Timo Schuldt, gebürtiger Esslinger (links), begrüßt mittlerweile Promis wie Marco Reus in seinem Tattoostudio in Los Angeles. Foto: Roberto Bulgrin/Lakimii Los Angeles

Timo Schuldt ist aus Esslingen ausgewandert und tätowiert jetzt Stars in den USA. Mitunter lassen sich die Promis dafür unter Vollnarkose setzen. Diese Stars waren schon bei ihm.

Es mag in den meisten Ohren etwas verrückt klingen: Menschen lassen sich unter Narkose setzen und großformatig tätowieren. In seiner Heimatstadt Esslingen, da ist sich Timo Schuldt sicher, wäre das undenkbar.

 

Doch in den USA macht der Auswanderer mit dieser Idee gute Geschäfte. In seinem Tattoo-Studio in L.A. gehen Promis ein und aus. Und einige von ihnen haben schon zwischen 35.000 und 65.000 US-Dollar ausgegeben, um vom Tätowieren nichts mitzukriegen.

Alles begann mit einer Anfrage von Dennis Schröder

Als Basketballstar Dennis Schröder im Sommer 2023 aus der Narkose erwachte, hatte er ein sogenanntes „full back piece“, wie Schuldts Tattoostudio auf Instagram erläuterte – also ein Tattoo über den ganzen Rücken. In einem Kurzvideo sind unter anderem Ornamente, eine Faust und Yin-und-Yang-Zeichen zu erkennen.

Mit Schröders Anfrage hat laut Schuldt alles begonnen. Damals bot das Studio Lakimii Tattoo in Los Angeles noch keine sogenannten „anesthesia tattoo sessions“ an – also Sitzungen unter Vollnarkose. „Wir wollten das unbedingt machen“, erinnert sich Schuldt beim Gespräch an einem Februarvormittag in einem Esslinger Café. Also habe er zugesagt.

Auch Marco Reus und Brooklyn Beckham waren schon zu Gast

Auch Brooklyn Beckham hat sich bei Lakimii in Los Angeles ein Tattoo stechen lassen – allerdings ohne Narkose. Foto: Lakimii Los Angeles

Schuldt informierte sich: In den USA habe es nur drei Shops gegeben, die das anboten, sagt er. Daraufhin gründete der heute 33 Jahre alte Esslinger als weiteres Standbein die „Painless“-Sparte von Lakimii – englisch für „schmerzlos“. Seither gibt es ein bis zwei Mal im Monat Sitzungen in einem ambulanten Operationszentrum – begleitet von einem Narkosearzt und Krankenpflegerinnen und -pflegern. Drei bis sechs Tätowiererinnen und Tätowierer seien je nach Größe des Tattoos ein bis zwei Tage beschäftigt.

Für Schuldt die richtige Entscheidung. Allgemein laufe es in der Tattoo-Szene in Los Angeles mäßig, weil die Konkurrenz groß sei. Da müsse man irgendwie herausstechen. Neben dem deutschen Basketball-Export Schröder hatte Schuldt weitere Promis zu Gast: den deutschen Fußballprofi Marco Reus etwa oder Brooklyn Beckham, Sohn von Victoria und David Beckham. Diese beiden ließen sich aber kleinere Tattoos ohne Vollnarkose stechen. Die Marke Lakimii sei wegen ihrer guten Qualität ein Begriff, so Schuldt.

Lakimii Los Angeles: Drei bis sechs Tätowierer für ein Painless-Tattoo

Painless Tattoo: Neben den Tätowierern sind ein Narkosearzt und Krankenpfleger bei der Sitzung dabei. Foto: Lakimii Los Angeles

Wie ist es, mit berühmten Kundinnen und Kunden im Tattoo-Studio zu arbeiten? „Am Anfang fand ich es schon extrem cool, Prominente im Shop zu haben“, erinnert sich der 33-Jährige. Er habe dann schnell festgestellt, dass auch sie normale Menschen seien – mit ähnlichem Schmerzempfinden als weniger bekannte Kunden. Einen Unterschied macht er dann aber doch: Man müsse Geduld aufbringen, was Verlässlichkeit und Spontanität angehe. Denn oft würden vereinbarte Termine einfach nicht wahrgenommen – oder auf der anderen Seite sehr spontan anberaumt, wenn die prominente Kundschaft die Lust auf ein neues Tattoo überkommt.

