Tennis Der steinige Weg in der Weltrangliste

Von Nathalie Mainka 

Das     intensive   Fitness-Training Foto: Baumann
Das intensive Fitness-Training Foto: Baumann

Dominik Böhler muss gerade ordentlich Lehrgeld bezahlen. Sowohl in Schwieberdingen als auch am Mittwoch in Stuttgart-Stammheim ist der Korntaler Tennis-Profi bei den internationalen, mit 10 000 Dollar dotierten ITF-Turnieren in der ersten Runde des Hauptfeldes ausgeschieden. Auch der Weg von Stefanie Stemmer aus Schöckingen ist in der Weltrangliste steinig.

Korntal/Schöckingen - Dominik Böhler muss gerade ordentlich Lehrgeld bezahlen. Sowohl in Schwieberdingen als auch am Mittwoch in Stuttgart-Stammheim ist der Korntaler Tennis-Profi bei den internationalen, mit 10 000 Dollar dotierten ITF-Turnieren in der ersten Runde des Hauptfeldes ausgeschieden. Bei beiden hatte der 18-Jährige, der mit einer Wild-Card die Qualifikation umgehen konnte, allerdings großes Lospech, traf gleich auf die topgesetzten Spieler. In Stammheim unterlag er dem Franzosen Mick Lescure, der das Turnier in Schwieberdingen gewonnen hatte, mit 3:6 und 4:6. Im Doppel lieferte sich Böhler mit seinem Partner Christian Hirschmüller gegen Moritz Dettinger und Pirmin Haenle einen Dreisatz-Krimi, das der Korntaler am Ende mit 7:5, 3:6 und 8:10 abgeben musste. „So ein Los in der ersten Runde ist natürlich ärgerlich, zumal Dominik gerade gut in Form ist“, sagt dessen Vater Oliver Böhler, der vor rund 25 Jahren selbst ein Jahr lang als Profi auf der Tour war und sich dann entschied, als Tennislehrer sein Geld zu verdienen.

Sohnemann Dominik hat bereits die nächsten Turniere auf dem Plan: am 19. Januar Kaarst, am 26. Januar Nussloch, dann geht’s Mitte Februar nach Italien, bevor er die Freiluftsaison eventuell in der Türkei eröffnet. Seit einem Jahr ist der Gymnasiast dabei, hat sich nach der zehnten Klasse von der Schule befreien lassen und verlängerte nun um ein weiteres Jahr. „In den ersten Monaten haben wir erst einmal das Trainingspensum hochgefahren und Fitness eingebaut, um zu schauen, wie der Körper reagiert. Jetzt wird es Zeit, dass er viele Turniere spielt“, sagt der Vater, der für das Techniktraining zuständig ist und alle Termine und Turniere im Hintergrund koordiniert. Während der 18-Jährige bislang drei- bis viermal pro Woche gefordert war, ist er es mittlerweile zweimal am Tag. „Er hat dadurch einen riesen Schub gemacht“, so Oliver Böhler, der seinen Sohn in den Schulferien zu den Turnieren begleiten wird. „Das ist aber nicht immer eine einfache Konstellation, denn welcher junge Mann lässt sich gerne etwas von seinem Vater sagen, da fliegen schon mal die Fetzen“, meint der 45-jährige Oliver Böhler und lacht. Doch letztendlich wüssten beide, dass es nur so funktioniert. „Einen Trainer, der mit auf Reisen geht, können wir uns schlichtweg nicht leisten.“

Auch Stefanie Stemmer aus Schöckingen, seit rund zwei Jahren im Profigeschäft, hatte beim Turnier in Stammheim nur einen kurzen Auftritt. Sie ist in der ersten Qualifikationsrunde gegen die Tschechin Tereza Malikova mit 4:6 und 0:6 ausgeschieden. Doch die 21-Jährige ist froh, dass sie überhaupt wieder diese Leistung erbringen kann. Im Februar 2014 war es, als sie plötzlich ausgeknockt wurde. „Gerade als es so gut lief und ich mich an das Reisen und das spielerische Niveau gewöhnt und gelernt hatte, mich selbst zu organisieren“, sagt Stemmer. In der Weltrangliste hatte sie sich auf Platz 750 vorgearbeitet. „Und es wäre mehr gegangen.“ Doch sie konnte nichts mehr ohne Anstrengung machen. Nicht Treppen steigen, nicht mal mehr die Haare föhnen. Die Diagnose: Sie hatte sich die Viruserkrankung Pfeiffersches Drüsenfieber eingefangen. Sieben Monate brauchte Stemmer, um wieder auf die Beine zu kommen. Tatenlos wollte die Sportlerin aus Schöckingen, die parallel zum Tennis ein Fernstudium Wirtschaftsrecht absolviert, in dieser Zeit nicht sein. Also bewarb sie sich bei Porsche in Bietigheim für ein sechsmonatiges Praktikum. Sie bekam eine Zusage und steht momentan mitten im Berufsleben. Trainieren kann sie nur nach der Arbeit, die Fitness-Einheiten sind nicht mehr ganz so intensiv. An den Wochenenden spielt sie regelmäßig Preisgeld-Turniere. Und das ganz gut. „Ich nehme jetzt manches lockerer, und das tut mir ganz gut.“

Trotz dieses sportlichen Rückschlages sieht Stefanie Stemmer das Positive. „Ich glaube, ich habe die Situation perfekt gelöst und bin nicht unglücklich, dass es so gekommen ist.“ Denn nach ihrem Praktikum geht es für Stemmer bei Porsche als Werksstudentin weiter. Ihre Tenniskarriere hat sie noch nicht abgehakt. „Ich lasse das alles auf mich zukommen.“ In der nächsten Zeit stehen erst einmal Prüfungen an, Anfang Februar folgen weitere Preisgeld-Turniere. Im Mai startet die Verbandsrunde, wo sie für den TC Lauffen in der Regionalliga spielt. Zu lange darf Stefanie Stemmer ihre sportliche Entscheidung aber nicht herauszögern, sonst verliert sie den Anschluss.

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