Digitalisierung heißt auch verstärkte Interaktion von Mensch und Maschine. Betriebe stehen vor einem Wandel. Foto: dpa

Knapp die Hälfte der Betriebe sind nach Ansicht der Industriegewerkschaft Metall noch nicht auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet.

Frankfurt - Energiewende, Mobilitätswende – das sind Begriffe, die in der aktuellen Diskussion neben dem Klimaschutz am häufigsten zu finden sind. Doch im betrieblichen Alltag sind sie nach Ansicht der Industriegewerkschaft Metall noch nicht richtig angekommen. „Knapp die Hälfte der Betriebe hat keine oder keine ausreichende Strategie zur Bewältigung der Transformation. Betriebe und Beschäftigte müssen sich auf neue Qualifikationen und zum Teil auch auf neue Geschäftsmodelle einstellen. Die dazu notwendige Fähigkeit zur Veränderung ist allerdings erst in Ansätzen bemerkbar. Wenn sich die Unternehmen weiterhin so defensiv verhalten, spielen sie Roulette mit der Zukunft der Beschäftigten“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann in Frankfurt bei der Vorstellung eines Transformationsatlas der Gewerkschaft.

Die IG Metall hat im Frühjahr in knapp 2000 Betrieben mit 1,7 Millionen Beschäftigten die Betriebsräte zu der aktuellen Aufstellung ihrer Unternehmen zu diesen Themen befragt. Auch in Baden-Württemberg ist die Lage dabei kaum besser als im Bundesdurchschnitt. Hier haben vier von zehn Betrieben keine klare Strategie zur Bewältigung dieser Transformation. Nur in jedem zweiten Betrieb gebe es eine systematische Personalplanung mit Blick auf den digitalen Wandel. Landesbezirksleiter Roman Zitzelsberger forderte vor allem mehr Weiterbildung. „Wer die Zukunft nicht verspielen will, muss sich jetzt um die Qualifizierung seiner Beschäftigten kümmern.“

Der technologische Wandel führt langfristig zu weniger Jobs

Die Hauptsorge der IG Metall gilt den Betrieben der Energie- und Automobilindustrie. „Wir brauchen klare politische Rahmenbedingungen für die Energie- und Mobilitätswende, einschließlich der dafür nötigen Investitionen in die Infrastruktur“, forderte Hofmann. Es sei völlig verfehlt, wenn in manchen Betrieben derzeit Kurzarbeit gefahren werde, obwohl diese Unternehmen etwa die Kabel für die benötigte Energie liefern, sie aber aufgrund der fehlenden Planung keine Aufträge bekommen. In der Windkraftbranche seien sogar 4000 Arbeitsplätze weggefallen, obwohl diese doch zu den Zukunftsfeldern zähle.

Dennoch ist klar, dass der technologische Wandel langfristig zu einem Abbau der Beschäftigung führen wird: Das hat die Umfrage deutlich ergeben. Die Gewerkschaft hält daher ein „Transformations-Kurzarbeitergeld“ für erforderlich. Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten die Möglichkeit bekommen, entweder neue Arbeit zu finden oder sich für die neue Herausforderung zu qualifizieren. „Die höchsten Rückgänge erwarten wir in Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten“, sagte Rudolf Luz, Bereichsleiter Betriebspolitik beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt. Besonders stark wird die Automobil- und Zulieferindustrie durch den Technologiewandel verändert: In 54 Prozent der Betriebe in dieser Branche wird damit gerechnet, dass die Zahl der Arbeitsplätze sinken wird. „Vor allem für Zulieferer kann die Transformation existenzgefährdend werden, wenn sie nur über wenig Kapital und keine tragfähigen neuen Geschäftsmodelle verfügen“, sagte Hofmann.

Die IG Metall fordert eine bessere Qualifizierung für alle Beschäftigten

Angesichts der Ergebnisse fordert der Gewerkschafter von den Arbeitgebern, Vorsorge zu treffen und die Betriebe auf die Transformation einzustellen. „Die Unternehmen müssen die anstehenden Veränderungen offensiv angehen. Dazu gehören Investitionen in neue Produkte, Prozesse und in neue Geschäftsmodelle. Nötig ist auch eine vorausschauende Personalplanung und betriebliche Qualifizierung, um sicherzustellen, dass die Betriebe den Wandel bewältigen können“, sagte Hofmann. Berufliche Weiterbildung dürfe sich nicht mehr auf Spezialisten und Führungskräfte beschränken, alle Beschäftigtengruppen müssten die Chance bekommen, sich zu qualifizieren.

Für Regionen, die vom Strukturwandel besonders betroffen sind, weil sie zum Beispiel stark von der Automobilindustrie abhängen, müssten nach Ansicht der ­Gewerkschaft Strukturfonds aufgelegt werden, um die Veränderungen abzufedern.

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