Laura Siegemund will bei den French Open erfolgreich Tennis spielen. Foto: dpa

Innerhalb eines Jahres hat sich Laura Siegemund um rund 100 Positionen auf Rang 39 der Tennis-Weltrangliste verbessert. Zum Auftakt der French Open wartet auf die Stuttgarterin am Montag ein echter Prüfstein: der kanadische Tennis-Darling Eugenie Bouchard.

Paris - Als Laura Siegemund vor fünf Tagen Kurs auf Paris und die French Open nahm, da sah es im Inneren ihres Autos ein wenig aus wie bei einer lebensfrohen Pfadfinderin auf dem Weg ins Sommer-Zeltlager. Denn hinter der Tennisspielerin aus Stuttgart-Heslach, die in 2016 einen gleichermaßen wundersamen wie hart erkämpften Aufstieg hinein in die absolute Weltelite erlebt, da stapelten sich die Koffer, Kissen, Tennisschläger und sogar eine Massagebank.

Mit an Bord hatte Siegemund neben ihrem weiterhin kleinen Team, dem neben dem Trainer Markus Gentner auch der Partner und Physiotherapeut Wilfried Lenz angehört, aber auch jede Menge Zuversicht. Beim zweiten Grand Slam des Jahres hofft sie, ähnlich weit oder weiter zu kommen als bei den Australian Open. In Melbourne hatte die 28-Jährige erstmals die dritte Runde eines Grand Slams erreicht. „Das war ein schönes Feeling“, erklärte Siegemund danach – und avancierte in den Folgemonaten mit guten Ergebnisse bei den US-Turnieren von Indian Wells und Charleston, mit der Finalteilnahme beim Porsche Grand Prix in Stuttgart und der dritten Runde in Madrid zur Aufsteigerin im deutschen Profitennis. „Ich genieße das alles“, sagt Siegemund, „lasse mich aber nicht verrückt machen.“

Kleines Zwischentief beim Turnier in Nürnberg

Nach einem kleinen Zwischentief, einer leichten Oberschenkelverletzung verbunden mit dem frühen Aus beim Sandplatz-Turnier in Nürnberg, steht die gebürtige Filderstädterin am Dienstag in Runde eins von Roland Garros mit der Kanadierin Eugenie Bouchard einer der schillernsten Figuren auf der Tennistour gegenüber. Dabei könnten die sportlichen Karrieren der beiden Kontrahentinnen gegensätzlicher kaum verlaufen sein. Denn Siegemund, die 1999 als Zwölfjährige die prestigeträchtige Orange Bowl in Florida gewann, erlebt nach einer Tennispause in den Jahren 2012 und 2013, einem Psychologiestudium und dem Erwerb der Trainer A-Lizenz mit 28 Jahren ihren zweiten Frühling als Sportlerin. Derweil spielte sich Bouchard, die blonde Tennis-Beauty aus dem Land der Eishockey-Cracks, in ihrer Sportart ganz schnell nach oben: 2014 stand die heute 22-Jährige bereits im Halbfinale von Paris – und erreichte wenig später in Wimbledon sogar das Endspiel. Danach brach in Nordamerika eine wahre Tennis-Euphorie über die „Genie“ der Nation herein, die, ausstaffiert mit einem millionenschweren Werbevertrag des US-Giganten Nike, aber bald die Hauptsache aus den Augen verlor: das Tennisspielen.

So gestalteten sich die Monaten in den Schlagzeilen – etwa an der Seite diverser Megastars wie dem Pop-Jüngling Justin Bie­ber – zwar durchaus amüsant. Doch die Erstrundenniederlagen in Serie, sie folgten auf dem Fuße. Derzeit befindet sich Eugenie Bouchard zwar sportlich wieder leicht im Aufwind. Als aktuelle Nummer 46 der Weltrangliste ist sie aber um sieben Plätze schlechter notiert als ihre Gegnerin aus Deutschland. Die wiederum ist daher bei den Buchmachern die leichte Favoritin auf den Einzug in die zweite Runde – lässt sich trotz der jüngsten Erfolge aber nicht den Blick für die Realitäten verstellen.

„Ich weiß, dass dem Erfolg stets harte Arbeit voraus geht“, sagt Laura Siegemund, die auf dem Tennisplatz gerne forsch zu Werke geht. „Man spielt ja immer auch ein bisschen so wie man als Mensch ist“, sagt die eloquente Schwäbin, die mit ihrem Coach Markus Gentner im Tenniscenter in Metzingen trainiert. Offensive Grundschläge und Netzattacken gehören bei Laura Siegemund also zur Grundausstattung. Also bleibt es abzuwarten, wie die talentierte Bouchard, eine junge Tennisdiva mit einem gigantischen Talent, diesem Repertoire entgegen tritt.

Rio de Janeiro ist das Fernziel

Ein gutes Abschneiden im Pariser Stade Roland Garros am Bois de Boulogne wäre für Siegemund, die Tochter eines Entwicklungshilfe-Ingenieurs mit Einsätzen in Saudi-Arabien und Indonesien, ja wichtig. Schließlich ist der Traum von Olympia in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) zum Greifen nah. Die besten 56 Spielerinnen der Weltrangliste sind am Zuckerhut dabei; jede Nation darf bis zu sechs Aktricen nominieren. Nach aktuellen Stand der Ranglisten wären dies für Deutschland neben Siegemund noch Angelique Kerber (Nummer drei der Weltrangliste), Andrea Petkovic (31), Annika Beck (42), Anna Lena-Friedsam (49) und die aufschlagsstarke Sabine Lisicki (50).

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