspielabsage in Hannover – und jetzt trotzdem Bundesliga? Ja, sagt die Deutsche Fußball-Liga. Doch ist der Stadionbesuch für die Fans des VfB Stuttgart wirklich sicher?

Stuttgart - Keine Kapitulation, stattdessen Tore gegen den Terror: Die Bundesliga spielt an diesem Wochenende wie geplant. Viele Fragen, viele Antworten:

Gibt es neue Erkenntnisse zur Gefahrenlage beim abgesagten Länderspiel in Hannover?

Nein. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe verwies am Dienstagabend auf „einen konkreten Hinweis, dass im Stadion ein Sprengstoffanschlag geplant gewesen ist“. Allerdings gab es keinen Sprengstoff-Fund und keine Festnahmen. Bundesinnenministers Thomas de Maizière erklärte: „Hinweise auf die Gefährdung des Fußballspiels haben sich im Laufe des frühen Abends so verdichtet, dass die Behörden des Bundes und ich (. . .) dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen.“ Hintergründe nannte er aus sicherheitstaktischen Erwägungen nicht.

Wie reagiert der Weltverband Fifa auf die neue Sicherheitslage in den Stadien?

„Allgemein werden die Schutz- und Sicherheitsvorkehrungen bei Großveranstaltungen einschließlich der WM 2018 fortlaufend bewertet und angepasst, um den höchstmöglichen Standard sicherzustellen“, teilte eine Sprecherin mit. Die Vorgänge in Hannover kommentierte die Fifa wegen mangelnder Beteiligung an der Organisation nicht.

Wie will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Sicherheit in den Stadien garantieren?

Der Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert warnt vor einer zu großen Terror-Angst beim Fußball: „Sicherlich müssen wir alle wachsam sein. Aber es gibt keine ­Erkenntnisse von jedweder Gefährdung. Wir sollten nicht in Panik verfallen, sondern uns auf das konzentrieren, was über Jahre im Sicherheitsbereich entwickelt wurde.“

Wann sind die deutschen Nationalspieler nach der Absage aus Hannover abgereist?

Die Mannschaft war zum Zeitpunkt der Absage rund fünf Kilometer vom Stadion entfernt. Die meisten Profis sind noch am Dienstagabend nach Hause gefahren oder, wie die Spieler des FC Bayern, geflogen. Als Letzter reiste Shkodran Mustafi (FC Valencia) am Mittwoch um 7 Uhr aus dem Quartier in Barsinghausen ab. Bundestrainer Joachim Löw hatte in Hannover übernachtet.

Bekommen die Fans mit Eintrittskarten für das Länderspiel ihr Geld zurück?

Ja. „Der genaue Ablauf wird zurzeit vom Veranstalter DFB geplant“, erklärte Bundesligist Hannover 96, in dessen Stadion die Partie stattfinden sollte. Jeder Ticketkäufer habe „selbstverständlich das Recht auf eine Erstattung“.

Findet der für dieses Wochenende geplante 13. Bundesliga-Spieltag statt?

Ja. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat die reguläre Durchführung bestätigt.

Wie bewerten die Fanclubs des VfB die aktuelle Situation?

Ultra-Gruppen wie das Commando Cannstatt oder der Schwaben-Sturm wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht äußern. Andreas Meeh vom Fanclub Wurmberg lassen die Vorfälle von Hannover nicht kalt: „Was in Paris passiert ist, war für mich noch weit weg. Die Sorge ist erst am Dienstagabend entstanden. Der Hintergedanke, dass etwas passieren könnte, ist jetzt da.“ Martin Fuchsberger vom Fanclub Feuerbach erwartet „beim einen oder anderen schon gemischte Gefühle. Ich sehe es aber nicht ein, mich von Terroristen beeinflussen zu lassen. Ich habe Vertrauen in unsere Polizei.“

Wie bereitet sich der VfB auf sein Heimspiel gegen den FC Augsburg am Samstag vor? Sicherheitsgespräche finden vor jedem Heimspiel statt. Diesmal fallen sie deutlich häufiger und intensiver aus. Beteiligt sind die Stadt Stuttgart (Amt für öffentliche Ordnung), die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz, der Ordnungsdienst und der Verein.

Welche Maßnahmen plant der VfB im Zusammenspiel mit den Sicherheitsbehörden?

Dazu darf sich der Verein nicht konkret äußern. Wie in allen Bundesligastädten wird die Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft sein, vielerorts werden auch mehr Ordner eingesetzt. Die Fans und ihre Taschen werden noch intensiver als bisher durchsucht.

Was sagt VfB-Sportvorstand Robin Dutt zur aktuellen Situation? „Die Attentate von Paris haben uns alle fassungslos gemacht“, sagt Dutt, „durch die Absage des Länderspiels ist die Bedrohung noch einmal realer geworden. Wir gehen in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden sehr sensibel mit dem Thema um. Ich bitte aber um Verständnis, dass wir über die ­Sicherheitsvorkehrungen nicht öffentlich sprechen können.“

Kann die Partie noch ausfallen, wer entscheidet über sicherheitsbedingte Spielabsagen? Die DFL kann nur komplette Spieltage absagen. Sie kann aber nicht über einzelne Spiele befinden. VfB-Heimspiele muss bei entsprechender Gefahrenlage in letzter Konsequenz das baden-württembergische Innenministerium absagen. Die Clubs müssen sich einer Absage beugen.

Wie früh sollen VfB-Fans am Samstag ins ­Stadion kommen?

Eher früher als sonst. Am Charlottenplatz ist eine Demonstration geplant, in der Schleyerhalle lockt das Reitturnier zusätzlich Besucher an, zahlreiche Baustellen erschweren die Anfahrt. An den Stadiontoren und auch schon auf den Anfahrtswegen ist mit verschärften Kontrollen zu rechnen.

Bekommen Kartenbesitzer, die aus Furcht vor Terror nicht zum VfB gehen, Geld zurück?

Dem VfB liegen keine Anfragen in dieser Richtung vor. Sollten solche Fälle auftreten, wolle man sie individuell bewerten.

Bekommen die VfB-Profis vor dem Gang ins Stadion psychologische Hilfe?

Ja – wer Bedarf hat, kann den Psychologen Philipp Laux konsultieren. Allerdings wird es keine Mannschaftssitzung zu diesem Thema geben, sondern nur individuelle Hilfe.

Gilt das auch für Mitarbeiter, die am Samstag im Stadion im Einsatz sind? Neben den Spielern sind weitere VfB-Angestellte, aber auch externe Kräfte in Bereichen wie Sponsoring, Catering und Ordnungsdienst im Stadion tätig. Für seine ­Mitarbeiter will der VfB individuell nach Lösungen suchen, falls einer Angst vor dem Betreten des Stadions verspürt.

Was muss ich als VfB-Fan beachten? Mehr Zeit als sonst mitbringen, Taschen und Rucksäcke zu Hause lassen. Böller und Pyro-Technik sind im Stadion tabu – jetzt erst recht. Einen entsprechenden Appell der DFL hat der VfB über seine Webseite und die sozialen Medien an die Fans weitergeleitet.

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