Tempo-30-Zonen in Städten Tempo 30 kann die Luft schmutzig machen

Von Walther Rosenberger 

Ein Tempo-30-Schild: Experten befürchten negative Umweltwirkung bei einer großflächigen Einführung in Innenstädte Foto: dpa
Ein Tempo-30-Schild: Experten befürchten negative Umweltwirkung bei einer großflächigen Einführung in Innenstädte Foto: dpa

Diskutieren Sie mit! Bund und Land wollen Tempo-30-Zonen in Städten ausweiten. Das ist zwar im Sinne der Verkehrssicherheit - auf die Luftqualität könnte sich das aber sogar nachteilig auswirken.

Stuttgart/Karlsruhe - Experten haben auf mögliche negative Umweltwirkungen einer breiteren Einführung von Tempo-30-Zonen in Städten hingewiesen. Mit Blick auf Kraftstoffverbräuche und den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bringe „es nichts, das Tempo von 50 Kilometern pro Stunde auf 30 oder 40 zu reduzieren“, sagte Thomas Koch, Institutsleiter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), unserer Zeitung. Das Gegenteil sei der Fall. Die Verbräuche und Emissionen stiegen dadurch an. Ähnlich verhalte es sich bei Luftschadstoffen wie Stickoxiden, die besonders von Dieselmotoren ausgestoßen werden. Auch hier gelte, dass sehr niedrige Geschwindigkeiten innerorts mit einer höheren Schadstoffbelastung einhergingen, sagte Koch.

In Fachkreisen ist dieser Zusammenhang schon länger bekannt. Im Herbst 2012 hatte eine Studie im Auftrag der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) zum selben Thema für Aufsehen gesorgt. Die Berechnungen zeigen „einen eindeutigen Trend zu steigenden Emissionen bei geringeren Geschwindigkeiten“, heißt es in der Studie.

Dobrindt will Kommunen mehr Möglichkeiten für Tempo-30-Zonen einräumen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant, den Ländern und Kommunen mehr Möglichkeiten zur Ausweisung von Tempo-30-Zonen innerorts einzuräumen. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte die Pläne vergangene Woche begrüßt. Während die Vorteile von Tempo 30 für „Sicherheit, Lärm und Attraktivität des Fuß- und Radverkehrs eindeutig sind“, seien mögliche Wirkungen auf die Luftschadstoffemissionen vom Einzelfall abhängig, hieß es aus seinem Haus.

Bei dem aktuellen Vorstoß geht es vor allem um Hauptverkehrsstrecken, an denen Schulen, Kindergärten oder Altenheime liegen. Sie sollen sicherer werden. Dafür soll das Tempo sinken. Verkehrsclubs wie der ADAC stützen die Dobrindt-Vorschläge.

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