Tempo 40 soll Schleichwege in Stuttgart-Ost für Durchgangsverkehr unattraktiv machen.

Stuttgart - Verkehrslärm nervt, vor allem Anwohner an Hauptstraßen. Im Stuttgarter Osten könnten ruhigere Zeiten anbrechen durch Tempodrosselung und Durchfahrtsverbot, so das Ergebnis eines Lärmminderungskonzepts. Die Maßnahmen würden den Durchgangsverkehr reduzieren.

"Die Lebensqualität leidet, viele Bürger wünschen Verbesserungen", beschrieb Bezirksvorsteher Martin Körner (SPD) den Ist-Zustand in Sachen Verkehrslärm im Stuttgarter Osten. Ursächlich sind Blechlawinen, die sich täglich auf den Hauptverkehrsachsen durch den Stadtbezirk wälzen. Bis zu 40.000 Fahrzeuge werden in 24 Stunden auf der Ost-West-Route über die Tal-/Wagenburgstraße gezählt. 16.000 Autos nutzen die Nord-Süd-Verbindung von den Fildern über die Pischek-Straße. Und in der Einkaufsmeile Gablenberger Hauptstraße müssen Passanten auf schmalen Gehwegen gegen Verkehrslärm anbrüllen. "Es besteht erheblicher Handlungsbedarf", so Körner.

Aufgrund der innerstädtischen Lage hat der Durchgangsverkehr erheblichen Anteil am Problem. Ihn auf Wege ohne Wohnbebauung lenken soll ein Konzept zur Verkehrsberuhigungs- und Lärmminderung, das Umwelt- und Stadtplanungsamt im vergangenen Jahr beim Filderstädter Ingenieurbüro Praxl und Partner in Auftrag gegeben hatten. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch dem Bezirksbeirat vorgestellt.

Täglich 7000 Fahrzeuge weniger

"In belasteten Straßen gibt es ein erhebliches Verkehrsminderungspotenzial", so der Ingenieur Steffen Eckert, der mehrere Optionen untersuchte. Wirkungsvollste Maßnahme wäre eine Temporeduzierung von 50 auf 40 km/h auf allen Vorbehaltsstraßen. "Geringere Geschwindigkeit macht Durchgangsachsen unattraktiver", sagt Eckert. Statt durch den Bezirk zu zuckeln, würden auswärtige Autofahrer etwa aus dem Neckartal auf der B10/B14 bleiben und auf diesem Weg in die Innenstadt fahren.

Allein auf der Talstraße würde sich der Verkehr so täglich um 7000 Fahrzeuge reduzieren, ergab die Simulation. Positiv wirkt auch ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen. Lediglich auf der Tal-/Wagenburgstraße wären tagsüber durchfahrende Brummis geduldet. "Der Freiraum durch weniger Lastwagen würde sofort von Autos aufgefüllt", erklärt Eckert die Ausnahme. Insgesamt jedoch würde der Verkehr auf allen Hauptstraßen abnehmen - und damit auch der Lärm um bis zu drei Dezibel, wie Vertreter des Umweltamts betonten. Die positiven Effekte stellen sich allerdings nicht automatisch ein, betonte der Experte. So müssten Tempokontrollen intensiviert und breite Straßen baulich entschleunigt werden.

In den nächsten Monaten will der Bezirksbeirat das Konzept diskutieren. Eine Entscheidung soll im Frühjahr fallen. Bis dahin soll dem Gemeinderat ein weiteres Verkehrsgutachten vorliegen, das auf Anregung der Grünen die Wirkung von Tempo 40 auf die Luftqualität in Stuttgart beleuchtet. Schadstoff-Effekte waren von Eckert nicht untersucht worden. "Der Osten könnte Pilotbezirk für die Gesamtstadt werden", deutet Körner eine Vorreiterrolle bei Tempo 40 an.

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