2012 bis 2014 siegt Maria Scharapowa in Stuttgart dreimal in Serie. Foto: Baumann

Nach ihrer Dopingsperre ist der Tennis-Star Maria Scharapowa mit einer Wildcard in Stuttgart am Start. Ein Ereignis, das besondere Aufmerksamkeit weckt: 250 Journalisten sind akkreditiert – das ist ein Rekord.

Stuttgart - Vermutlich kriegt die aufgeregte Suche nach dem gefallenen Tennis-Darling schon deshalb ein besonderes Gewicht, weil sich auch die „New York Times“ an ihr beteiligt hat. In der Sandplatzhalle der Tennisabteilung des SV Sillenbuch von 1892 auf einem Hügel über Stuttgart hat der Reporter des ruhmreichen Blattes Maria Scharapowa letztlich aufgespürt. Etwa zeitgleich gingen am Montag unten im Talkessel die ersten Spiele bei der 40. Ausgabe des Tennis Grand Prix in der Porsche-Arena über die Bühne. Aber diese Vorspiele interessierten erst einmal so gut wie niemanden.

Maria Scharapowa, die bestbezahlte Sportlerin des Planeten, kam im schwarzen Trainingsanzug, mit schwarzer Schirmmütze und betrat die Sillenbucher Halle in leicht gebeugter Körperhaltung durch einen Hintereingang. Alles in allem war das ziemlich unspektakulär – doch so langsam muss die Story ja Fahrt aufnehmen, die von der Rückkehr des rund 300-Millionen-Dollar schweren Megastars zurück auf die Weltbühne des Sports handelt. 250 Journalisten sind beim Stuttgarter Turnier akkreditiert – das ist Rekord.

Die Rückkehr der „angehimmelten Sünderin“

Dass das Comeback der „angehimmelten Sünderin“ (die Welt) am Mittwoch gerade auf dem Centre-Court in Stuttgart über die Bühne geht, wo Scharapowas Privatsponsor Porsche seinen alljährlichen Tennisklassiker ausrichtet und die hauseigene Markenbotschafterin von 2012 bis 2014 bei den so genannten „Scharapowa-Festspielen“ als erste Spielerin überhaupt dreimal in Serie gewann, das ist aber nicht mehr als ein spektakulärer Zufall. Schließlich läuft die 15-monatige Dopingsperre der 30-Jährigen, ausgesprochen durch den Internationalen Sportgerichtshof Cas, an diesem Mittwoch ab. Das ist exakt der Tag, an dem in Stuttgart noch Spiele der ersten Runde ausgetragen werden. „Es gibt also keine Lex Scharapowa. Wir mussten nicht, wie von einigen behaupten, irgendetwas am Reglement ändern oder hinbiegen“, sagt der Schweizer Turnierdirektor Markus Günthardt.

Die tiefe Fall der Maria Scharapowa, er beginnt mit dem Jahreswechsel von 2015 auf 2016. Die Spielerin selbst, aber auch ihr für alles Groß- und Kleingedruckte zuständige Manager Max Eisenbud, sie übersahen nach eigener Einlassung, dass die Substanz Meldonium, ein Herz-Kreislaufmittel, das die Durchblutung fördert, nun Einzug auf die Liste der verbotenen Präparate gehalten hatte. Prompt wurde Scharapowa bei den Australian Open im Januar 2016 des Dopings mit jener Substanz erwischt, die sich nach eigenem Bekunden bereits seit mehr zehn Jahren einnahm. „Wie soll man ein professioneller Athlet sein und seinen Körper nicht ans Limit pushen?“, entgegnete Scharapowa in einem Interview des „Stern“ auf die Frage, warum sie Hilfsmittel wie Meldonium überhaupt genutzt habe.

Auch die „New York Times“ ist in Stuttgart vertreten

Am Mittwoch ist die Strafe nun abgesessen. Sämtliche Protagonisten des Welttennis, inklusive der „New York Times“, blicken dann gebannt in den Neckarpark, wo eines der größten Comebacks in der Geschichte des weißen Sports über die Bühne gehen wird. Immerhin birgt der Fall Scharapowa eine spezielle Fußnote. Weil die Russin an diesem Dienstag noch als gesperrte Dopingsünderin notiert ist, darf sie die Porsche-Arena nicht betreten. Dies soll am Mittwochmorgen, einige Stunden vor Scharapowas erstem Match gegen die Italienerin Roberta Vinci (Nummer 36 der Welt), schleunigst nachgeholt werden. Dann erhalten auch die Medien ihre heiß ersehnten, offiziellen Bilder von der 1,88 Meter großen Russin mit Wohnsitz in Los Angeles – und müssen sich nicht mehr in Sillenbuch auf die Lauer legen.

„Die Resonanz auf Maria ist gewaltig. Wir hatten Anfragen von Kamerateams aus der ganzen Welt“, sagt Viktoria Wohlrapp, die Leiterin Sportkommunikation der Porsche AG. Pfiffe gegen die Diva erwartet Anke Huber, die Sportliche Leiterin des Turniers, nicht: „Die Leute freuen sich doch auf Maria“. Reibereien hat es rund um die rasche Rückkehr der Blondine, die die deutsche Nummer eins Angelique Kerber „ein wenig seltsam“ findet, allerdings bereits gegeben. So wurde die Tatsache, dass Scharapowa von den Veranstaltern eine von zwei Wildcards erhielt, nicht von allen Konkurrentinnen goutiert. „Ich finde, dass sich eine Spielerin nach einer Dopingsperre wieder sportlich nach oben kämpfen sollte“, monierte etwa die Dänin Caroline Wozniacki. Auch im deutschen Lager wurde unüberhörbar gemault, dass nur die Vorjahresfinalistin Laura Siegemund, nicht aber die Turniersiegerin von 2011, Julia Görges, mit einer Wildcard ausgestattet wurde. „Ich gebe Maria den Startplatz mit sehr gutem Gewissen“, sagt Markus Günthardt. Denn für Görges, das weiß nicht nur der Turnierchef, hätte sich die „New York Times“ nicht interessiert.

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