Dackel sind der beste Freund des Jägers – davon sind Margit Teising, Wolfgang Smyrek, Julia Hägele, Christian Fingerle und Tina Palmowski vom Jagdteckel-Stammtisch überzeugt. Foto: Roberto Bulgrin

Dackel liebt jeder – davon sind die Mitglieder des Jagdteckel-Stammtisches überzeugt. Einmal im Monat treffen sie sich im Jägerhaus in Esslingen. Und haben dabei immer allerlei zu besprechen.

Der Mops wurde gemobbt. Sein Herrchen brachte ihn auf einen Hundeübungsplatz in Stuttgart – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als gerade eine reine Dackelgruppe am Trainieren war. Die Angestammten bemerkten sofort: Ein Mops ist kein Dackel. Daher blieb der Newcomer als Außenseiter zunächst außen vor, erinnert sich Margit Teising an ein Erlebnis vor vielen Jahren. Doch das Fremdeln währte nur kurz. Beim nächsten Treffen wurde der Neue in die Clique aufgenommen. Diese Episode ist für Margit Teising einmal mehr der Beweis dafür, dass Dackel ihren eigenen Kopf und das Herz am rechten Fleck haben. Darum sind Teising und andere Gleichgesinnte gerade auf diesen Hund gekommen. Einmal im Monat treffen sie sich im Jägerhaus in Esslingen zum Jagdteckel-Stammtisch.

 

Dabei geht es natürlich auch um Geselligkeit – aber nicht nur. Vor allem während der Coronazeit, berichtet der Stammtischgründer Christian Fingerle, waren der Austausch, das Fachsimpeln, das Netzwerken schwierig. Viele Neulinge, die den Jagdschein machen wollten, hätten nicht gewusst, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden sollten. Darum hat er den Stammtisch ins Leben gerufen. Die 43 Mitglieder kommen aus dem Kreis Esslingen, aber auch aus den Regionen Rems-Murr, Göppingen, Stuttgart, Ludwigsburg oder Neckar-Enz. Manche bringen ihre Hunde mit zu den Treffen, andere lassen sie zu Hause – das ist ganz unterschiedlich, sagt Mitglied Julia Hägele. Aber die Gruppe mit ihren Vierbeinern falle auf jeden Fall auf. Die anderen Gäste im Jägerhaus seien begeistert.

Opfer der Popularität

Denn, davon sind die Teckelfreunde überzeugt, Dackel sind Sympathieträger, jedermanns Lieblinge, die Popstars unter den Hunden. Jedes Kind kenne diese Rasse. Die Negativ-Schlagzeilen und Diskussionen über Qualzucht können sie nicht nachvollziehen. Mit Fragen nach Zuchtfehlern müsste man sich bei fast allen Hunderassen befassen, doch den Dackel habe man wegen seiner Popularität und Beliebtheit willkürlich ins Rampenlicht gezerrt, meint Wolfgang Smyrek, Mitglied des Stammtischs und Vorsitzender des Dachshundklubs Württemberg und Hohenzollern. Er verweist auf das mit 13 Jahren hohe Durchschnittsalter der Dackel, ihre Robustheit, ihre Belastbarkeit, ihre Freude auch bei der Jagd. Verbände und Behörden achteten bei der Zulassung zu Prüfungen oder Wettbewerben streng auf die Ahnenreihe der Tiere, um Inzucht und zu enge Verwandtschaften zu vermeiden.

„Natürlich gibt es auch schwarze Schafe“, räumt Smyrek ein. Der illegale Hundehandel und katastrophale Welpenhaltungen häufig im Ausland etwa seien eine große Gefahr für die Gesundheit auch der heimischen Tiere. Mehr Kontrollen und Sanktionen seien nötig. Doch keine seriösen Züchter wollten chronisch kranke Dackel. Sie orientierten sich vielmehr an den Zuchtbestimmungen und ursprungsorientierten Rassestandards der Verbände. Ständig werde eine Verbesserung der Gesundheit der Tiere angestrebt. So werde darüber diskutiert, ob Hunde künftig mit Blick auf Kalkablagerungen an den Wirbeln vor ihrem Einsatz in der Zucht geröntgt werden sollten, um so Schädigungen oder Anfälligkeiten etwa für Bandscheibenvorfälle bei den Nachkommen vorzubeugen.

Imageproblem der Jäger

Wiewohl die Dackelfreunde davon überzeugt sind, dass ihre Hunde beliebt sind, ist ihnen doch bewusst, dass Jäger nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen. Dabei, meinen sie, leisten sie einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz, zum Erhalt des Waldes, zur Gesundheit der Tiere. Gut ausgebildete Waidmänner und -frauen, sagt Tina Palmowski, würden Krankheiten von Wildtieren erkennen und könnten ihre Ausbreitung sowie ein Übergreifen auf Menschen, Nutz- und Haustiere eindämmen. Jäger verhinderten eine unkontrollierte Vermehrung bestimmter Tierarten. Rehe etwa hätten eine hundertprozentige Reproduktionsrate, würden sich also rasant vermehren, so Wolfgang Smyrek. Ohne ein regulierendes Eingreifen wären es zu viele, was zu Schäden an Bäumen führen würde. Die Arbeit der Jäger sei also wichtig – und der Dackel sei dabei ein treuer Helfer.

Das Verhalten manch anderer Hunde sehen die Teckelfreunde dagegen kritisch. Gerade in der Brut- und Setzzeit, sagen sie, seien frei laufende Tiere eine Gefahr für das Wild. Sie setzen auf Öffentlichkeitsarbeit, auf Aufklärung und einen Austausch mit den Besitzern. Nicht immer haben diese Bemühungen Erfolg. „Mein Hund darf das“, bekommen sie manchmal zu hören. Das aber, meinen sie, sei ein verantwortungsloses Gebaren. Gerade im Wald sollten Hunde angeleint sein. Der Besuch einer Hundeschule sei immer eine gute Vorbereitung.

Plötzlich schweift das Gespräch ab. Jeder der Dackelfreunde hat einen guten Erziehungstipp für Hunde parat. Gerade dieser Austausch mache es aus und den Stammtisch so lebendig, sagt Christian Fingerle.

Der Jagdteckel-Stammtisch

Stammtisch
Der Jagdteckel-Stammtisch trifft sich immer am ersten Montag im Monat um 19 Uhr im Restaurant Jägerhaus an der Römerstraße in Esslingen. Voraussetzung für eine Teilnahme sind eine Mitgliedschaft im Dachshundklub Württemberg Hohenzollern 1895 (DWH) und die jagdliche Führung des Hundes. Gegründet wurde der Stammtisch von Christian Fingerle. Interessierte können sich bei ihm unter der Handynummer 01 78/9 82 63 44 melden. Eine Homepage hat der Stammtisch nicht.

Dackel
Kurzläufige Jagdhunde sind nach Angaben des DWH seit dem Mittelalter bekannt. Der Dackel werde seit etwa 150 Jahren als kleinste Jagdhunderasse zunächst schwerpunktmäßig vor allem für die Baujagd gezüchtet. Er sei aber vielseitig einsetzbar.