Die Londoner Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Foto: AP

Bei einem mutmaßlichen Terror-Anschlag in einer Londoner U-Bahn-Station sind am Freitagvormittag zahlreiche Menschen verletzt worden. Augenzeugen sprechen von panikartigen Zuständen.

London - Die britische Polizei hat den Vorfall in der Londoner U-Bahn als „terroristisch“ eingestuft. Bei dem mutmaßlichen Anschlag seien 22 Menschen verletzt worden, teilte Scotland Yard am Freitag mit. Viele wurden in Krankenhäuser gebracht. Das teilte der Londoner Rettungsdienst per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Keiner der Verletzten sei in einer ernsten oder lebensgefährlichen Lage, hieß es in der Mitteilung.

Zuvor hatten Medien von einer Explosion im U-Bahnhof Parsons Green im Westen Londons berichtet, die Polizei sprach zunächst von einem „Vorfall“. Die britische Regierung berief eine Sondersitzung ein. Premierministerin Theresa May lasse sich regelmäßig über den Fortgang der Ermittlungen unterrichten, hieß es aus ihrem Büro.

Eine Reporterin der Zeitung „Metro“ berichtete, dass ein weißer Behälter in einem Zug explodiert sei und Passagiere schwere Verbrennungen im Gesicht erlitten hätten. Auf Twitter veröffentlichte Fotos zeigen Frauen, die von Rettungskräften versorgt werden. Der Verkehr der Linie District Line zwischen den U-Bahn-Stationen Earls Court und Wimbledon wurde eingestellt, teilten die Behörden mit.

Der Sprengsatz war einem Medienbericht zufolge nicht vollständig hochgegangen. Das berichtet „Sky News“ unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Bei dem Sprengsatz handelt es sich dem Chef der Anti-Terror-Einheit zufolge um eine improvisierte Vorrichtung. Hunderte Kriminalbeamte seien mit den Ermittlungen beschäftigt. Die Polizei würde vom Inlandsgeheimdienst MI5 unterstützt.

„Ich befand mich im vorletzten Wagen“, sagte eine Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich habe so etwas wie ein Zischen gehört. Ich schaute mich um und sah, wie der ganze Wagen in Flammen geriet und diese auf mich zukamen.“

Augenzeugen berichteten von panikartigen Zuständen. „Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen“, sagte ein Mann namens Luke am Freitag dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schilderte: „Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.“ Eine andere Augenzeugin sagte, sie sei bei der anschließenden Massenpanik verletzt worden.

Die Polizei riet dazu, den Bereich rund um die Metrostation zu meiden. Sie schickte eine Spezialeinheit zur Entschärfung von Bomben an den Ort des Geschehens, während die Feuerwehr mit sechs Wagen und 50 Einsatzkräften vor Ort war. Der U-Bahnhof und ein Teilabschnitt der U-Bahnlinie wurden vorübergehend gesperrt. Auch die Londoner Feuerwehr war an dem Einsatz beteiligt.

In Großbritannien ist die Terrorwarnstufe hoch. Bei vier Anschlägen in diesem Jahr wurden 36 Menschen getötet. 2005 kamen 52 Menschen ums Leben, als britische Islamisten Selbstmordanschläge auf drei Londoner U-Bahnen und einen Bus verübten.

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