Das Ausleihen von Autos für kurze oder längere Strecken findet bei Verbrauchern immer mehr Zuspruch. Im Bild ein Mietfahrzeug von Car2Go Foto: dpa/Jens Kalaene

Die Zahl verfügbarer Carsharing-Autos und ihrer Anbieter steigt ständig. Immer mehr Verbraucher nutzen das Angebot. Auf das eigene Auto verzichtet dabei aber nicht jeder. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

München - Bundesweit ist Carsharing in 740 deutschen Städten für über 41 Millionen Menschen verfügbar. Vor allem in Metropolen tummeln sich die größten der bundesweit über 180 Carsharing-Anbieter.

 

Wie viele Menschen nutzen Carsharing?

Anfang des Jahres waren knapp 2,5 Millionen Autofahrer bei allen Anbieternzusammen angemeldet. Das entspricht einem Wachstum von 17 Prozent binnen Jahresfrist, wobei Anbieter, die feste Stationen für ihre Fahrzeuge haben, mit 22 Prozent auf über 600 000 Kunden stärker wachsen als solche Anbieter, deren Fahrzeuge irgendwo im Stadtgebiet abgestellt werden können. Sogenannte Free-Floating-Angebote verzeichnen ein Wachstum von 15 Prozent auf 1,8 Millionen Kunden. Bei Letzteren dürfte die Zahl der Nutzer stark sinken. Denn allein Drive-Now (BMW) und Car2Go (Daimler) kamen zusammen auf 1,8 Million Kunden in Deutschland. Durch die Zusammenlegung beider Dienste zu Share-Now sinkt die Zahl um Doppelanmeldungen bereinigt auf gut eine Million gemeinsamer Kunden.

Welche Anbieter gibt es überhaupt?

Anfang 2019 waren es bundesweit 181, von denen die meisten nur regional operieren. Zahlenmäßig die meisten betreiben stationäres Carsharing und nur eine Handvoll bieten Free-Floating. Mit Car2Go und Drive-Now finden sich bei Letzterem aber die mit Abstand größten Anbieter. In Stuttgart ist nur Car2Go aktiv sowie Stadtmobil, Flinkster und als Vermittler privater Fahrzeuge Getaround sowie SnappCar. Über die größten Flotten verfügen Car2Go und Stadtmobil mit jeweils rund 500 Fahrzeugen.

Ist Carsharing umweltfreundlich?

Carsharing-Flotten haben überdurchschnittlich viele Elektroautos gemessen am allgemeinen Fahrzeugbestand Deutschlands. Der Umweltnutzen hängt aber nicht allein an der Antriebsform. Wer stationäres Carsharing nutzt, verzichtet in der Regel auf ein eigenes Auto, Free-Floating-Nutzer tun das eher nicht, sagt der Bundesverband Carsharing (BCS) und verweist auf Studien.

Wie weit sind BMW und Daimler bei der Fusion ihrer Carsharing-Angebote?

Bislang haben nur alle Fahrzeuge optisch das Logo von Share-Now bekommen. Eine gemeinsame App gibt es gut acht Monate nach dem offiziellen Start von Share-Now immer noch nicht. Die beiden existierenden Apps wurden mittlerweile verlinkt, so dass man alle Autos per Handy orten kann. Anmelden und buchen muss man weiter getrennt entweder bei Drive-Now oder Car2Go. Auch die Tarife sind noch unterschiedlich. In diesem Jahr soll die gemeinsame App verfügbar sein, verspricht Share-Now. Bestandskunden der Vorgänger müssen sich voraussichtlich nicht neu anmelden.

Welche Formen von Carsharing gibt es?

Grob gesagt sind es zwei, das Autoteilen mit festen Stationen wie Stadtmobil oder Flinkster und das sogenannte Free-Floating wie bei Share-Now oder Sixt Share, wo Autos wieder irgendwo meist in den Grenzen eines Stadtgebiets geparkt werden können. Allen Anbietern gemein ist, dass man sich anmelden und vorzugsweise eine App auf das Smartphone lädt. Mit ihr oder einer Chipkarte kann man ein Auto in der Nähe finden, es reservieren und die Tür oder einen Schlüsseltresor öffnen. Gebucht werden kann bisweilen auch telefonisch oder per Internet. Bezahlt wird für die Nutzungszeit, gefahrene Strecke oder eine Kombination daraus. Benzin oder Strom sowie Basisversicherung sind inklusive. Bei Letzterer gibt es aber große Unterschiede. Je nach Anbieter kann ein Selbstbehalt bei Unfallschäden 1000 Euro oder mehr betragen. Es empfiehlt sich also ein genauer Blick in die Tarif- und Gebührenstruktur.

Kann man dennoch sagen, was Carsharing im Schnitt kostet?

Im Betrieb kommt Carsharing mit festen Stationen allgemein billiger als Free-Floating. Bei Letzterem kostet eine Stunde im Kleinwagen im Schnitt 17 bis 20 Euro, sagt der Bundesverband. Bei Anbietern mit festen Stationen sind es in der gleichen Fahrzeugklasse vier bis acht Euro. Beim Free-Floating schwanken die Preise je nach Auslastungsgrad allgemein stärker als im stationären Carsharing. Sonderangebote gibt es aktuell ab neun Cent die Minute (Sixt für einzelne Fahrzeugtypen). Preislich besser planbar sind allgemein Anbieter mit festen Stationen. Gebühren für die Anmeldung liegen in der Regel zwischen 10 und 30 Euro. Auch hier gibt es immer wieder Sonderangebote bis hin zum Erlass. Finanziell lukrativ im Vergleich zum eigenen Auto ist Carsharing bei einer jährlichen Fahrstrecke unter 10 000 Kilometer, sagt der BCS.

Wie passt Sixt in das Angebotsspektrum?

Der Autovermieter war früher Carsharing-Partner von BMW und ist seit März in Eigenregie aktiv. Sixt sticht insofern hervor, als die Grenzen dort zwischen Carsharing und Autovermietung mehr als bei anderen Anbietern verschwinden. Tagestarife gibt es zwar bei allen. Aber bei Sixt wird während der Fahrt automatisch ein Tagesdeckel aktiv, wenn ihn die minutenbasierte Abrechnung preislich übersteigt. Mietdauern von einer Minute bis 27 Tage sind möglich. Dazu passt, dass man Autos bundesweit in jeder Sixt-Station zurückgeben kann, was 15 Euro Aufpreis kostet. Als einziger Anbieter hat Sixt derzeit eine App für Carsharing, Automieten und Fahrtenvermittlung aus einer Hand. Allerdings gibt es Carsharing auf Free-Floating-Basis von Sixt erst in München, Berlin und Hamburg. In Bochum, Dresden, Duisburg, Leizig und Nürnberg arbeitet Sixt mit festen Stationen.