Schön, aber lebensgefährlich – die Wellen von Isla Cangrejo auf Ibiza. Foto: IMAGO/Depositphotos

Eine idyllische Touristendestination wird zum Ort des Schreckens. Auf Teneriffa fragt man sich, warum keiner mehr auf Warnungen hört.

Das Becken ist gesperrt. Ein Schild, provisorisch aufgehängt, flattert im Wind. Dort, wo sonst Kinder planschten und Urlauber nach dem Baden auf sonnenwarmen Fliesen dösten, herrscht nun Stille. Der Atlantik zeigt seine kühle Gleichgültigkeit – die Gischt schlägt gegen die Mauer, als sei nichts geschehen.

 

Doch die Menschen auf Teneriffa reden und sie reden mit Nachdruck über das Wellen-Drama mit vier Toten vom Wochenende. Die Inselverwaltung hat das Naturschwimmbecken an der Isla Cangrejo inzwischen gesperrt und mit Zäunen abgeriegelt. Schilder klären auf Spanisch, Englisch und Deutsch darüber auf, dass das Becken aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden darf.

Sturmgepeitschtes Meer in Mesa del Mar auf Teneriffa. Foto: Cedida/Europa Press/dpa

Wellen rissen Gäste am Ufer mit

Bei dem Zwischenfall am Sonntag wurden mehrere Menschen von einer Riesenwelle ins Meer gerissen. Vier Personen kamen ums Leben, weitere wurden verletzt. „Als die Wellen kamen, sind alle nur noch um ihr Leben gelaufen“, wird eine Urlauberin von der Rheinischen Post zitiert. Selbst Gäste am Ufer seien von Wassermassen erfasst worden, nachdem sie Absperrbänder ignoriert hatten.

Tödliche Riesenwellen vor Teneriffa

Besonders tragisch: Es ist bereits die zweite tödliche Serie innerhalb von nur einem Monat. Am 8. November hatten mehrere Riesenwellen auf Teneriffa zahlreiche Menschen ins Meer gespült - darunter aus Frankreich. Bei verschiedenen Zwischenfällen an den Küsten von Teneriffa kamen damals drei Menschen ums Leben. Insgesamt 15 wurden verletzt.

Der Naturpool von Isla Cangrejo auf Teneriffa. Foto: IMAGO/Depositphotos

Die Behörden zeigen sich zunehmend frustriert über das Verhalten vieler Besucher, da vor dem Unglück vor hohem Wellengang gewarnt wurde. Trotzdem würden sich immer wieder Menschen in Gefahr begeben. Auch würden Sperrungen beiseite geschoben und Rote Flagge ignoriert, schimpft der Bürgermeister gegenüber Medien.


Rettungsschwimmer auf Teneriffa kritisieren Selfie-Wahn

Die Rettungsschwimmer der Kanaren kritisieren, dass es vor allem Touristen seien, die die Gefahren des Atlantik insbesondere im Winter unterschätzten. Ein besonderes Problem stellt die Suche nach spektakulären Fotos für soziale Medien dar, die viele in gefährliche Situationen bringt.

Die Gewässer der Kanarischen Inseln gelten nach Winterstürmen als besonders gefährlich, denn auf viele hohe Wellen folgt eine Serie kleinerer. Diese trügerische Sicherheit missverstehen dann einige Besucher. Doch meist folgen wieder höhere Wellen und drohen, Menschen ins Meer zu reißen.

Die Sperrung des Naturpools von Los Gigantes ist ein verzweifelter Versuch, weitere Tragödien zu verhindern.