Die 19-jährige Nikola Bartunkova hat das Turnier in Vaihingen um den Stuttgarter Stadtpokal gewonnen. Foto: Herbert Rudel

Nikola Bartunkova gewinnt die Internationalen Württembergischen Damen-Tennis-Meisterschaften mit 6:4 und 7:6 gegen die Lokalmatadorin Emily Seibold vom Vaihinger Gastgeberklub.

Es wäre die berühmte Kirsche auf der Torte gewesen: ein Sieg der Lokalmatadorin Emily Seibold bei der 39. Auflage der Internationalen Württembergischen Damen-Tennis-Meisterschaften um den Stuttgarter Stadtpokal. Doch die Tschechin Nikola Bartunkova hatte am Sonntagnachmittag im Finale vor rund 450 Zuschauern auf der Anlage des TC Blau-Weiß Vaihingen/Rohr das bessere Ende für sich. Die 19-Jährige, zu Beginn der vergangenen Turnierwoche noch auf Platz 451 der Weltrangliste geführt, siegte in einer hochklassigen Partie in zwei Sätzen mit 6:4 und 7:6. Der Lohn der Mühen: 35 Weltranglistenpunkte und 4860 US-Dollars.

 

Ein Topspiel auf Augenhöhe

Dabei hatte der Turnierdirektor Frederick von Au, zugleich auch Geschäftsführer des 684 Mitglieder starken Veranstaltervereins TC BW Vaihingen/Rohr, Emily Seibold fest die Daumen gedrückt. „Ich glaube, sie gewinnt das Endspiel im dritten Satz“, hatte der 32-Jährige vor dem Finale gesagt. Und so weit vom Match-Tiebreak entfernt waren die beiden Protagonistinnen denn auch nicht. „Am Ende haben zwei, drei Punkte den Unterschied ausgemacht“, sagte Michael Seibold, der Vater der Zweitplatzierten und zugleich Cheftrainer beim TC Blau-Weiß. Nikola Bartunkova habe ein hohes Niveau gezeigt und seine Tochter habe sehr gut mitgehalten. „Es war ein Topspiel auf Augenhöhe.“

Bartunkova – deutlich besser als das aktuelle Ranking

Mit der Siegerin, die als Qualifikantin ins Turnier gestartet war, hat derweil Thomas Bürkle um die Wette gestrahlt. „Der Turniersieg hat mein Wochenende gekrönt“, sagte der Teammanager der Bundesliga-Damen des TEC Waldau, die tags zuvor mit dem Sieg beim TC GW Luitpoldpark München einen Riesenschritt hin zum Klassenverbleib im nationalen Oberhaus gemacht haben. Bartunkova, die zum TEC-Kader gehört, sei ein richtige Talent, ein nettes Mädchen dazu, und deutlich besser als ihr aktuelles Ranking es vermuten lässt. Dass die Tschechin, die bis zu ihrem Coup in Vaihingen vier Titel auf der ITF-Tour gewonnen hatte und 2019 als 13-Jährige die Nummer eins der U-16-Weltrangliste war, von Weltranglistenplatz 226 im vergangenen Jahr so weit zurückgefallen ist, sei einigen Verletzungen geschuldet gewesen. „Sie kommt jetzt immer besser in Form“, sagte Bürkle. Dass ihr in Vaihingen Großes gelingen könnte, deutete sich spätestens nach ihrem Sieg im Viertelfinale gegen die an Nummer drei gesetzte Noma Noha Akugue (Weltrangliste 260) an. Die Deutsche mit nigerianischen Wurzeln musste sich im Match-Tiebreak mit 11:13 geschlagen geben. „Das war eine Weltklasseleistung von Nikola“, sagte Bürkle.

Seibold beendet Spiel mit Schlag ins Aus

Auch im Finale hatte die 19-Jährige gegen die sechs Jahre ältere Seibold (Weltrangliste 594), die Dank einer Wildcard des Veranstalters im Hauptfeld stand, Nerven bewiesen – und vor allem mit ihrem variablen Spiel, den genialen Stopps und ihrer Schnelligkeit überzeugt. Nach dem 2:2 gestattete sie Seibold, die bislang in ihrer Laufbahn schon 13 Titel auf der ITF-Tour eingeheimst hat, keinen Punkt mehr. Am Ende entschied die Lokalmatadorin das Finale mit einem Schlag ins Aus.

Trotz der Niederlage hat Seibold die Woche in Vaihingen genossen. „Es war herrlich, dass ich zuhause spielen durfte“, sagte sie bei der abschließenden Siegerehrung und dankte zugleich den Zuschauern, „die ich ja fast alle kenne“, für die Unterstützung. Ein Dank beider Finalistinnen ging freilich auch an Frederick von Au, für den es die Premiere als Turnierdirektor war, den TC-Vorsitzenden Marko Klein und das rund 40-köpfige Helferteam, das einmal mehr für einen reibungslosen Ablauf verantwortlich zeichnete. Gefreut hat die Macher – und auch die Tennisfans- besonders, dass in Marie Vogt und Fabienne Gettwart zwei weitere Spielerinnen des eigenen Zweitliga-Teams im Hauptfeld vertreten waren und sich dort durchaus gut verkauft haben. Vogt schied in der zweiten Runde gegen Akugue aus, Gettwart in Runde eins gegen die an Nummer sechs gesetzte Ylena In-Albon aus der Schweiz.

Vorfreude auf die 40- Auflage im kommenden Jahr

Aber auch Mariella Thamm, die in der erste Runde gegen die topgesetzte Ekaterina Makarova gewann, und Valentina Steiner – beide mit dem Heidelberger TC jüngst in die Bundesliga aufgestiegen und einst beim TEC Waldau aktiv – haben für Lokalkolorit gesorgt. „Wir sind wirklich sehr zufrieden. Es war eine top Turnierwoche mit einer top Besetzung. Das Niveau wird von Jahr zu Jahr besser. Schade nur, dass Emily nicht gewonnen hat. Aber so ist es eben im Sport. Es gibt immer Sieger und Verlierer“, sagte der Vereinsvorsitzende Marko Klein. Und auch, dass sich alle schon auf die 40. Turnierauflage im kommenden Jahr freuen.

Doppel-Entscheidung bereits am Samstag

Das Doppelfinale, das bereits am Samstagnachmittag ausgetragen worden war, gewannen die Griechin Martha Matoula und die Slowakin Radka Zelnickova mit 7:6/7:5 gegen Chelsea Fontenel (Schweiz) und die Russin Alevtina Ibragimova.