Internetstar Tedros „Teddy“ Teclebrhan über sein schwäbisches Wesen und Bundeskanzler Angelo Merte.
Stuttgart - Eine rasante Karriere hat der aus Eritrea stammende Tedros Teclebrhan, genannt Teddy, hingelegt. Mit seinem You-Tube-Video zum Integrationstest wurde er zum Internetstar und bekam eine eigene TV-Sendung. Ein Gespräch über Schwaben, die Jugend und Tabus.
Herr Teclebrhan, ich habe hier ein paar Fragen aus dem baden-württembergischen Integrationstest. Ganz einfach. Wie heißt der baden-württembergische Ministerpräsident?
Ich kann ihn beschreiben. Graue Haare, nach oben stehend. Sieht aus wie bei einer Echse. Er heißt wie dieser Handballspieler.
Geben Sie mir kurz zwei Minuten, dann sage ich es Ihnen. Ja, jetzt fällt es mir ein. Kretschmann heißt er.
Wissen Sie auch, wer die badenwürttembergische Integrationsministerin ist?
Keine Ahnung.
Bilkay Öney. Haben Sie irgendwelche Tipps, so als Betroffener, für die Dame?
Als Betroffener, das hört sich ja total schrecklich an. Ich bin nicht betroffen. Ich bin jemand, der aus Eritrea kommt und in Deutschland aufgewachsen ist. Ich hätte eher eine Anregung für das Kultusministerium. Wieso gibt es an Hauptschulen keine Theater-AGs? Ich finde das wichtig, gerade an den Hauptschulen. Ich war auf einer. Ich kenne Kollegen, die gern mal an Hauptschulen Schauspielunterricht geben würden. Ich würde das auch machen.
Würden Sie heute sagen: Meine Jugend war schwierig?
Nicht mehr als bei anderen. Natürlich war es manchmal nicht leicht. Das gehört halt dazu. Dass man irgendwelchen Typen begegnet, die einen nicht leiden können, weil man eine andere Hautfarbe hat, das passiert schon. Natürlich gibt es Rassismus. Aber ich hatte Glück. Ich konnte mit solchen Dingen gut umgehen.
Was ist typisch schwäbisch an Ihnen?
Ich liebe das schwäbische Naturell. Ich mag eine gewisse Ordnung und Struktur. Ich habe beide Seiten in mir, die chaotische und die ordentliche. Und was, glaube ich, auch sehr schwäbisch an mir ist, ist dieser Ehrgeiz, dass man sich nicht traut, sich auszuruhen.
Schaffa, schaffa, Häusle baua?
Ja, genau. Im Schwabenland guckt jeder auf den anderen. Was macht der Nachbar? Arbeitet der? Hat der ein neues Auto? Diese Blicke spüre ich immer noch im Nacken, auch wenn ich jetzt in Nordrhein-Westfalen lebe.
Da sind Sie ja jetzt wieder Migrant.
Stimmt, aber bis jetzt lebt es sich hier sehr gut, ich wurde freundlich aufgenommen. Die Rheinländer mögen die Schwaben und sind wie die Schwaben gastfreundlich.
Sie sind in diesem Jahr bei der Stallwächterparty in der baden-württembergischen Landesvertretung aufgetreten – macht einen das stolz, oder war das ein Auftritt wie jeder andere?
Ich konnte das gar nicht einordnen. Ich frage aber, bevor ich irgendwo auftrete, bewusst nicht, was das für eine Veranstaltung ist. Je mehr Informationen ich habe, desto nervöser werde ich. Schön fand ich, dass mich viele ältere Leute und Politiker erkannt und Sachen aus meinen Videos zitiert haben. Das hat mich richtig glücklich gemacht.
Bundeskanzler „Angelo Merte“, wie Sie ihn nennen, war auch da – haben Sie ihn getroffen?
Leider nicht. Ich habe ihn in meine Garderobe bestellen lassen, aber er kam nicht.