Schlecht gesicherte Fenster und Türen sind Angriffspunkte für Eindringlinge. Foto: Pixabay

Im vergangenen Jahr wurde bei der Anzahl der Einbruchsdelikte ein Tiefstwert erreicht, ein wichtiger Grund: die Pandemie. Doch in diesem Jahr hat sich einiges geändert, viele Menschen sind sicherlich häufiger außer Haus gewesen. Wirkt sich das auch auf die Einbruchszahlen aus?

Esslingen - Es ist Herbst und damit beginnt fast naturgemäß die Hochsaison der Einbrecher. Im Schutz der Dunkelheit schleichen sie sich an Firmengebäude, Gartenlauben oder Wohnhäuser heran, hebeln Türen und Fenster auf, durchwühlen Schränke, Kommoden, Schubladen, suchen nach Wertgegenständen und flüchten genauso schnell, wie sie eingedrungen sind – häufig mit wertvoller Beute. Im vergangenen Jahr lag die Anzahl der Einbrüche im Landkreis Esslingen auf einem Tiefstwert. „Die pandemiebedingt vermehrte Anwesenheit der Menschen in ihren Wohnhäusern hat sicherlich ihren Teil zu dieser positiven Entwicklung beigetragen“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, das für den Kreis Esslingen zuständig ist. Doch wie ist dieses Jahr die Tendenz?

 

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Neuer Tiefstwert bei den Einbrüchen

Ein Blick in die Polizeiberichte der vergangenen Wochen zeigt, dass derzeit einige Täter auf Beutezug sind. So verschaffte sich ein Unbekannter in der vergangenen Woche Zugang zu einem Wohnhaus in Filderstadt und richtete einen Schaden von etwa 1000 Euro an. Dabei ist noch nicht klar, wie hoch der Wert des Diebesguts ist. Auf dem Esslinger Zollberg hebelte ein Einbrecher das Küchenfenster eines Einfamilienhaus auf, durchsuchte die Zimmer des Gebäudes und stahl mehrere hundert Euro Bargeld. Wie rücksichtslos die Täter sind, zeigt auch ein Fall aus Nürtingen. Dort hatte ein Mann eine dunkel gekleidete Gestalt mutmaßlich auf frischer Tat ertappt, wie sie sich an einem Wohnhaus zu schaffen machte. Der Unbekannte warf einen harten Gegenstand nach ihm und flüchtete. „Der Kreis Esslingen hat derzeit im Vergleich zu den anderen drei Landkreisen unseres Zuständigkeitsgebietes mit Abstand das höchste Fallaufkommen“, sagt Andrea Kopp, Sprecherin des Reutlinger Präsidiums. Neben den Kreisen Reutlingen und Esslingen, ist es auch für Tübingen und den Zollernalbkreis zuständig. Ob die Zahl der Delikte 2021 im Vergleich zum Vorjahr wieder angestiegen ist, könne bisher noch nicht gesagt werden. Aufschluss darüber gibt die Kriminalstatistik, die 2022 veröffentlicht wird.

Wird der Abwärtstrend fortgesetzt?

Eine Tendenz kann die Polizei jedoch schon geben. So sei für das laufende Jahr bis zum 31. Oktober ein deutlicher Rückgang der Einbrüche erkennbar. Damit würde auch 2021 dem Trend der vergangenen Jahre folgen. 2016 verzeichneten das Polizeipräsidium noch 449 Fälle im Landkreis Esslingen, während es 2018 mit 351 schon knapp hundert Vergehen weniger waren. Der Tiefstwert der vergangenen Jahre war 2020: nur 265 Einbrüche registrierte die Polizei im Kreis, also kam ein Fall auf etwa 2000 Einwohner. Zum Vergleich: Im gesamten Präsidium registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 456 Fälle. Somit wurde allein im Kreis Esslingen häufiger eingebrochen als in den Kreisen Reutlingen, Tübingen und dem Zollernalbkreis zusammen.

Polizei setzt auf Prävention

Damit die Zahlen weiter sinken, setzt die Landespolizei auf „lage- und brennpunktorientierte“ Maßnahmen, wie es in einer Mitteilung des Präsidiums Reutlingen heißt. Die Beamten fahren dort, wo häufig eingebrochen wurde, öfter Streife, setzen Zivilbeamte ein und kontrollieren stärker. Sie erhoffen sich dadurch, Täter abzuschrecken und Hinweise auf zurückliegende Taten zu gewinnen. Die Statistik hilft der Polizei, das Kriminalitätsgeschehen zu analysieren und bei der strategischen Ausrichtung, erklärt Kopp. „Aber wir sind für die Bürger da, nicht für die Statistik“, stellt sie klar. Deshalb schauen die Beamten täglich, wie sich die Lage entwickelt. „Für diejenigen, bei denen eingebrochen wird, ist ein Vergleich mit dem Vorjahr schließlich kein Trost.“