Viele Sparer horten Geld auf Konten, wo es so gut wie nicht verzinst wird Foto: 62050711

Viele Leser wollen ihr Erspartes nicht länger unverzinst auf dem Konto lassen. Besser in Immobilien oder doch mal in Aktien investieren, ist häufig die Frage. Bei unserer Telefonaktion gaben die Experten vom Bundesverband der privaten Banken Orientierung.

- Es heißt, dass Sparer zu vorsichtig sind. Ich habe 120 000 Euro auf dem Tagesgeldkonto und kaum Erfahrung mit Aktien. Was muss ich beim Aktienkauf beachten?
Wenn Sie wenig Erfahrung haben, sollten Sie nicht alles auf einmal investieren, sondern Schritt für Schritt. Sinnvoll wäre ein Aktienfonds-Sparplan, der in Standardwerte etwa aus dem Dax, Euro Stoxx oder Dow Jones anlegt. So kaufen Sie bei niedrigen Kursen mehr Stücke als bei hohen Kursen und steigen im Schnitt auch nicht zu teuer ein.
Ich habe ein ganz gutes Angebot für Tagesgeld von einer ausländischen Bank. Ist das sicher?
Pauschalieren kann man das nicht. Erkundigen Sie sich, ob die Bank der deutschen Einlagensicherung angehört. Europaweit gilt zwar die Haftungssumme von 100 000 Euro. Die Frage ist, wie schnell Sie bei einer ausländischen Bank, sollte diese in Not geraten, wieder an Ihr Geld kommen. Sie müssen wissen, ob sich der Stress lohnt wegen vielleicht 0,5 Prozent mehr Zinsen. Eine höhere Verzinsung erreichen Sie auch, wenn Sie Ihr Vermögen breiter streuen.
Ich möchte einen größeren Betrag in Aktien investieren, weiß aber nicht, wann es günstig wäre.
Sie sollten bei Aktien oder Aktienfonds antizyklisch handeln: Wenn der Aktienmarkt abstürzt, ist das ein guter Kaufzeitpunkt für große Standardwerte. Halten Sie es wie an der Tankstelle: Sie machen den Tank doch nicht voll, wenn es teuer ist und Sie wissen, dass der Preis am nächsten Tag runtergeht. Dieses Verhalten sollten Sie auf Aktien übertragen. Wenn der Kurs sich verbilligt, sollten Sie nicht die Nerven verlieren, sondern nachkaufen. Besser fahren Sie, wenn Sie Ihren Betrag splitten und drei-, viermal im Jahr kaufen.
Ich besitze mehrere Wohnungen, die ich vermietet habe. Das ist sehr anstrengend für mich. Außerdem habe ich einen größeren Betrag auf der Bank rumliegen. Soll ich noch eine Immobilie kaufen?
Zu einer weiteren Immobilie ist nicht zu raten. Lassen Sie sich doch von Ihrer Bank ein Angebot für eine konservative Vermögensverwaltung geben, deren Aktienanteil bei maximal 30 Prozent liegt. Fragen Sie nach den Kosten und der Ausrichtung der Vermögensverwaltung, und vergleichen Sie Angebote von wenigstens zwei Banken.
Ich habe vor 18 Jahren eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen. Soll ich mich davon trennen?
Sie haben noch einen hohen Garantiezins von vier Prozent. Den bekommen Sie sonst nirgends mehr. Und der Zins gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Daher würde ich die Versicherung weiterführen.
Ich habe meine Aktien verkauft und gute Gewinne gemacht. Jetzt liegt das Geld fast ohne Verzinsung auf der Bank. Was soll ich tun?
Sie haben es richtig gemacht. Man sollte Gewinne mitnehmen und Aktien auch mal wieder verkaufen. Überstürzen Sie jetzt nichts. Wenn die nächste Panik an den Märkten herrscht, ist ein günstiger Zeitpunkt, wieder in Aktien einzusteigen.
- Ich habe 200 000 Euro geerbt, die ich auf absehbare Zeit nicht benötige. Weitere 100 000 Euro liegen auf Tagesgeldkonten. Außerdem besitze ich eine schuldenfreie Immobilie. Wie lege ich das Geld aus der Erbschaft am besten an, aber bitte ohne Risiko?
