Bruno Weber mit einem klassischen Teddy und dem Schwarzwaldmädel, an dessen Entstehung er selber mitgewirkt hat. Foto: Ines Rudel

Bruno Weber aus Esslingen alias Bruno Bär versorgt seit 25 Jahren Menschen auf der ganzen Welt mit oft seltenen Stofftieren. Ein Besuch im Teddybären-Fachhandel.

Esslingen - Er hat sie alle. Neben Teddybären erstreckt sich das Sortiment auf Affen, Einhörner, Stinktiere oder auch Blaufußtölpel. Wer in Esslingen und Umgebung ein besonderes Plüschtier kaufen möchte, kommt an Bruno Weber alias Bruno Bär kaum vorbei. Auf rund 50 Quadratmetern verkauft der 55-Jährige in der Küferstraße Flauschiges zum Liebhaben und vor allem zum Sammeln. Inzwischen gibt es sein Geschäft, mit kurzzeitiger gesundheitlicher Unterbrechung, seit 25 Jahren.

Die Idee, einen Teddybärenladen zu eröffnen, kam ihm relativ spontan. Seine Anstellung im Vertrieb des Reinigungsgeräteherstellers Kärcher wollte er trotz guter Aussichten nicht behalten. „Ich wollte selbst etwas machen“, erinnert sich der selbst ernannte Teddybären-Fachberater. Es musste ein Thema her, das zur Selbstständigkeit taugte. Und es sollte etwas Ungewöhnliches sein, sagt Weber. Auf die Idee, einen Teddybärenladen zu eröffnen, ist er dann eher zufällig gestoßen. In einer Zeitung habe er von Teddybärenläden in England gelesen. In Deutschland kannte er vergleichbare Läden nicht. Weber flog auf die Insel und schaute sich das Geschäftsmodell näher an.

Idee aus England importiert

Die Kollegen, Freunde und Familie waren wenig begeistert, als Weber ihnen seine Pläne offenbarte. Bei der IHK habe er nicht einmal einen Termin bekommen, und der Einzelhandelsverband habe eineinhalb Stunden lang versucht, ihm seine Idee auszureden. Ein Darlehen, um das Geschäft mit Ware füllen zu können, bekam Weber nur über persönliche Beziehungen in seinem Heimatdorf Gosheim im Schwarzwald (Landkreis Tuttlingen). Kurzum, eigentlich hat niemand daran geglaubt, dass der Teddybärenladen Erfolg haben würde.

Weber selbst hat aber nicht an seiner Idee gezweifelt. „Ich habe in England gesehen, dass es funktioniert. Wenn ich es nicht probiert hätte, hätte ich mir ewig Vorwürfe gemacht“, sagt der Esslinger. Der Anfang sei allerdings schwer gewesen. Sein erstes Geschäft befand sich in einer Seitenstraße nahe der Pliensaustraße. In den ersten fünf Geschäftsjahren sei er regelmäßig im Minus gewesen. Im Jahr 1999 zog er ins Dick-Areal und vergrößerte seine Verkaufsfläche. Danach ging es bergauf. 2004 bezog Weber ein Geschäft im Oberen Metzgerbach, bevor er im vergangenen Jahr in die Küferstraße zog. Inzwischen hat er sein Darlehen zurückgezahlt und lebt von seinem Geschäft. Mehr Geld hätte er sicher als Angestellter verdient, sagt Weber rückblickend. Dabei hätte er sich aber nicht selbst verwirklichen können. „Es gibt nicht viel Schöneres, als Freude zu verkaufen“, findet Bruno Bär.

