Mijk van Dijk hat zugesagt, Paul Kalkbrenner ist ebenso angefragt wie Sven Väth. Der Grund: Im Ditzinger Ortsteil wird es erstmals ein Festival mit elektronischer Musik geben.
Ditzingen - Schöckingen ist ein beschaulicher Flecken im Süden des Landkreises Ludwigsburg. Gerade einmal rund 1800 Einwohner zählt das ehemalige Bauerndorf. Im Sommer soll es aber zum Mekka der Techno- und Houseszene werden. Das erste Elektronische Festival „Tanzwiese“ soll im Sommer, am 18. Juli steigen.
Die Stadt gewährt dafür einen Zuschuss von maximal knapp 12 000 Euro. Schließlich können die Organisatoren bereits mit den ersten festen Zusagen für Auftritte aufwarten – unter ihnen Mijk van Dijk, der DJ und Musikproduzent aus Berlin. Angefragt ist außerdem der Musiker Paul Kalkbrenner, der spätestens seit dem Film „Berlin Calling“ einem größeren Publikum bekannt ist.
„Wir wollen eine Nische von Festival nach Hause holen“, nennt die Projektmanagerin Gina Schreiber die Motivation, ein solches Festival zu starten. Der Musikfestivals wegen nach Berlin zu gehen oder in eine andere Großstadt, könne sich schließlich „nicht jeder leisten“. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass allein die zugesagten Musikacts darauf schließen lassen, „dass auch Besucherinnen und Besucher außerhalb der Region Stuttgart angesprochen werden könnten“.
Organisatoren arbeiten ehrenamtlich
Dass zum Techno-Mekka der Region ausgerechnet ein Ort werden könnte, der wegen seiner Fachwerkidylle einst zum schönsten Dorf des Landes gekürt worden war, hat mit den Organisatoren zu tun. Verantwortlich zeichnet der Jugend- und Freizeitclub Schöckingen, kurz „sbaenkle“. Die Projektmanagerin Gina Schreiber ist ebenfalls Schöckingerin, ihre Mutter gehört dem Vorstand an.
Der Jugend- und Freizeitclub bietet seit mehr als zehn Jahren sowohl offene Angebote als auch betreute Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche. Der Verein hat nach eigenen Angaben mehr als 170 Mitglieder allen Alters. Auch Schreiber entstammt diesem Umfeld.
Neben Mijk van Dijk haben die DJs Simon L, 999Meter sowie die Ditzinger Patrigson und youngoetti zugesagt. Angefragt sind neben Kalkbrenner unter anderem Boris Brechja aus Ludwigshafen, Le Shuuk aus Stuttgart sowie Sven Väthaus dem hessischen Landkreis Offenbach.
Wenngleich Gina Schreiber professionelle Projektmanagerin ist, arbeitet die Schöckingerin wie alle anderen Organisatoren ehrenamtlich. Sie wollen bei Planung und Umsetzung der Veranstaltung zudem ein besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit legen. Themen wie Ökostrom, Busshuttle zum Veranstaltungsort, Mülltrennung wollen die Organisatoren aufgreifen. Außerdem soll es einen Nachhaltigkeitsmarkt geben.
Die Stadträte bedachten die Organisatoren mit großen Vorschusslorbeeren. „Wir begrüßen, dass sie sich so engagieren“, sagte Grünen-Fraktionschefin Doris Renninger, „sehr mutig“ hob SPD-Fraktionschefin Sabine Roth hervor, denn das Festival „könnte eine große Strahlkraft entwickeln“. Auch aus der CDU kam Zustimmung. „Das klingt für uns sehr spannend“, sagte Sven Sautter. „Ein Festival im Kleinformat würde zu Schöckingen passen.“ Allerdings fragte er auch, was passiere, „wenn wir das Format nicht im Kleinformat halten können“.
Sicherheitskonzept ist verpflichtend
Die Veranstalter erklärten, bereits in Kontakt mit der Polizei zu sein. Der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) machte deutlich, dass das Wort der Ordnungshüter entscheidend sei. „Eine Veranstaltung findet auf einem städtischen Grundstück nur statt, wenn das Sicherheitskonzept von der Polizei abgesegnet ist“. Aus den Reihen der Freien Wähler kam zudem die Anmerkung, Rücksicht auf die Tiere in der Land- und Pferdewirtschaft sowie im Wald zu nehmen. „Ich kann nachvollziehen, dass sich die Menschen Sorgen machen.“
Das Festival findet auf der Freizeitanlage Waldstraße statt. Diese war bereits mehrfach Ort kultureller Veranstaltungen, wie die Sommernächte und des Open-Air-Kinos. Der Verein sei darauf hingewiesen worden, dass bei einem neuen Festival „kaum sichere Vorhersagen zur Besucherzahl und Akzeptanz und damit zum Umsatz zu machen sind“, so die Verwaltung. Gleichwohl zeigte sie sich davon überzeugt, dass das finanzielle Risiko beherrschbar sei. Sie setzt darauf, das Festival „in einem regelmäßigen Rhythmus“ in Schöckingen etablieren zu können.