Die Vaisana-Pläne der Stadt sind konsensfähig – das ging unter anderem aus den Beiträgen der Fraktionssprecher auf dem Podium in der Stadthalle hervor. Foto: Oliver von Schaewen

Die Ärzte im Vaisana-Haus halten – das will die Stadt Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) und erntet beim Info-Abend in der Stadthalle Zustimmung.

Am Erhalt des Vaisana-Ärztehauses liegt den Bürgern in Vaihingen viel – der Wunsch ist nicht nur politischer Konsens in der Enzstadt, auch die Basis scheint einer Meinung. Das ist der Tenor des Informationsabends in der Stadthalle am Donnerstagabend.

 

Etwa 100 Bürger waren in die Stadthalle gekommen, um sich über die Zukunft des ehemaligen Krankenhausgeländes zu informieren. Die Stadt Vaihingen hatte gemeinsam mit der Stadtbau GmbH zu der Veranstaltung eingeladen. Im Mittelpunkt stand der mögliche Erwerb des rund zwei Hektar großen Areals zugunsten einer medizinischen Grundversorgung in Zeiten des Ärzte- und Fachkräftemangels.

Der Erhalt der Strutkuren auf dem ehemaligen Kliniken-Gelände ist den Vaihingern wichtig. Foto: Simon Granville

Darüber verhandelt die Stadtverwaltung derzeit mit der Regionalen Kliniken Holding (RKH) und dem Landkreis Ludwigsburg. Der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth machte gleich zu Beginn deutlich, welche Bedeutung das Gelände hat: Eine derart attraktive Lage wecke Begehrlichkeiten auf dem Immobilienmarkt. Dem stehe das Bedürfnis der Bevölkerung gegenüber: „Themen wie Gesundheit und Pflege werden immer wichtiger, weil wir immer älter werden.“ Es sei für die Stadt wichtig, frühzeitig ihre Planungen transparent zu machen und die Bürger einzubinden.

Vaihingen hat Räume, die andernorts teuer gebaut werden müssen

Moderiert wurde der Abend von Stadtsprecherin Astrid Kniep. Zunächst kamen Vertreter des Gesundheitswesens zu Wort, unter anderem Ärzte, die im Vaisana-Haus praktizieren. Sie zeichneten ein deutliches Bild der aktuellen Herausforderungen: Knapp 41 Prozent der Hausärzte in Deutschland sind 60 Jahre oder älter. Die alten Praxen sind häufig in Wohnhäusern – eine Übernahme scheitere oft an baurechtlichen Hürden.

Vorwiegend weibliche Ärzte rückten heute nach – sie wollten in Teilzeit arbeiten und scheuten sich davor, eine Praxis zu leiten, berichtete Sven Gnoth, Referent der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Das Gegenmittel seien interdisziplinäre Zusammenschlüsse von Ärzten. Gnoths Fazit: „Während andere Kommunen erst noch teure Ärztehäuser bauen müssen, gibt es in Vaihingen eine Infrastruktur.“

Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung des Vaisana-Ärztehauses und des ehemaligen Krankenhauses mehrfach betont. Dort arbeiten derzeit rund 130 Beschäftigte sowie neun Nutzer, darunter Ärzte und Fachärzte. Aus dem Publikum war zu hören: „Das Vaisana darf nicht geschlossen werden.“ Die Sorge ist groß, dass ein einmal aufgegebener Standort angesichts des Ärztemangels nicht wieder aufgebaut werden kann.

Der Stadtbau-Geschäftsführer Anselm Laube stellte mögliche Nutzungskonzepte für das Areal vor. Dabei skizzierte er die Entwicklung eines neuen Quartiers mit Wohnraum, Gesundheitsangeboten und sozialen Einrichtungen. Unterstützung erhielt diese Idee von Seiten der Sozialstation: Deren Geschäftsführer Frank Kontermann sieht insbesondere einen steigenden Bedarf an Wohnformen für ältere Menschen, kombiniert mit Service- und Pflegeangeboten.

Kommen Fachkräfte aus Stuttgart wegen niedriger Mieten?

Laube und Kontermann nehmen die Bedürfnisse von Fachkräften ernst. Bezahlbarer Wohnraum, etwa im Dachgeschoss des alten Krankenhauses, sei für Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen oder Alleinerziehende ein entscheidender Faktor. Kontermann glaubt, damit Fachkräfte aus Stuttgart, die unter hohen Mieten leiden, anwerben zu können.

Alles hängt nun vom Ja aus Ludwigsburg ab. Die Verhandlungen mit dem Landkreis und der RKH sind fortgeschritten. „Ich telefoniere immer mal wieder mit dem Landrat“, sagte OB Uwe Skrzypek, der von einer Einigung in diesem Jahr ausgeht. Zwar habe die RKH naturgemäß Interesse an einem möglichst hohen Verkaufspreis, doch könne nicht einfach der Wert einer reinen Wohnbebauung angesetzt werden – insbesondere, da die Stadt ihr Vorkaufsrecht für das Grundstück geltend gemacht habe, das seit fast 100 Jahren medizinischen Zwecken diene.

Ob das vorgestellte Finanzierungskonzept ohne zusätzliche Belastungen für den ohnehin angespannten städtischen Haushalt umgesetzt werden kann, ist die große Frage. Laube verwies auf Gespräche mit Banken und ein „vorläufiges Angebot“. Das sei „mehr als Hirngespinste“ kommentierte der OB und verwies auf die Bürgschaftspflicht der Stadt für ihre Tochter, die Stadtbau GmbH: „Ganz ohne Risiko geht es nicht.“

In einer Diskussionsrunde bekannten sich die anwesenden Stadträte grundsätzlich zum Erhalt des Ärztehaus-Standorts, das Projekt müsse sich aber finanziell selbst tragen. Lediglich SPD-Rat Eberhard Berg äußerte Zweifel daran, ob das Nutzungskonzept vollständig durchdacht sei, und forderte Nachbesserungen – insbesondere im Hinblick auf bestehende Restgebäude.