Petzschner macht 3:2-Sieg für DTB-Team klar. Viertelfinale wird eventuell in Stuttgart gespielt.

Zagreb - Davis-Cup-Rückkehrer Philipp Petzschner hat das deutsche Tennis-Team in Kroatien in einen Freudentaumel versetzt. Mit dem Sieg im entscheidenden Einzel sorgte der Bayreuther am Sonntag für den schwer erkämpften 3:2-Erfolg in Zagreb und den Einzug ins Viertelfinale.

Nach dem 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:5) von Petzschner über Ivo Karlovic kannte der Jubel auf der deutschen Bank keine Grenzen: Durch den ersten Auswärtssieg seit fast vier Jahren entgeht das DTB-Team 2011 dem Abstiegskampf. „Es ist geil, Davis Cup zu spielen“, hatte der Wimbledonsieger im Doppel schon am Samstag erklärt.

Vom 8. bis 10. Juli gibt es nun entweder (voraussichtlich in Stuttgart) ein Heimspiel gegen Frankreich oder ein Nachbarschaftsduell in Österreich. Zuletzt hatte eine deutsche Mannschaft auswärts vor 15 Jahren in der Schweiz die erste Runde überstanden. Bereits im Doppel hatte Petzschner mit einer starken Leistung zusammen mit Christopher Kas für die 2:1-Führung gesorgt. Das eingespielte Duo besiegte Ivan Dodig und Ivo Karlovic 6:3, 3:6, 5:7, 6:3, 6:4. Philipp Kohlschreiber verpasste es am Sonntag beim 2:6, 3:6, 6:7 (6:8) gegen Marin Cilic, vorzeitig für den uneinholbaren 3:1-Vorsprung zu sorgen. Das Gleiche war Petzschner 2007 bei seinem Debüt im verlorenen Halbfinale in Russland passiert.

"Philipp wusste es wohl schon gestern Abend. Er war bereit“

In Zagreb gab Teamchef Patrik Kühnen Petzschner den Vorzug vor Florian Mayer, der am Freitag nach seiner Niederlage gegen Cilic sehr geknickt gewirkt hatte. Drei Jahre nach seinem bislang letzten Einsatz und der Absage zugunsten der Solokarriere im Vorjahr rechtfertigte Petzschner die nicht überraschende Entscheidung. „Philipp wusste es wohl schon gestern Abend. Er war bereit“, berichtete Kohlschreiber, der nach seinem Viereinhalb-Stunden-Zittersieg über Dodig am Freitag müde war und sich zu spät in die Partie gegen Cilic biss.

Kroatiens Kapitän Goran Prpic verzichtete auf Dodig, der schon mehr als acht Stunden im Einzel und Doppel gespielt hatte. 2,08-Meter-Riese Karlovic stellte dort mit 251 Stundenkilometern einen Aufschlag-Weltrekord auf, der angesichts des nicht immer zuverlässig scheinenden Messgerätes etwas zweifelhaft wirkte.

„Er hat eine Weltklasseleistung gezeigt"

Petzschner hatte sich am Samstag immer besser auf den 32 Jahre alten Lokalmatador aus Zagreb eingestellt. „Ich konnte plötzlich seinen Aufschlag lesen, das ist seit zehn Jahren nicht passiert“, meinte der 26-Jährige. Er schaffte auch im Einzel mit einem Break einen optimalen Start gegen Karlovic, dem er bisher zweimal unterlag. Die einstige Nummer 14 der Welt belegt aber nur noch Platz 217. In dem Aufschlag-Festival überzeugte Petzschner auch spielerisch. Als er sich im Tiebreak mit dem 6:3 drei Satzbälle erkämpfte, setzte sich Karlovic irrtümlich schon auf die Bank. Zwar gab Petzschner nach dem 2:0 im dritten Satz seinen Aufschlag ab, behielt aber im entscheidenden Tiebreak die Nerven.

DTB-Teamchef Kühnen war schon nach dem Doppel voll des Lobes über Petzschner. „Er hat eine Weltklasseleistung gezeigt, darum ist er auch Wimbledonsieger geworden“, sagte Kühnen, der beim 1:4 vor neun Jahren an gleicher Stelle Assistent von Michael Stich war. Es bleibt die einzige Niederlage gegen die Kroaten bei nunmehr drei Siegen. Petzschner schwärmte nach der Partie vor den 2000 nicht immer fairen Fans in der halbvollen Halle: „Ich spiele lieber vor solchen Leuten, wo 800 gegen mich sind, als vor 27 in Freudenstadt.“

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