Für sichere Anlagen erhalten Sie derzeit kaum noch eine Verzinsung. Ganz ohne Risiko ist eine vernünftige Rendite also nicht zu erzielen. Möglicherweise wären Garantiefonds oder eine fondsgebundene Lebensversicherung mit Kapitalgarantie eine Lösung für Sie. Höhere Renditen als bei verzinslichen Anlagen sind auch mit Mischfonds möglich, jedoch müssten Sie dabei Wertschwankungen akzeptieren. Ein kleiner Aktienanteil wäre schon sinnvoll, um langfristig Renditechancen zu nutzen.
Ich bin schon alt und habe 70 000 Euro Tagesgeld. Das Geld muss verfügbar bleiben, bringt aber kaum noch Zinsen. Was soll ich machen?
Wenn das Geld verfügbar bleiben soll, gibt es praktisch keine sinnvolle Alternative zu Tagesgeld. Der niedrige Zins ist die Kehrseite für hohe Sicherheit.
Welchen Anlagehorizont muss man haben, damit sich eine Aktienanlage lohnt?
Mindestens fünf bis zehn Jahre sollten es schon sein, besser noch länger. Die Erfahrung zeigt, dass die Kursrisiken eines breit gestreuten Aktiendepots mit ­zunehmendem Anlagezeitraum geringer werden.
Ich bin 52 Jahre alt, wohne in einer eigenen, abbezahlten Eigentumswohnung und habe noch 50 000 Euro flüssig. Soll ich das Geld lieber sicher in Gold anlegen?
Wenn das Ihre einzigen Ersparnisse sind, würde ich davon absehen. Sie benötigen eine sichere verfügbare Liquidität für die Wechselfälle des Lebens, für Reparaturen und Ähnliches. Dafür ist Kontensparen besser geeignet als Gold. Edelmetalle sind nicht wertstabil und schwanken stark.
Welche Sparpläne lohnen sich? Wir möchten für unsere kleinen Enkelkinder regelmäßig etwas auf die hohe Kante legen.
Für längere Zeiträume haben sich Aktienfonds-Sparpläne als besonders renditeträchtig erwiesen. Zudem sind sie sehr flexibel, denn bei Fondssparplänen muss keine feste Laufzeit vereinbart werden, die Sparrate kann nach Bedarf verändert werden, und das Kapital bleibt stets verfügbar. Das lohnt auch mit 50 Euro im Monat.
Lieber Aktiensparplan oder Bausparvertrag, was lohnt sich langfristig eher für unsere beiden Kinder?
Mit Aktienfondssparplänen sind langfristig Renditen von im Durchschnitt etwa sechs bis acht Prozent jährlich möglich. Sie eignen sich gut für einen langfristigen Vermögensaufbau. Ein Bausparvertrag für Kinder lohnt sich nur, wenn man ihn später für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet.
Ist Gold in diesen unruhigen Zeiten eine sinnvolle Geldanlage?
Gold ist eine Art Sachwährung, die zwar immer Bestand hatte in der Geschichte, da die Goldmenge im Gegensatz zur Papiergeldmenge nicht beliebig vermehrbar ist. Doch der Goldpreis schwankt stark. Gold ist auch keine klassische Geldanlage, da es keine Zinsen bringt. Gold wird daher in der Regel als Beimischung zu größeren Vermögen mit etwa fünf bis zehn Prozent empfohlen.
Sind Aktien nicht bereits zu teuer, um jetzt noch einzusteigen?
Niemand kann die künftige Entwicklung vorhersehen. Doch Kursrückschläge, wie wir sie in diesem Sommer erlebten, haben sich in der Vergangenheit oft als günstige Einstiegsmöglichkeit erwiesen. Gemessen an den Unternehmensgewinnen sind viele Standardaktien nicht überteuert. Beispielsweise beträgt das Kursgewinnverhältnis im Dax derzeit etwa 13, das liegt unter dem langfristigen Durchschnitt.
Vor einem halben Jahr haben wir Aktienfonds gekauft, mit internationalem Schwerpunkt. Nun sind wir im Minus. Was sollen wir tun?
In der Annahme, dass Sie die Fondsanteile damals als langfristige Investition erworben haben, würde ich empfehlen, die Ruhe zu bewahren, die Fonds zu halten und abzuwarten. Langfristig bieten gute Aktienfonds gute Renditemöglichkeiten. Kurzfristig müssen Sie aber immer wieder mit Rückschlägen rechnen wie in diesem Jahr.
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