Abgang: Für Simona Halep ist das Viertelfinale in Stuttgart die Endstation. Foto: Baumann

Mit dem Viertelfinalaus der besten Tennisspielerin der Welt hat der Porsche-Grand-Prix seine nächste Attraktion verloren. Simona Haleps Scheitern reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Enttäuschungen.

Stuttgart - Die Minimalanforderungen hat Simona Halep brav erfüllt. Zur verabredeten Zeit betrat sie am Freitagmittag den Tennisplatz und verließ ihn nicht, bevor auch der letzte Punkt gespielt war. Das dauerte allerdings nur 74 Minuten. Dann war das Spiel schon wieder beendet und die Weltranglistenerste aus Rumänien ausgeschieden. „Ich weiß gar nicht so genau, was passiert ist, das ging so schnell“, sagt Halep nach dem 4:6, 1:6 gegen die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe.

Applaus bekommt die 26-Jährige zum Abschied trotzdem – die Zuschauer in der Stuttgarter Porsche-Arena haben sich in dieser Woche daran gewöhnen müssen, auch mal mit weniger zufrieden zu sein.

Eine Serie von Enttäuschungen

Mit dem Viertelfinalaus der besten Tennisspielerin der Welt hat der Porsche Grand Prix seine nächste Attraktion verloren. Haleps Scheitern reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Enttäuschungen, die man in Stuttgart in solch geballter Form schon sehr lange nicht mehr erlebt hat. Und so muss man aus Sicht der erfolgsverwöhnten Veranstalter und Zuschauer schon vor dem Abschlusswochenende konstatieren: Auf sieben fette Jahre ist ein sehr mageres gefolgt.

Eine rauschende Ära voller glanzvoller Jubelgeschichten wurde eingeläutet, als 2011 Julia Görges als erste deutsche Spielerin seit Anke Huber (1994) den Sieger-Porsche mit nach Hause nehmen durfte. Drei Jahre hintereinander dominierte anschließend der russische Superstar Maria Scharapowa und sorgte dafür, dass die ganze Tenniswelt nach Stuttgart blickte. Danach wiederum übernahmen erneut die Deutschen das Kommando: Angelique Kerber gewann 2015 und 2016; Laura Siegemund triumphierte im vergangenen Jahr und krönte damit diese goldenen Epoche. Das Publikum war aus dem Häuschen.

Keine deutsche Spielerin im Viertelfinale

Und jetzt? Hat sich Katerstimmung breitgemacht. Tennisdiva Maria Scharapowa flog schon in der ersten Runde raus, genau wie Julia Görges und deren Landsleute Antonia Lottner und Carina Witthöft, die ohne Chance waren. Angelique Kerber und Laura Siegemund überstanden zumindest ihre Auftaktspiele, ehe auch sie sich frühzeitig verabschieden mussten. Bedeutet: erstmals seit vielen Jahren stand schon im Viertelfinale keine Deutsche mehr auf dem Platz. „Aus deutscher Sicht ist es diesmal sicher nicht so gelaufen, wie es sich das Publikum gewünscht hätte“, sagt Turnierdirektor Markus Günthardt.

Doch sind nicht nur die Hoffnungen der Fans von Angelique Kerber, Julia Görges & Co. unerfüllt geblieben. Auch das neutrale Fachpublikum musste manch schwer verdaulichen Tiefschlag hinnehmen – und konnte es sich nicht verkneifen, bisweilen die Finger zum Pfeifen in den Mund zu nehmen. Etwa nachdem Sloane Stephens, immerhin amtierende US-Open-Gewinnerin, in ihrem Auftaktspiel komplett darauf verzichtet hatte, so etwas wie Gegenwehr zu leisten. 1:6, 0:6 verlor die Amerikanerin und verließ Stuttgart anschließend ebenso blitzartig wie grußlos. Die Veranstalter kamen nicht einmal mehr dazu, sich von der vermeintlichen Starspielerin zu verabschieden. „Dabei hatten wir uns so gefreut, dass sie da ist“, sagt Günthardt und findet keine Erklärung für Stephens’ blamablen Auftritt.

Auffällig viel Abbrüche

Mehr Verständnis bringt der Turnierdirektor für jene Athletinnen auf, die nicht in der Lage waren, ihre Partien zu Ende zu spielen. „Solche Abbrüche sind nicht inszeniert“, beteuert er, „es ist für keine Spielerin schön, verletzt aufgeben zu müssen.“ Dummerweise war dies am „schwarzen Donnerstag“ (Günthardt) auf dem Centre Court gleich dreimal hintereinander der Fall: Erst musste Marketa Vondrousova passen, dann war Angelique Kerber untröstlich – und schließlich hisste auch die an Nummer zwei gesetzte Garbine Muguruza die weiße Flagge. Die Kräfte der spanischen Wimbledon-Siegerin hatten in ihrem Auftaktmatch nur für einen Satz gereicht. Drei vorzeitig beendete Spiele in Serie – das hat auch Markus Günthardt noch nicht erlebt: „Fürs Publikum ist das natürlich ganz bitter.“

Wo liegen die Gründe für die vielen Aufgaben? Ganz sicher nicht beim umfangreichen Rahmenprogramm, das die Spielerinnen in Stuttgart zu absolvieren haben, wie Günthardt sagt: „Wir sind zwar ein Turnier, das versucht, die Anwesenheit der Spielerinnen auch abseits des Platzes intensiv zu nutzen – aber wir nehmen sehr viel Rücksicht auf die Ansetzungen.“

Julia Görges etwa, die zum Auftakt am Montag das Tiebreak-Turnier gewonnen hatte, wurde mehrfach angeboten, erst am Mittwoch einzusteigen. Vergeblich. Die 29-Jährige wollte unbedingt schon dienstags spielen – und traf beim 2:6, 2:6 gegen gegen die Qualifikantin Marketa Vondrousova kaum einen Ball. „Ich bin fertig“, keuchte Julia Görges hinterher enttäuscht.

Da ging es ihr nicht entscheidend anders als vielen Zuschauern.

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