Tatöwieren unter Vollnarkose – es gibt auch Kritik

„Bislang gab es keine Probleme“, sagt Schuldt angesprochen auf mögliche gesundheitliche Risiken einer Narkose. Seinem Geschäft und den Kunden schlägt jedoch auch Kritik entgegen. Neben Warnungen vor möglichen gesundheitlichen Risiken der Narkose geht es laut Schuldt oft auch um die Einstellung zum Tätowieren. „Manche sagen, der Schmerz gehört einfach dazu“, sagt er.

Für seine Painless-Tattoo-Kunden spielt allerdings oft Zeit eine Rolle: Während der laufenden Saison könnten sich Profisportler keine Tattoos stechen lassen, weil die Heilung erfordere, dass eine gewisse Zeit nicht trainiert wird. „Für großformatige Tattoos, wie das von Dennis Schröder, bräuchte es normalerweise fünf bis sechs Sitzungen über einen längeren Zeitraum“, erklärt Schuldt. Dafür und für die Heilung reiche die Pause zwischen den Saisons aber nicht.

Luxus-Tattoos: „Das könnte nicht funktionieren in Deutschland“

Dazu kommt nach Einschätzung des 33-Jährigen: In den USA wird Luxus weniger kritisch betrachtet als beispielsweise in Deutschland – und Painless-Tattoos sind Luxusartikel. Zudem gibt es hierzulande diese Form des Tätowierens bislang noch nicht. Schuldt ist aber auch überzeugt: „Das könnte nicht funktionieren in Deutschland wegen der Mentalität.“

Timo Schuldt schätzt sein Leben in West Hollywood mit Frau und Sohn. In Deutschland ist die Familie nur noch selten, und wenn, dann aus familiären Gründen. Wieder ganz zurückzukommen, das könne er sich nicht vorstellen. Einmal wegen des konstant besseren Wetters. Und in den USA gebe es keine Neidgesellschaft. „In Los Angeles erlebe ich klar auch viel Oberflächlichkeit, aber auch Freundlichkeit und Anerkennung“, sagt er. Und Gründungen und die Geschäftstätigkeit an sich seien wegen geringerer bürokratischer Hürden einfacher.

Was er an Esslingen vermisse? Freunde, Familie und Leberkäswecken. Letztere auch in L.A. anzubieten, das könnte vielleicht seine nächste Geschäftsidee werden. Wichtig ist dem 33-Jährigen die Botschaft: „Es ist viel machbar, wenn man an sich glaubt.“

Timo Schuldt und Lakimii

Quereinsteiger
Nachdem er eigenen Aussagen nach seinen Traum von einer Fußballkarriere nach einem Unfall aufgegeben musste, war Timo Schuldt in seinem ersten Beruf Automobilkaufmann. 2019 heuerte er als Shopmanager und später Anteilseigner im Lakimii-Tattoo-Studio in Esslingen an. 2022 wanderte er auf Ermutigung seiner Frau nach Los Angeles aus, um dort eine Lakimii-Dependance zu gründen.

Franchise
Das Geschäft von Timo Schuldt in L.A. ist Teil des Lakimii-Franchises, das seinen Ursprung in einem 2013 gegründeten Tattoo-Studio in Stuttgart-Zuffenhausen hat und mittlerweile rund 20 Filialen in Deutschland, Schweiz, Italien sowie L.A.. Gründer ist Martin Ljubic, der mittlerweile auch als Gastronom in der Region tätig ist. „Lakimii“ steht übrigens für „Lucky Me“.