Tommy Haas muss auf dem Weissenhof sportlich passen. Foto: dpa

Der verletzte 38-Jährige wird Turnierdirektor in Indian Wells. Als Spieler will der Tennisprofi aber bis 2017 weitermachen.

Stuttgart - Eigentlich, das hat sich der Altmeister Tommy Haaseinmal geschworen, „wollte ich spätestens nach der sechsten Operation mit dem Tennis Schluss machen“. Mitte April aber hat der 38-Jährige, der zu seinen besten Zeiten auf Position zwei der Weltrangliste notiert war, nun bereits den neunten operativen Eingriff, diesmal am Fuß, hinter sich gebracht. Die Schulter schmerzt zudem seit längerem fast schon chronisch. „Doch meinen Rücktritt will ich heute noch nicht bekannt geben“, sagt Haas, während er am Sonntagmittag in der Tennishalle auf der Stuttgarter Anlage des TC Weissenhof sitzt.

Vielmehr will der gebürtige Hamburger mit deutschem und seit 2010 auch mit US-Pass von einem neuen Kapitel in seinem Leben berichten, „eine große Herausforderung, die mich überaus glücklich macht“. Schließlich wird Haas mit sofortiger Wirkung der Turnierdirektor beim Masters-Event im kalifornischen Indian Wells. Das ist nicht irgendein Turnier auf der Tour, sondern nach den vier Grand Slams die Nummer fünf der Branche, ein so genanntes „Combined Event“, bei dem seit 1996 neben den Männern auch die Frauen antreten. „Wenn so eine Tür aufgeht, dann muss man diese Chance nutzen, vor allem wenn man wie ich dem Tennis verbunden bleiben will“, sagt Haas, der den Turnierbesitzer Larry Ellison seit einigen Jahren sehr gut kennt. „Er ist ein Mann mit Visionen. Die Tenniswelt kann sich somit glücklich schätzen, ihn an Bord zu haben“, sagt Haas über den rund 53 Milliarden Dollar schweren Ellison, den Gründer des US-Softwarekonzerns Oracle, den er über seinen Schwiegervater kennen gelernt hat.

Haas lebt nur zwei Autostunden von Indian Wells entfernt nahe Los Angeles

In Indian Wells folgt Haas auf den Südafrikaner Raymond Moore, der sein Amt Ende März nach einer öffentlichen Macho-Attacke aufgeben musste. „Wenn ich eine Spielerin wäre, würde ich jeden Abend auf die Knie gehen und Gott dafür danken, dass Roger Federer und Rafael Nadal geboren wurden, weil sie diesen Sport getragen haben“, das hatte der 69-Jährige nach den Finalspielen von Indian Wells gesagt. Zuvor hatte sich am Rand der kalifornischen Palm-Wüste eine Diskussion über die „Equal Prize Money“-Regelung im Welttennis entzündet. Nach dieser bekommen beide Geschlechter von den Veranstaltern bei Grand Slams und Masters-Turnieren gleich hohe Preisgelder ausgezahlt.

Die Frauen-Organisation WTA treffe keine eigenen Entscheidungen und hänge schon seit Jahren „im Schlepptau der Männer“, das hatte Raymond Moore noch behauptet. Diese Äußerungen seien „beleidigend, unrichtig und sehr, sehr unangebracht“, so hatte Serena Williams, die Nummer eins im Frauentennis, prompt gekontert: „Was glauben sie, wie viele Leute mich täglich ansprechen, die nur Tennis schauen, um mich, meine Schwester Venus und die anderen Mädels zu sehen.“

Für Haas ist die Gleichberechtigung der Geschlechter im Tennis derweil eine Selbstverständlichkeit. Auf dieser Grundlage will der Deutsche, der mit seiner Partnerin Sara Foster und den Töchtern Valentina und Josephine nur zwei Autostunden von Indian Wells entfernt nahe Los Angeles lebt, „immer auch nach Innovationen schauen“. Eine davon wird derzeit auf dem Weissenhof getestet, wo die Balljungen inzwischen mit Kameras ausgestattet sind – und am Schiedsrichterstuhl eine 360-Grad-Kamera installiert ist. So will das Tennis neue Blickwinkel erschließen.

Als Spieler möchte der aktuell verletzte Haas in 2017 unbedingt noch einmal auf dem Killesberg antreten. „Mein Ziel ist es, mich noch ein letztes Mal fit zu kriegen“, sagt der 38-Jährige, „denn bei meinem Abschied spielen gerade die deutschen Turniere eine wichtige Rolle.“

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