Das Logo des Softwareherstellers SAP ist in der Zentrale in Walldorf zu sehen Foto: dpa

SAP ist der weltweit größte Hersteller von Geschäftssoftware. Doch die baden-württembergische IT-Schmiede entwickelt auch viele Produkte, die Verbrauchern nutzen.

Mit Daten besser Fußball spielen

Ballbesitz, Ballkontakte, Ballhaltezeit, gewonnene Zweikämpfe, Laufgeschwindigkeit, Laufstrecke: Zuschauer kennen Begriffe wie diese von Fußball-Übertragungen. Der Sport ist zum High-Tech-Datensport geworden, und SAP spielt bei manchen Vereinen schon auf dem Trainingsplatz mit.

Sensoren stecken in Gürteln unter den T-Shirts oder in den Schienbeinschützern der Spieler, die Daten werden in Echtzeit an SAPs Datenbank Hana übertragen – wo sie analysiert und visualisiert und an Smartphone oder PC gesendet werden. In Echtzeit kann der Trainer den Spielern Feedback geben. Oder die Daten als Vorbereitung auf den kommenden Gegner nutzen.

„Match Insights“ hieß zum Beispiel das SAP-Programm, das der DFB bei der Weltmeisterschaft in Brasilien nutzte. Aus Millionen von Daten konnte zum Beispiel jeder Spieler via App auf dem Tablet sich selbst und seinen nächsten Gegenspieler analysieren. Passende Szenen stehen auf Knopfdruck bereit. Dank ähnlicher Analysen habe die deutsche Mannschaft binnen Jahren die durchschnittliche Zeit zwischen Ballannahme und -abgabe von 3,4 auf 1,1 Sekunden verringern können, heißt es. Die Anwendungsmöglichkeiten sind fast unbegrenzt. Künftig könnte zum Beispiel der Kabinenansprache in der Halbzeitpause eine von Daten gestützte Taktikänderung folgen.

Der Einkaufsberater für den Supermarkt

Einige Kunden kennen das bereits: Sie haben für ihr Lieblingswarenhaus eine Smartphone-App, mit der sie sich am Eingang des Ladens ausweisen. Apps wie diese bietet auch SAP an, sie funktionieren wie persönliche Kaufberater. Mit der App lassen sich zum Beispiel Informationen zur Weißweinflasche anzeigen oder ein Rabatt auf das Smartphone spielen, damit der Kunde an der Käsetheke zum passenden Camembert greift.

Die App kennt die Vorlieben und Kaufhistorie der Kunden und schlägt zur Abwechslung vor dem Süßigkeitenregal eine Schokoladenvariante vor oder erinnert bei den Drogerieartikeln daran, dass man vermutlich neues Toilettenpapier braucht. „Präzisionsmarketing“ wird das genannt. Es funktioniert in Echtzeit, virtuelle und reale Welt verschmelzen.

SAP stellt dem Handel auch die Software für die Logistik der Waren zur Verfügung und begleitet so den Weg der einzelnen Produkte, etwa von Nutella: „Wir kümmern uns darum, dass die Zutaten gekauft werden, dass die Mischung in der Produktion läuft, dass sie abgefüllt und geliefert wird, dass sie im Supermarkt im Regal nachbestellt wird und dass sie an der Kasse abgerechnet wird“, sagt SAPs Technologie-Experte Rolf Schumann.

Maßgeschneiderte Krebsbehandlung

Wie Krebs wirkungsvoll heilen? Da Tumore sich unterscheiden, müssen Krebspatienten möglichst individuell behandelt werden. 12 000 Patienten im Jahr werden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg therapiert. Das NCT bietet Patienten künftig eine Erbgutanalyse ihrer Krebszellen an und empfiehlt darauf aufbauend eine Therapie.

Neben den Genomdaten fließen Arztbriefe, Laborwerte und radiologische Befunde mit ein. Außerdem werden die weltweiten Daten von ähnlichen Behandlungen verglichen.

SAPs Turbodatenbank Hana hilft dabei, die riesigen unterschiedlichen Datenmengen zusammenhängend zu betrachten und binnen kürzester Zeit zu analysieren. Die Hoffnung der Mediziner: Die Wirksamkeit einer Therapie lässt sich besser beurteilen – vor allem wenn Standardtherapien ausgereizt sind.

Die Quote der Therapieerfolge könnte einmal von derzeit unter 35 Prozent auf 75 bis 85 Prozent steigen. Außerdem können Patienten schonender behandelt werde, da sie weniger und passgenauere Medikamente erhalten. Die maßgeschneiderte Krebsbehandlung läuft derzeit in klinischen Studien. Später soll sie Teil der Regelversorgung sein.

Mit dem Tablet auf Kundenbesuch

Natürlich kommen die Verbraucher auch bei der Arbeit mit SAP-Software in Berührung. Die neueste Variante stellte SAP vor wenigen Tagen vor. Sie basiert auf der Turbo-Datenbank Hana, die Analysen in Echtzeit garantiert. Mit ihr soll der Geschäftsbedarf genauer und schneller eingeschätzt werden, das soll Geld und Zeit sparen helfen.

Beispiel Vertrieb: Mit der Geschäftssoftware hat der Vertriebsmitarbeiter Informationen über den Kunden parat, zum Beispiel welche Aufträge und Beschwerden es bisher gab oder welche Aufträge noch offen sind. Dazu werden Daten analysiert, zum Beispiel aus der eigenen Datenbank und aus sozialen Netzwerken. Idealerweise hat der Vertriebsmitarbeiter alles Wissen strukturiert und ­visualisiert zur Hand. Er kann mit der ­Geschäftssoftware auch einen Reiseantrag stellen, Spesen abrechnen oder Belege ­einreichen.

Ähnliches gilt für einen Geschäftsführer. Er erhält die Bilanz nicht nur zum Quartalsabschluss, sondern täglich auf einen Klick. Im Prinzip kann der Konzernmanager via Tablet von unterwegs die Geschäfte in aller Welt steuern. Er weiß, wie groß Nachfrage und Angebot sind, wie weit die Zulieferer sind oder wie sich die Rohstoffpreise auf die Produktion auswirken. Im Idealfall bemerkt er damit schon vorher, wie sich der Markt entwickeln wird.

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