Angelique Kerber steht in der zweiten Runde von Wimbledon. Foto: Mike Egerton/PA Wire/dpa

Einen Tag nach dem Erstrunden-Aus für Alexander Zverev hat es Angelique Kerber in Wimbledon besser gemacht. Tatjana Maria nervte die Titelverteidigerin zwar mit ihrem Spielstil. Doch am Ende war der erste Schritt für die Favoritin geschafft.

London - Erleichtert ballte Angelique Kerber die Hand zur Faust, warf einen kurzen Blick zu Mutter Beata und verteilte Kusshändchen ans Publikum. Die emotionale und knifflige Rückkehr auf den Centre Court von Wimbledon hat die Vorjahressiegerin am Dienstag ohne Zittern gemeistert. Nach dem anfänglichen kollektiven deutschen Erstrunden-Scheitern und dem Aus für Alexander Zverev gelang der Kielerin ein 6:4, 6:3 im deutschen Duell mit Tatjana Maria. Der erste Schritt zu ihrem ambitionierten Vorhaben, den Titel beim prestigeträchtigen Rasenturnier zu verteidigen, ist geschafft.

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„Den Centre Court wieder zu betreten, war sehr besonders. Es sind viele Emotionen zurückgekommen. Es ist großartig, zurück zu sein“, sagte die 31-Jährige, nachdem sie Maria am Netz umarmt hatte. Im Kampf um den Drittrunden-Einzug dürfte die Weltranglisten-95. Lauren Davis aus den USA am Donnerstag eine machbare Aufgabe sein.

Für einen Stimmungsaufheller sorgte neben Kerber auch die Metzingerin Laura Siegemund, die sich mit 6:2, 6:4 gegen die Britin Katie Swan behauptete, und ebenfalls um den Einzug in die dritte Runde spielt. Andrea Petkovic ließ zunächst ebenfalls auf ein Erfolgserlebnis hoffen, verlor aber mit 6:2, 2:6, 5:7 gegen die Rumänin Monica Niculescu. Am Montag waren alle sieben deutschen Starter gleich zum Auftakt ausgeschieden und hatten Tennis-Tristesse verursacht.

Kerber hinterlässt einen gelösten Eindruck

Lächelnd verließ Kerber die berühmte Bühne, auf der Tribüne klatschten sich Mutter Beata und Trainer Rainer Schüttler ab. „Ich muss von null wieder anfangen. Ich will so weitermachen, wie ich die letzten Wochen und im letzten Jahr hier gespielt habe“, sagte Kerber nach ihrem erfolgreichen ersten Arbeitstag an der Church Road.

Ein Jahr nachdem sie sich zur ersten deutschen Wimbledon-Siegerin seit Steffi Graf 1996 kürte, hatte Kerber gegen Maria eine unangenehme Aufgabe lösen müssen. Gegen die unkonventionell auftretende Schwäbin, die auf Rasen als gefährliche Gegnerin gilt, war Geduld gefragt. Die Außenseiterin spielte sowohl mit der Vor- als auch mit der Rückhand fast ausschließlich unterschnittene Slicebälle. Knapp vermied Kerber einen 4:5-Rückstand. Mit einem Lob aus der Defensive sicherte sich die Titelkandidatin den ersten Durchgang und pustete beim Seitenwechsel auf ihrem Stuhl erleichtert durch.

Die Weltranglisten-Fünfte hatte zuvor einen gelösten Eindruck hinterlassen, betont, wie wohl sie sich auf Rasen fühle und wie froh sie sei, die missratene Sandplatz-Saison mit einem grippalen Infekt, einer Knöchelverletzung und dem Erstrunden-Aus bei den French Open hinter sich gelassen zu haben. „Mein Körper ist fit. Ich kann ohne Schmerzen spielen und genieße das Tennis wieder“, hatte sie gesagt.

Rainer Schüttler fiebert auf der Tribüne mit

Bei ihrer Rückkehr nach Wimbledon sei gar nicht so viel anders gewesen als im letzten Jahr, einmal abgesehen davon, dass Bilder von ihr als Vorjahressiegerin auf der traditionsreichen Anlage hängen, hatte Kerber geschildert. Anders als beim ihrem Coup am 14. Juli 2018 fieberte aber nicht mehr der Belgier Wim Fissette, sondern der frühere Tennisprofi Schüttler als Trainer auf der Tribüne mit.

Der 43-Jährige sah, wie die Eastbourne-Finalistin auch im zweiten Satz einen Vorsprung wieder hergab. Die Bad Saulgauerin stellte Kerber mit Netzangriffen vor Probleme, doch am Ende war der erste von sieben Siegen zum erhofften nächsten Titel-Coup geschafft. Vor zehn Jahren hatte Maria das erste Duell der beiden auf Sand glatt gewonnen.

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