Ey Stuttgart! Mach mal Platz für Techno! Am Samstag steigt auf der Messe wieder das Festival Semf. Foto: Laura Müller-Sixer

Semf ist nur einmal im Jahr: Wir haben mit den Stuttgartern über ihre besten Momente auf dem Festival gesprochen und mal in die Runde gefragt, wie viel Techno nun wirklich hinter dem Feinstaub der Mutterstadt versteckt ist.

Stuttgart – Wie „Techno“ ist es eigentlich im Kessel? Immer wieder wird die Subkultur in Stuttgart heiß diskutiert, auch unter den Feierwütigen selbst. Viele Clubs sind in den vergangenen Jahren von der Bildfläche um Theo und Co. verschwunden. Vor Kurzem verabschiedete sich auch Cue und bald das Zollamt. Neue Angebote gibt es – nur leider zu wenige. Fragt man unsere Techno-Stadtkinder, sind sie sich in einer Sache einig: Stuttgart, da geht noch was!

Lea, 25 Jahre: No Hate

Techno in Stuttgart ist... oft Wind um nichts. Die Szene haben wir auch für verschiedene Altersgruppen. Lehmann, Romy S., Climax und Co. holen mittlerweile auch große Acts in den Kessel. Dafür sollte man schon dankbar sein. Underground-Musik ist eben immer ein Risiko und oft steht ja bekanntlich auch die Bürokratie nicht ganz auf der Seite der Veranstalter.

Stuttgart braucht... mehr Offenheit im Umgang mit neuen Projekten. Statt von Anfang an erstmal alles abzuhaten, wünsche ich mir mehr unvoreingenommene Partygänger. Wie gut ein Laden läuft, hängt ja auch immer vom Publikum selbst ab.

Mein bester Semf-Moment... war, als es Felix Jaehn noch nicht gab.

Stefan, 27 Jahre: Futuristische Beton-Ästhetik

Techno in Stuttgart ist… ein beschwipster Polterabend im Hobbykeller des Brautvaters. Mit den richtigen Leuten und einer Konfettikanone ist selbst die Holzvertäfelung egal. In diesem Frühjahr hat das White Noise im Schwabenzentrum eröffnet und damit die eher spärliche Club-Landschaft um einen wichtigen Fixpunkt erweitert. Die futuristische Beton-Ästhetik, Veranstaltungsreihen von Common Sense People, Kitjen und Co. sowie gute Underground-Bookings, machen das White Noise zu einer geilen Location.

Stuttgart braucht… mehr Raum für Sub- und Gegenkulturen. Wichtige Projekte wie Contain't stehen jedes Jahr aufs Neue vor grundlegenden Existenzkämpfen. Auch in diesem Jahr sind viele Künstler und Musiker aus Stuttgart in Städte wie Berlin, Leipzig oder Köln umgezogen. Und das nicht ohne Grund. Wenn man Innovation und Kreativität hier halten möchte, muss die Stadt im Jahr 2017 handeln.

Gabriel, 22 Jahre: Zum Feiern nach Berlin

Techno in Stuttgart ist… in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden. Für jeden was dabei, aber keineswegs optimal. Viele aus der "Szene" sind in den vergangenen Jahren nach Berlin und Co. gezogen. Bedauernswert ist der Abgesang des Rocker 33 und der alten Afterhour im Toy. Musikalisch betrachtet, erweiterte From Another Mind die Stuttgarter Vielfalt von Techno auf äußerst positive Weise. Die Bookings von Freund & Kupferstecher und White Noise sind ebenfalls gespickt mit interessanten Vertretern elektronischer Musik.

Stuttgart braucht... mehr Auswahl für den etwas spezielleren Technogeschmack. Damit ist aber natürlich auch ein höheres wirtschaftliches Risiko für die Clubs verbunden, weswegen ich in Stuttgart aktuell zufrieden bin, aber oft zum Feiern nach Berlin reise. Trotzdem, 'ne Veranstaltungsreihe mit groovigem 90s Oldschool House à la Todd Terry, Armand van Helden oder Crystal Waters wäre auf jeden Fall mal was Feines.

Mein bester Semf-Moment… war als Luciano den Track Finder des Stuttgarter Produzenten Ninetoes gegen Ende der Semf 2013 spielte.

