Rivalen auf dem Platz – neben dem Platz im gleichen Team: Alexander Zverev (links) und Roger Federer. Foto: dpa

Management-Wechsel inklusive Rechtsstreit, Trainer-Entlassung und private Turbulenzen. Hinter Alexander Zverev liegen die turbulentesten Monate seiner jungen Profi-Karriere. Nun will der Tennis-Weltmeister bei den US Open wieder durchstarten – mit der Hilfe des Maestros.

New York - Als Roger Federer im Frühjahr in seinem Schweizer Trainingslager über Alexander Zverev sprach, hörte sich das nicht wie die Einschätzung eines Kollegen oder Rivalen an. Roger Federer redete, vielleicht ungewollt, vielleicht auch nicht, wie ein Berater, wie ein väterlicher Freund. Wie einer, dem das Seelenheil des jungen deutschen Profis alles andere als gleichgültig ist. Zverev müsse die Krise als Chance sehen, „als große Herausforderung“, sagte Federer damals in Zürich. „Er muss lernen, noch mehr auf eigenen Beinen zu stehen. Irgendwann wird er sehen, dass es ihn nur stärker macht, wenn er sein Leben selbst in die Hände nimmt.“

Zverev will sich wieder auf Tennis konzentrieren

Roger Federer, der erfolgreichste Spieler der Tennisgeschichte, wird Zverev künftig weiter fest im Blick haben. Wahrscheinlich sogar noch mehr als in den vergangenen Jahren. Denn der 22-jährige Hamburger bestätigte am Wochenende am Rande des ATP-Turniers in Dubai: Team 8, die amerikanische Vermarktungsagentur, an der Federer und sein langjähriger Agent Tony Godsick die größten Inhaberanteile halten, wird sich künftig um die Belange von Zverev kümmern. Federer hatte über die Saison 2019 immer mal wieder ungehalten auf Fragen zu dem Thema reagiert, er sei dort „nur Klient“, sagte Federer, um klarzustellen, dass er nicht in die Abwerbung von Spielern involviert sei.

Allerdings war der Deal zwischen der Agentur des Maestros und dem deutschen ATP-Weltmeister da wohl schon längst vorbereitet und unterschriftsreif. Geeinigt habe man sich schließlich definitiv nach dem Hamburger Turnier, so Zverev: „Ich bin froh, dass ich mich jetzt wieder mehr aufs Tennis konzentrieren kann.“

Rechtsstreit mit dem Ex-Manager geht weiter

Die Sache hat allerdings einen kleinen, nicht unwesentlichen Haken: Denn zwischen Zverev und seinem ehemaligen Geschäftsbesorger Patricio Apey sind, entgegen manch optimistischer Äußerung Zverevs, die Scheidungsformalitäten noch keineswegs erledigt. Der Streit über die Dauer des gegenseitigen Vertrags, mehr aber noch um millionenschwere Abfindungszahlungen schwelt weiter.

Wenn beide Seiten auf ihren Positionen bestehen, dürfte man sich noch vor Gericht wiedersehen – allerdings erst im nächsten Jahr, früher sind keine Termine am Gerichtsort London zu bekommen. Godsick, der neue Mann an Zverevs Seite, wird möglicherweise am Rande des New Yorker Turniers oder später im Herbst sondieren, inwieweit eine finanzielle Einigung mit Apey möglich ist. Apey, ein Chilene mit Wohnsitz London, beharrt ja darauf, noch einen rechtsgültigen Kontrakt mit Zverev bis 2023 zu besitzen.

Godsick machte einst Federer zur Weltmarke

Der Einstieg von Team 8, der Agentur von Federer und seinem Freund und Partner Godsick, kommt in jedem Fall zur rechten Zeit für Zverev. Schließlich befindet sich der Hamburger in der ersten großen Krise seiner Karriere, in der Saison nach seinem größten Erfolg, dem Sieg bei der ATP-WM in London (November 2018). Godsick ist einer der Erfahrensten der Branche, ein Mann mit Tausenden Adressen und Kontakten in einem globalen Netzwerk. Einst war er für die Tennisgeschäfte beim Marketinggiganten IMG verantwortlich, kümmerte sich dort unter anderen um Tommy Haas, dann machte er sich mit Team 8 selbstständig und nahm den IMG-Klienten Federer mit. Godsick handelte die Deals mit knallharter Attitüde aus, er ist gefürchtet und geachtet gleichermaßen wegen seiner Geschäftstüchtigkeit.

Federer geht in die letzte, allerletzte Phase. Ein, zwei Jahre dürfte der 38-Jährige noch das Racket schwingen, dann wird er in den Ruhestand treten. Welche Rolle er dann bei seiner Agentur Team 8 einnehmen will und wird, ist noch unklar. Aber dass er sich ohne feste Verpflichtung um das Personal des kleinen Unternehmens kümmern könnte, also um Zverev oder auch mal um Supertalent Cori Gauff (auch sie ist dort unter Vertrag), ist nicht ganz abwegig.

Federer als Mentor von Zverev?

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