Vor allem Senioren werden zum Ziel von Telefonbetrügern. Foto: dpa/Arno Burgi

Tut die Polizei genügend gegen Enkeltrick-Betrüger? Die FDP-Abgeordnete Julia Goll hat einen Bericht unserer Zeitung zum Anlass für einen Antrag im Landtag genommen.

Betrüger rufen einen Senioren im Rems-Murr-Kreis an. Dieser erkennt die kriminelle Masche und tut, was er in etlichen Pressemeldungen und durch diverse Tipps der Polizei gelernt hat: Er ruft die echte Polizei an. Erst unter der Notrufnummer und dann, als er dort weiterverwiesen wird, direkt auf dem örtlichen Revier. Vom dortigen Beamten wird er jedoch abgewiesen. Der Tenor: in solchen Fällen sei die Polizei machtlos, die Ermittler seien ohnehin überlastet. Man werde daher nichts unternehmen.

 

Auch wenn ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen die Reaktion des Beamten als falsch bezeichnet hat: Eine solche Reaktion auf einen gemeldeten Betrugsversuch ist wohl kein Einzelfall. Bereits im Sommer fühlte sich ein Mann aus Leonberg (Kreis Böblingen) von der Polizei ebenfalls nicht ernst genommen. Die Kripo, so sollen die Beamten dort damals gesagt haben, schalte man erst ein, wenn Schaden entstanden sei.

Mitte Dezember hatten wir über diese Fälle berichtet. Der Artikel ist bei der Waiblinger Landtagsabgeordneten Julia Goll (FDP) und einigen ihrer Fraktionskollegen auf Interesse gestoßen. Sie haben nun einen Antrag eingereicht, nach dem die baden-württembergische Landesregierung zu derartigen Fällen Bericht erstatten soll. „Die Polizei leitete in mehreren Fällen von versuchtem Telefon-Betrug zum Nachteil von Senioren kein Ermittlungsverfahren ein, und begründete dies mit zumindest fragwürdigen Argumenten“, heißt es in dem Antrag, mit Bezug auf unseren Zeitungsbericht.

Konkret wollen die Liberalen unter anderem wissen, wie oft es in den vergangenen fünf Jahren vorgekommen sei, dass die Polizei im Land keine Ermittlungen angestellt hat, wenn ihr Fälle gemeldet wurden, in denen Täter versuchten, ihre Opfer per Anruf oder WhatsApp mit Schocknachrichten, dem Enkeltrick oder mit der Masche „Falscher Polizist“ um ihr Erspartes zu bringen.

Welche Konsequenzen werden nun gezogen?

Die Abgeordneten fragen in ihrem Antrag zudem, ob und welche Konsequenzen ein Beamter zu befürchten hat, wenn er entsprechenden Hinweisen nicht nachgeht. Außerdem soll die Regierung berichten, „wie sie es sich erklärt, dass bei einigen Polizeibeamten offenbar Unkenntnis darüber herrscht, dass auch bei versuchten Straftaten Ermittlungsverfahren einzuleiten sind, sofern der jeweilige Versuch strafbar ist“. Offenbar sei auch der Personalmangel bei der Polizei ein Grund für die entsprechende Reaktion der Polizisten gewesen. Die Abgeordneten wollen in ihrem Antrag daher auch – wohl rhetorisch – wissen, welche Schlüsse die Regierung daraus ziehe.

Weitere Fragen des Antrags zielen darauf ab, an welche Stellen sich Betroffene nach Betrugsversuchen am besten wenden sollten, und inwiefern die Ermittlungsbehörden beim Kampf gegen Telefonbetrüger auch mit der Bundesnetzagentur zusammenarbeiten, um Rufnummern zu überprüfen.

Der Leser, der uns sein Erlebnis damals geschildert hatte, hofft vor diesem Hintergrund nun, dass die Schuld an der Tatenlosigkeit nun nicht einfach „an die unteren Ebenen weitergeschoben wird“. Er hofft statt dessen auf verbesserte Strategien der Polizei und ihrer Führung, um auch die Hintermänner der Telefonbetrügereien ausfindig machen zu können. Immerhin: In den vergangenen Wochen gab es deutschlandweit immer wieder Festnahmen von mutmaßlichen Bandenmitgliedern, die versucht haben, Senioren zu betrügen.