Rosa, 22 Jahre: Techno als Mangelware

Techno in Stuttgart ist… Mangelware. Vor allem hat sich aber die Clublandschaft verändert. Techno ist in den letzten Jahren kommerzieller geworden und ich glaube auch, dass die Leute, die dazu feiern, zunehmend jünger sind. Die Club-Szene verändert sich natürlich auch. Früher fand im Toy noch die Afterhour statt, heute ist das nicht mehr so. Das Cue hat auch seine Tore geschlossen.

Stuttgart braucht... mehr Abwechslung im Techno-Angebot.

Mein bester Semf-Moment… ist schon ein paar Jahre her und war in der Chillout-Area mit meinen Leuten. Hier haben wir die Zeit nach dem Tanzen verbracht und konnten uns auch unterhalten, da das ja in den Halle eher weniger möglich ist.

Pierre, 28 Jahre: Mehr Open Airs im Sommer!

Techno in Stuttgart ist... mittlerweile richtig vorzeigbar! Leider sterben noch immer mehr Clubs aus, als im Kessel entstehen. Zuletzt zum Beispiel das Zollamt.

Stuttgart braucht… als mittlerweile Leipziger, kann ich sagen, dass Stuttgart mehr Open Airs im Sommer braucht!

Mein bester Semf-Moment… war wahrscheinlich der letzte Track den ich selbst 2011 als Closer auf dem Semf gespielt habe und es schon hell war.

Zoe, 19 Jahre: Eine neue Seite der Techno-Szene

Techno in Stuttgart ist... beliebt und vielfältig.

Stuttgart braucht...eine neue Seite der Szene sowie Veranstaltungen und Clubs.

Mein bester Semf-Moment... sind immer wieder die vielen bekannten Gesichter aus der Umgebung und gute Gespräche.

Galla, 23 Jahre: Angebot und Wertschätzung

Techno in Stuttgart ist… dank der Locals engagiert und vielfältig. Das Angebot an Veranstaltungen wächst wieder und vor allem auch die Wertschätzung der Gäste. Oft wird sich ja bei 8 Euro Clubeintritt und 15 Euro Open Air mit Afterparty erst einmal beschwert. Aber wenn man erfährt, was da im Hintergrund alles organisiert wird, verstehen es die meisten.

Stuttgart braucht…unbedingt nutzbare Off-Locations.

Meine besten Semf-Momente… sind wohl die 5000-Mal bei David an der Bar – es ist immer praktisch Freunde hinterm Tresen zu haben. Und natürlich die Dundu-Puppen von Tobias Huseman. Die gehören einfach zum Festival dazu.

Sophia, 21 Jahre: Für die breite Masse

Techno in Stuttgart ist... massentauglich geworden. Es wird ein immer breiteres Publikum erreicht. Das finde ich gut!

Stuttgart braucht...das Rocker und Contain't wieder.

Mein bester Semf-Moment war...2014 der Gig von Format B.

Juli, 23 Jahre: Variation, bitte!

Techno in Stuttgart ist... gar nicht sooo schlecht, wie alle immer sagen. Aber trotzdem nicht zu vergleichen mit Berlin, was alle immer tun. Leider geht das Line-Up der Clubs immer mehr weg vom Techno selbst und mehr Richtung Kommerz. Das ist aus Sicht der Veranstalter aber verständlich.

Stuttgart braucht... mehr Variation im Booking.

Mein bester Semf-Moment... war 2014 bei Adam Beyer – episch!

Felix, 22 Jahre: Im Süden entwickelt sich was

Techno in Stuttgart ist... vielfältiger geworden, aber die Szene ist gespickt von Leuten, die sich eigentlich überhaupt nicht mit der Musik beschäftigen und auf Technoparties gehen, weil es 'in' ist. Aber dank der Jungs von From Another Mind und Leuten wie Konstantin Sibold hat sich da wieder etwas im Süden entwickelt.

Stuttgart braucht...Crowds, die sich in eine technoide Einheit verwandeln und eine gute, etablierte Afterhour am Sonntag. Außerdem hoffe ich, dass die LOVEit-Jungs ihr Open Air nächstes Jahr durchbekommen. Allgemein wären mehr Veranstaltungen im Freien super..

Mein bester Semf-Moment... war definitiv, als eine heiße Zivilpolizistin einen Typen wegen 'nem Joint antanzte und ihn danach zur Personalienaufnahme mitnahm...der Arme hatte sich schon gefreut.

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