Newsletter zu Bären und exotischen Stofftieren

Im Sortiment findet sich neben den klassischen Bären allerlei weiteres Getier: Schlangen, Panther, Pandas, Schweinchen natürlich auch. Aber Weber kann auch mit wirklich Ungewöhnlichem dienen, beispielsweise einem Plüschstinktier oder einem Einstein-Teddy mit weißen Wuschelhaaren. „Ich habe nicht nur die gängigen Tiere“, sagt der Fachmann, der eigentlich gelernter Betriebswirt ist. Die meisten Stofftiere in seinem Geschäft sind von der Marke Steiff, Hermann aus Hirschaid, Hermann aus Coburg, Kösen oder Sigikid.

Seine Kunden sind vor allem Sammler. Viele sind Stammkunden, die Weber namentlich kennt. Über einen Newsletter hält er seine Kundschaft auf dem Laufenden. Bruno Bär hat eine Homepage, aber keinen Online-Shop. Bestellungen nimmt er per Mail oder telefonisch an. Die Kundschaft ist über den ganzen Globus verteilt. Ein Kunde lebe in Japan, wie Weber sagt. Andere nehmen weite Wege auf sich, um in das Geschäft nach Esslingen zu kommen. Einer von ihnen ist Wolfgang E. aus Leonberg. Er möchte eine kleine Maus, die einen noch kleineren Teddy im Arm hält, für seine Frau kaufen. Warum bestellt er nicht einfach im Internet? „Jede Maus hat ihr eigenes Gesicht. Sie muss dich anblicken und sagen ,nimm mich mit’“, erklärt der Kunde. Im Internet habe man keine Auswahl, müsse eben die Maus nehmen, die einem zugeschickt werde, sagt der Mann.

Anlaufstelle für Sammler

Die Sammlerobjekte werden immer nur in geringen Stückzahlen angefertigt. Es ist oft nicht einfach, sie überhaupt zu bekommen. Dank seiner Beziehungen zu den Herstellern und anderen Händlern kann Bruno Bär seinen Kunden aber oft Objekte verschaffen, die anderweitig nur schwer zu bekommen sind. Gerade seien Reimporte der Firma Steiff aus England eingetroffen, die eigentlich nicht in Deutschland zu kaufen seien, nennt er ein Beispiel.

Billig sind die Objekte nicht. Als Faustregel können zehn Euro pro Zentimeter Größe für Steiff-Sammelobjekte gerechnet werden. Für einen kleinen Teddybären kommen da schnell 200 Euro zusammen. Die limitierten Sammlerbären von Steiff haben übrigens eine weiße Fahne im Ohr und werden mit einem Zertifikat und, ganz wichtig, einer Seriennummer verkauft. Die nicht limitierten Steiff-Teddys sind an ihrer gelben Ohrfahne zu erkennen.

Einer der wertvollsten Teddybären sei der Rote Alfonzo, der 1908 von der Firma Steiff für die russische Prinzessin Xenia Georgievna hergestellt wurde, erklärt Weber. Dieser sei 1989 für 12 100 Britische Pfund versteigert worden und stehe heute in einem Museum. Günstiger ist da mit einem Preis von 199 Euro das Schwarzwaldmädel Bärbel.

„Ich schaffe es immer noch, die Bären zu verkaufen.“

Diesen Teddy hat Weber gemeinsam mit Steiff entworfen. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg sei er auf den Verkaufsleiter zugegangen und habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass der bereits im Sortiment vorhandene Schwarzwaldjunge doch ein Mädel brauche. Als gebürtiger Schwarzwälder hat sich der Kirschtorten-Fan Weber auf die Suche nach einem Outfit für den Teddy gemacht, der nun eine typische Schwarzwaldtracht mit Bollenhut trägt. 1500 Stück wurden 2012 produziert.

Selbst hat Bruno Weber übrigens nicht die Sammelleidenschaft gepackt. „Ich schaffe es immer noch, die Bären zu verkaufen“, sagt er. Andere Händler, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hätten, könnten schnell zu ihren eigenen besten Kunden werden. „Dieses Problem habe ich nicht“, sagt er, bevor wieder das Telefon klingelt. „Bruno Bär, hallo!“

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