Das Böblinger Krankenhausareal soll zu einem Technologie- und Innovationsstandort werden. Foto: Stefanie Schlecht

Wie sieht die Zukunft des Böblinger Krankenhausareals aus? Die Stadt will Technologie-Firmen ansiedeln und dem Landkreis das Gebiet abkaufen. Regionale Unternehmen sollen bei der Entwicklung helfen. Und ein Stadtrat warnt vor gefährlichen Investoren.

Wenn das Böblinger Krankenhaus im Jahr 2026 ins neu gebaute Flugfeldklinikum umzieht, bleiben die Gebäude und eine mehr als zehn Hektar große Fläche am Waldrand zurück. Seit Längerem wird heiß diskutiert, was danach damit passieren soll. Kein Wunder: Schon die Weite der Fläche und die gute Anbindung an die Autobahn zeigen ihr Zukunftspotenzial. Zunächst kam es zwischen dem Landkreis Böblingen, dem die Fläche gehört, und der Stadt Böblingen, die die planerische Hoheit besitzt, zu Diskussionen. Doch seit Sommer ist man sich einig. Beide suchen gemeinsam nach einem Investor, der das Areal entwickeln soll.

 

In der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres bereiteten die Böblinger Stadträte den Weg für den nächsten Schritt. In den vergangenen Monaten war die Fläche analysiert und waren einige Rahmenbedingungen für die Entwicklung ausgearbeitet worden. Die stellte Carmen Stark vor, die für die Flugfeldkoordination zuständig ist.

Wohnungen für Menschen, die auf dem Areal arbeiten

Wie soll das Areal also genutzt werden? Möglichst als Technologie- und Innovationsstandort von überregionaler Bedeutung. Idealerweise sollen dabei Unternehmens- und Technologiecluster weiterentwickelt werden, die es in der Region bereits gibt. Zudem soll Wohnraum entstehen. Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger betonte aber, man wolle explizit kein neues Wohngebiet dort planen, sondern Wohnflächen für Menschen, die auf dem Areal auch arbeiten. „Wir brauchen einen Ersatz für eine Gewerbefläche, die sinnvoll genutzt wird“, sagte sie. Immerhin wurden Böblingen im Zuge des Baus des Flugfeldklinikums sechs Hektar wertvolle Gewerbefläche abgekauft.

Interessanterweise beschreiben die Bedingungen auch explizit, was nicht auf dem Areal entstehen soll: Lagerhallen oder Tankstellen etwa – und auch Landeserstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete sind ausgeschlossen. Unterkünfte waren ursprünglich der Plan des baden-württembergischen Justizministeriums für das Gelände. Doch durch die Einigung von Landkreis und Stadt hat sich dieses Thema vorerst erledigt.

Zudem wurde festgelegt, dass das Areal an vorhandene Straßen und Wege angeschlossen werden soll. Es soll grundsätzlich möglich sein, Gebäude zu erhalten oder zurückzubauen. Und natürlich darf der Klimaschutz nicht zu kurz kommen. So ist etwa eine Fassaden- und Dachbegrünung geplant.

Die Stadträte begrüßten die vorgestellten Konzepte. Kerstin Froese (Grüne) betonte, damit sei man auf einem guten Weg, die bestmögliche Lösung für Stadt und Landkreis anzustreben. Ihr Parteikollege Markus Helms erinnerte daran, dass der Landkreis durch die Kreisumlage auch von dem geplanten Konzept profitieren würde, das viele Gewerbesteuereinnahmen verspricht. „Der Landkreis sollte das im Kopf haben“, sagte er.

Stadtrat: Keine gefährlichen Investoren anziehen

Dem schloss sich auch Manuel Böhler (SPD/Linke) an. Er mahnte aber an, die interessierten Investoren genau zu prüfen – und verwies auf Investoren wie René Benko, der Chef der kürzlich pleitegegangenen Firma Signa, und der vom US-Finanzministerium sanktionierte Ajmal Rahmani, Investor im Ehninger Riesenprojekt Quantum Gardens. „So vermeiden wir, dass so ein schönes Projekt, das da oben entstehen kann, uns auf die Füße fällt“, sagte er. Auch vonseiten der anderen Stadträte kamen positive Signale.

Letztendlich stimmte das Gremium den städtebaulichen Rahmenbedingungen geschlossen zu. Damit steht fest: Egal, wer was auf dem Gebiet baut – diese Bedingungen sind gesetzt. Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) bedankte sich für das eindeutige Votum: „Damit stärken Sie uns den Rücken.“ Im Sommer 2024 soll der Investorenwettbewerb abgeschlossen sein.

Ein weiterer Beschluss, der mit der Abstimmung einherging: Die Stadtverwaltung darf kundtun, dass Böblingen das Areal kaufen will. Außerdem gaben die Stadträte das Okay dafür, regionale Unternehmen in einem empfehlenden Beirat zu beteiligen. Diese hatten ihre Hilfe angeboten.

Vom Maienplatz aufs Flugfeld

Maienplatz
 Im Jahr 1897 wurde das Bezirkskrankenhaus auf dem Böblinger Maienplatz mit 25 Betten eingeweiht. 1962 war es auf 210 Betten angewachsen, zehn Ärzte betreuten die Patienten.

Kreiskrankenhaus
 Nach sechsjähriger Bauzeit wurde das Böblinger Kreiskrankenhaus am heutigen Standort im Juli 1967 eröffnet. 46,5 Millionen Mark kostete der Bau. Knapp 40 Jahre war es eigenständig, es gab immer wieder Renovierungen und Anbauten. Gleichzeitig wuchs aber das Defizit.

Verbund
 2006 wurde der Klinikverbund Südwest gegründet mit dem Klinikum Sindelfingen-Böblingen als Plankrankenhaus mit zwei Standorten. Zudem gibt es die Kliniken Herrenberg, Leonberg, Calw und Nagold.

Flugfeld
 Seit 2021 wird die neue Flugfeldklinik gebaut, in die die Kliniken Sindelfingen-Böblingen 2026 umziehen sollen. Baukosten aktuell: 750 Millionen Euro.