Mit Vorträgen und Workshops macht der Arbeitskreis Pflege in Ostfildern Menschen fit für den Umgang mit E-Rezepten und elektronischer Patientenakte. Auch der Ausbau der Telematik-Infrastruktur ist ein Ziel.
Gerade ältere Menschen tun sich oft schwer mit E-Rezepten und dem Vormarsch der Telematik im Gesundheitswesen. „Es ist uns ein Anliegen, dass Seniorinnen und Senioren da nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Barbara Mächtle-Braun. Die Leiterin der Tagespflege in Ostfildern will Abhilfe schaffen und die Menschen fit machen für den Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Im Nachbarschaftshaus im Scharnhauser Park informierten Expertinnen über den digitalen Wandel im Gesundheitswesen.
Der Arbeitskreis Pflege in Ostfildern hat das Telematik-Projekt angestoßen. In dem Verbund sind alle Einrichtungen vertreten, die sich um die Pflege kümmern. Dieses vorbildliche Netzwerk wurde vom Land Baden-Württemberg 2023 ausgezeichnet. Unter dem Slogan „Kooperation statt Konkurrenz“ hatte die Initiative Pflege in Ostfildern die Kampagne „Wir! Für eine zukunftsfähige Pflege in Ostfildern“ gestartet, die zeigen sollte, wie attraktiv Pflegeberufe sind. Das Sozialministerium hat das öffentlichkeitswirksame Projekt im Rahmen eines Ideenwettbewerbs mit dem maximalen Preisgeld von 80 000 Euro prämiert.
Das Projekt „Ostfildern gesund.digital.vernetzt“ bündelt nun die Aktivitäten im Bereich der Telematik. Und hier hat für Barbara Mächtle-Braun die Vermittlung hohe Priorität. Mit einer Reihe von Workshops werden Menschen aus Ostfildern fit gemacht, um das E-Rezept und die digitale Patientenakte möglichst gut zu nutzen. Weil das Thema viele Menschen beschäftigt, war der Informationsnachmittag gut besucht. Er ist ein Baustein der Telematik-Kampagne, die das Netzwerk angestoßen hat.
In Sorge wegen elektronischer Krankenakte
Lena Burg von der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg und Caroline Ziemert vom Landeskompetenzzentrum Pflege und Digitalisierung führten die Besucherinnen und Besucher in die Digitalisierung des Gesundheitswesens ein. Gerade beim E-Rezept haben viele ältere Menschen Probleme. Und auch die Einführung der elektronischen Patientenakte, die im Januar an den Start geht, bereitet vielen Sorge. Schwellenängste abzubauen, ist das Ziel der Telematik-Kampagne der Initiative Pflege. Klar und verständlich informierten die Expertinnen über die neuen technischen Möglichkeiten. „Das E-Rezept und die elektronische Krankenakte bringen viele Vorteile“, ist Lena Burg überzeugt. Allerdings tut aus ihrer Sicht umfassende Aufklärung not. Da nicht alle älteren Menschen Familie oder Freunde hätten, die ihnen beim Umgang mit digitalen Medien helfen, will Barbara Mächtle-Braun Hilfsangebote schaffen.
Mit ihrem neuen Projekt erreicht der Arbeitskreis Pflege viele Menschen. Vanessa Heck, die das Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiterin betreut, findet es besonders wichtig, die Nutzer aufzuklären. Ziel ist es aus ihrer Sicht aber auch, Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Kontakt zu bringen, um die neuen Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen. Den Ausbau der Telematik-Infrastruktur in Ostfildern möchte die Initiative mit neuen Ideen weiter vorantreiben.
Niederschwellige Information
Um die Nutzerinnen und Nutzer niederschwellig zu informieren, sind ab September Workshops mit dem Gesundheitsbotschafter Egon Mayer geplant. Er vermittelt interessierten Männern und Frauen, wie sie mit E-Rezept und elektronischer Patientenakte möglichst sicher umgehen. Ihm gehe es darum, Barrieren abzubauen. Die beobachtet Mayer gerade bei älteren Menschen. Bei dieser Vermittlung spielten die Ärzte eine wichtige Rolle. Deshalb hofft er, dass sich bei seinen Workshops möglichst viele Akteurinnen und Akteure vernetzen, um den digitalen Wandel auf lokaler Ebene zu gestalten.